Et quae decent, tribuamus.

Nächst den Pommeranern haben mir übrigens die Würtemberger am meisten gefallen, wenn auch die Grazie ihnen zuweilen mangelt. Erscheinungen wie »Strauß« und »Justinus Kerner« sind Beweise, welch einen ungeheuren geistigen Umfang dies kleine Volk im Reich der Gedanken, wie in der Vorstellung hat. — Jeder Würtembergsche Pastor kann die meisten unserer norddeutschen Generalsuperintendenten in Grund und Boden examiniren, und auf gleiche Weise ist der Würtemberger in allen Disciplinen gründlich zu Hause. Unbegreiflich ist es dabei mir immer gewesen, daß sich in einer solchen Stadt wie Stuttgart, wo dazu ein Cotta neben mehreren anderen höchst ehrenwerthen Buchhandlungen residirt, eine solche Menge Buchhändlerischer Schwindeler eingefunden haben, die mir mit ihren abentheuerlichen unausführbaren Pfenningsideen immer wie uneheliche Söhne eines aufgehängten Nachdruckers und eines verhungerten Harfenmädchens vorkommen. Sie schaden den Schriftstellern ungemein, indem sie vielen, ohnehin unmündigen Lesern mit ihren wohlfeilen, verstümmelten Groschenausgaben die wenigen Groschen ablocken, welche diese vielleicht für ein besseres oder wenigstens originales nicht gestohlenes Werk der neuen Literatur zu geben hätten.

Will man das Würtembergsche Volk in socialer Hinsicht lieb gewinnen, so muß man den Koppenhöfer besuchen der über Stuttgart liegt, und eine reizende Aussicht darbietet, welche noch um Vieles erhöht werden würde, wenn der Neckar einmal die Erlaubniß erhielte von dem nahe gelegenen Kannstadt aus die Residenz zu begrüßen. Hier sieht man im buntesten Gemisch alle Stände zusammen, oft an demselben Tisch, in der unverkümmersten anständigsten Unterhaltung, als wolle man die Conversation des tausendjährigen Reiches einstudiren, das nach der Prophezeiung des Tübinger Professors Bengel freilich schon 1836 hätte beginnen sollen, wozu aber wenigstens in Norddeutschland die Welt noch nicht völlig reif zu sein scheint.

Die Preußen waren schon damals von viel zu vielerlei Fleisch, als daß sie man generell characterisiren könnte. Sie scheinen ihre Aufgabe, die Repräsentanten der politischen und religiösen Freiheit und somit des Protestantismus zu sein, noch nicht ganz gelöst zu haben. Ich glaube es fehlt ihnen auch ein allgemeiner Dialect, wozu ich wol einen, nur nicht den Berliner Nanteaccent, der wirklich den höchst gestellten Leuten durch einen etwas zu geselligen (das Wort ist von Gesell gemacht) Anstrich verleiht, vorschlagen möchte. Indessen giebt es am Ende keinen Ton, der als Generalnenner für die nachfolgenden höchst verschiedenen Mundarten dienen könnte, welche in dieser Geschichte zusammen gewürfelt sind. Einem sehr vornehmen Mann in Berlin wurden nach dieser Anecdote vier junge edelmännische Militairs aus den verschiedenen Preußischen Provinzen; aus Pommern, Sachsen, Westphalen und der Rheingegend vorgestellt:

»Wie heißen Sie?« lautete die Frage, worauf der Pommeraner:

»Ich nenne mir Lottum

Der Sachse:

»Ich heeße Musemeischel.«

Der Westphale:

»Ich schreibe mich Sgade (Schade) und bin von Mesgede.« (Meschede.)