Der Rheinländer:
»Ick sin ein sicherer von der Straß Cölle am Rhi« geantwortet haben soll.
Ein Holländer Ruhs, der schönste und kräftigste Student seiner Zeit, ein famöser Schläger, kam in seinem zwanzigsten Semester auch nach Heidelberg. Man betrachtete ihn mit großer Ehrfurcht. Er selbst meinte aber vom Burschenleben, in den ersten sechs bis sieben Jahren mache das Burschenleben viel Scherz, dann aber kriegt man es doch auch satt, dann macht es keinen rechten Trödel mehr. —
Viertes Kapitel.
Die Heidelberger Professoren. Thibaut. Nägeli. Walch. Graf Sponek. Creuzer. Hegel. Paulus. Daub. Langsdorf. Schweins. Schlosser. Tiedemann. Gmelin. Munke. Konradi. Schelver. v. Leonhard. Die Pedelle, Krings und Ritter.
Thibaut ist ein Mann des Verstandes, zu dessen Ehre er oft die Empfindung zu demüthigen bestrebt ist. Die Art und Weise wie er über den damals empor lodernden Enthusiasmus der Jugend ironisirte, indem er vor allen Dingen die Lieblingsideen der Burschen lächerlich zu machen suchte, gaben ihn in unseren Augen das Ansehn eines kalten gefühllosen Mannes und vielleicht nicht ganz mit Unrecht. In Heidelberg selbst war die Petition der Bürger noch nicht vergessen, welche Martin mit unterzeichnet, Thibaut aber als strafbar desavouirt hatte. Durch diesen Umstand ward Thibauts bedeutender Einfluß in Carlsruhe gegründet, Martin hingegen bewogen, Heidelberg zu verlassen und einem Rufe nach Jena zu folgen.
Wenn hingegen von Musik die Rede war, so zeigte sich Thibaut auch als Enthusiast. Er lobte aber nur die geistliche, und von dieser die Italienische Musik. Man sagte, er halte Agenten in Rom, welche ihm zu hohen Preisen aus den verschiedenen Kirchenregistraturen manches Requim der trägen Ruhe für das gottseelige Thibautsche Fortepiano entreißen mußten, nichts destoweniger war er in dieser Beziehung jedenfalls einseitig, da er alle neuere Musik total verwarf, und Paer den Kotzebue der Musik nannte. Auf den Letzten schien er es besonders nicht zu haben. Er erzählte mit großem Vergnügen eine Historie von Schiller und Kotzebue. Der letzte hatte bei dem großen Dichter ein von ihm verfertigtes Trauerspiel, ich glaube den Ubaldo einschmuggeln gewollt, und zu diesem Ende vorgegeben, er wünsche Schiller das Product eines jungen hoffnungsvollen Dichters, und zwar ein Trauerspiel vorzulesen. Schiller hatte eingewilligt, indessen hatte Kotzebue noch nicht den ersten Act beendigt, als Schiller nicht mehr seine krampfhaften Zuckungen beherrschen gekonnt und ausgerufen habe: »Das Trauerspiel mag der Teufel auch von einem jungen Dichter sein, das ist das Machwerk eines alten keiffigen Theaterscriblers, der die Bühne durch und durch kennt, dem aber Phantasie und Gefühl mangelt.« —