»Herzallerliebstes Schatze mein!«
kein bindendes Eheversprechen enthalte, wol aber der Satz:
»Ich will Dich nehmen, die Leute mögen sagen was sie wollen.«
Einer seiner Hauptfeinde war der Professor Schömann, welcher in der Materie über die culpa eine Abhandlung gegen ihn geschrieben und wovon er geäußert hatte, diese solle Thibaut unter die Erde bringen. Thibaut citirte diese Abhandlung oft mit einem nicht eben angenehmen Lächeln: »Todtschlagsdissertation von Schömann.«
Hospitanten litt er nicht, vor allen keine Zuhörer höheren Alters. Ich habe ihn einen angesehenen Mann, der ihn um die Erlaubniß seine Vorlesung zu besuchen um Gotteswillen bitten gesehen daß er ihm seine Unbefangenheit nicht total rauben möge. —
Auf Göttingen war Thibaut übel zu sprechen. Von einem Professor, der sehr viel auf Etiquette hielt, pflegte er zu erzählen, daß dieser einem Studenten der ihn nicht in Escarpins besucht, mit den Worten empfangen: Mit ihrer Kleidung pflegt man nicht honnette Leute zu besuchen, worauf der Studio geantwortet habe: »Das thue ich auch nicht.«
Der Geheimerath Nägeli war ein geistvoller jovialer Mann. Er ist berühmt geworden namentlich als Accoucheur, hat gezeigt und thut es noch, daß man ein sehr gelehrter Mann sein kann ohne die herrschenden Ansichten über das »mir« und »mich« zu theilen. Ich habe ihn nur einmal bei Thibaut gesehen und erinnre mich noch einer sehr feinen psychologischen Bemerkung, welche er damals zum Besten gab. — »Immer,« sagte er, »wenn ich zu armen Juden gerufen bin, erstaunte ich über die Menge des Silbergeschirrs, das in dem Vorzimmer, durch welches ich zu der Kammer in welcher das Krankenbett stand, geleitet wurde, aufgestellt war. Ich konnte dies anfangs nicht fassen, endlich kam ich auf den Grund. Man wollte mich durch die Schätze nur dazu bestimmen, mich eben so thätig gegen den Patienten zu beweisen, als ob ich einen Rothschild zu behandeln habe.« —
Der Professor Walch war ein grundgelehrter Mann, dem aber alles fremd war was nicht im corpus juris stand. Als er einmal Ebbe und Fluth nicht begreifen konnte, verdeutlichte sie ihm einer meiner jovialen Freunde durch die juristische Formel: Wenn Cajus kommt so geht Sempronius, und wenn Sempronius kommt so geht Cajus. Aha nun verstehe ich Sie vollkommen mein Theurer, das Beispiel macht mir die Sache klar, versetzte der alte Rechtsgelehrte.
Bei den Forstwissenschaften war ein Graf S. angestellt, der beschuldigt wurde, in seine Vorlesungen zuviel von seinen häuslichen Verhältnissen zu mischen. Ich habe den alten Herrn nie gesehen, wol aber in einem von mir dictirten Heft geblättert wo mir dann die Stelle, als ein herrlicher Beitrag für die jetzige Adelszeitung ins Auge fiel:
»Forstmeistern siegeln mit ihren Wappen, Förster mit ihren Petschaften.«