Doch zur Sache. — Ich logirte in Jena bei zwei Gebrüder B. aus Mecklenburg, welche in der Apotheke am Markt wohnten. Eines Tages ging ich mit Sand und einem Andern, dessen Name mir entfallen ist, ich glaube aber es war der jetzige Professor Leo in Halle über das forum vor das Thor, um einen Platz zu suchen, wo wir am 3. März zur Feier der Einnahme von Paris eine Eiche pflanzen wollten, welches auch an dem fraglichen Tage mit großer Feierlichkeit vollführt worden ist. Ich beklagte mich, daß der Taback schlecht sei und daß ich um mich Sächsisch-Weimarsch-Eisenachsch auszudrücken, den Lausewenzel nicht mehr bleffen möge. »Ei!« bemerkten meine Begleiter, »wenn Du sechs gute Groschen für das Viertelpfund anwenden willst, so gehe nur in den Kramladen da, dicht neben der Sonne, da kannst Du Hamburger Justus bekommen.« »Hängt!« (das lateinische accipio) entgegnete ich burschikos und ging in das mir bezeichnete Kaufhaus, worin sich der Krämer mit seinem Lehrburschen befand. Die Anderen warteten meiner draußen. —
Ich foderte den mir bezeichneten Taback. Der Kaufherr erklärte mir, daß die fragliche Sorte auf dem Boden liege, daß er sie mir holen wolle. Aber in demselben Augenblicke sah ich diesen guten Mann als Leiche auf einem Paradebett. Die Vision schwand indessen sogleich und beängstigte mich eben auch nicht sehr, denn es war heller Mittag. —
Nichts desto weniger bemerkte ich dem Ladenjungen: »Geben Sie Acht Ihr Herr stirbt bald.« »Ei warum entgegnete dieser, er ist ja kerngesund.« »Er ist so corpulent,« versetzte ich, hiedurch Entscheidungsgründe für mein Gottes-Urtheil suchend.
»O das hat nichts zu bedeuten,« versetzte der Lehrling. »Ich kenne den Herrn schon seit vielen Jahren, er hat immer so ausgesehen.«
In dem Augenblicke kam der Kaufmann und überreichte mir das Paquet Taback. Ich zahlte, glotzte ihn noch einmal an und fühlte nun wohl daß ich mich total geirrt hatte. Er sah in der That kerngesund aus.
Wenn man im Norden einen Bauer fragt: »Freund! wie weit habe ich bis zu X.?« so hört man nicht selten die Antwort: »Eine Pfeife Taback.« Es wird von den Antwortenden darunter eine gewisse Zeit verstanden. In diesem Sinne kann ich von einem Viertelpfund Taback weiter referiren. Ich blies meine letzte Pfeife nach wenigen Tagen aus dem zweiten Stock der Jenaer Marktapotheke in die Luft, als ich vor dem bereits erwähnten Kramladen, dicht an der Sonne, einen Leichenzug halten sah.
Ich gestehe, nie in meinem Leben von einer solchen innern Angst ergriffen worden zu sein, als an dem fraglichen Nachmittage. »Seht Ihr,« rief ich aus, abermals eine Vision wähnend, mit dem Finger nach dem Kramladen zeigend, »seht Ihr was dort vorgeht?«
»Es ist ein Leichenzug,« war die, aus dem Munde der Gegenwärtigen einstimmig hervordringende Antwort.
In Bremen lebt ein geistreicher Schiffsmackler Namens Heineken, der erste und vielleicht der einzigste, welcher nach einem Compaß von Schwedisch nach Russisch Lappland gesteuert ist. Zehn Tage und zehn Nächte hat derselbe sich mit gefrorner Milch und Fleisch vom Rennthier und mit Branntwein genährt, und schon die Hoffnung aufgegeben, je wieder menschliche Wohnungen in diesen Schnee- und Eisgefilden zu finden, als er endlich am eilften an einem Tannengehölz gekommen ist, aus dem ein Hundegebell ihm die Nähe von bald gefundenen Menschen verkündigt hat. »Nie,« pflegte er oft zu sagen, »hat mich eine menschliche Stimme, nie der Ton einer Sängerin so entzückt, wie dies Wau-Wau eines unvernünftigen Thieres.«