Man thut dem Hannoverschen Dialect eine zu große Ehre an, wenn man, wie sehr häufig geschieht behauptet, daß er der beste, und namentlich der Celler, der vorzüglichste in Deutschland sei. Es ist dies ein arger Irrthum und mag derselbe wol dadurch entstanden sein, daß jeder Buchstabe gleich betont wird, mithin das Hannoversche zuerst bescheiden und anspruchlos an das Ohr fluthet. — Die Worte erinnern dann an die Hofmänner von denen Jean Paul sagt, sie wollen sich nur gleich von Serenissimus, ohne daß Jemanden von ihnen der Vorzug gegeben wird, behandelt sehen, und sind zufrieden, wenn der Fürst auf sie, wie auf das Getäfel seines Vorzimmers nur gleichmäßig tritt. — Genießt man diese Conversation aber längere Zeit, so bekommt sie den Rang eines Wasserfalls, der Klang überwältigt den Sinn der Rede — und man schläft ein, was die Hannoveraner auch in der That unter sich früher thun, als jeder andere Deutsche Volksstamm.
Hat man das wol gesehen? lautet im wohlklingendsten Hannoverschen wie:
»Hatten dos wohhl jesehn.«
Beiläufig mag hier gesagt werden, daß wenn man nicht den bei Weitem am Wohlkingendsten Allemannischen Dialect als den besten unseres Vaterlandes ansehen will, man dem gebildeten Oldenburger oder Holsteiner, und namentlich dem letzteren im Fürstenthum Eutin, ohne alle Frage den Preis in dieser Hinsicht zuerkennen muß.
Ein großes Lob, welches übrigens die Hannoveraner trifft, ist die Nüchternheit und Mäßigkeit, welche dieselben im Allgemeinen durch den Nichtgebrauch geistiger Getränke beweisen. Namentlich gilt dies par excellence von der Klasse der Staatsdiener, und überhaupt von den Residenzbewohnern Hannovers.
Unter den Landsmanschaften zeichneten sich vor allen Dingen die »schwarz grün weißen Brüder« die »Westphalen« aus, welche sich im Jahr 1818 von den Holsteinern trennten, mit denen sie bis dahin seit vielen Jahren ein gemeinschaftliches Corps gebildet hatten. Ihr Chef war der gelehrte und herzensgute Holsteiner St., der durch den Tod seines Hundes »Peter Fix« in eine fast wahnsinnige Betrübniß gesetzt wurde. St. hatte Alles als Peripatheticker gelernt, hatte in der Schweiz, wo er sieben Male gewesen, zwei Male die Pandecten, drei Male das Criminalrecht, einmal das Lehnrecht, und so alle Wissenschaften durchgemacht. Dabei hatte Peter Fix seinen Herrn überall begleitet, sich wie dieser wacker durchgebissen. Ja im Nachtquartier hatte er sich sogar daran gewöhnt, mit seinem Herrn einige Töne zu heulen, welches St. mit großen Euphemismus, ein Duett nannte. Tief ergriff den Überlebenden daher der Tod des getreuen Vierfüßlers und nicht ohne Rührung ließ er sich ein Requiem vorsingen, das ich auf seinen Hund gedichtet hatte und wovon mir nur noch diese Strophen erinnerlich sind:
Chorus Guestphalorum.
Moestus noster flet praefectus
Et dolore est confectus,
Quia Canis interfectus.