»Ich danke Herr Major! ich habe meine Wette gewonnen.«

Während mein Treffer dem Herrn Magius wol etwas magisch vorkommen mochte, ich hingegen mich des Triumphzuges meines Steckenpferdes freute, erhob sich ein jüdischer Kaufmann, welcher mir die viel kitzlichere Frage stellte ob ich wol merken könne woher er denn sei.

Das war eine sehr schwere Nuß. Man weiß, daß der Dialect der Juden eben so selten wie ihr Herz an einer Provinz gebunden ist, und wenn der Frager auch zu den Gebildeten seines Volkes gehörte, so war er doch nicht frei von der mosaischen Pronunciation. — Indessen gab ein Gott mir doch folgende Antwort in die Seele:

»Ich kann aus Ihrem angebornen Dialect nicht recht klug werden. Bald reden Sie wie ein Nordhesse, bald wie ein Hamburger.«

»Wunderbar!« rief der besiegte Sphinx, »Ich bin in Bückeburg geboren und erzogen, allein seit zehn Jahren in Hamburg etablirt.«

Mit diesem Knalleffect ist meine Geschichte noch nicht aus.

Sie kam mir nämlich etwa anderthalb Jahre später, an einer Abendtafel in demselben Hause, als von Dialecten die Rede war, wieder in den Sinn. Ich erzählte sie den um mich her sitzenden Oldenburgern.

Der Obergerichtsanwald Herr Hahne bemerkte scherzend, daß man wol daran gewöhnt sei, nie eine Unwahrheit zu hören, daß diese Geschichte mit dem Bückeburger Juden doch zu sehr in das Gebiet des Unglaublichen gehe, und wenigstens auf einer Täuschung beruhen müsse.

Leider war Herr Jürgens nicht zugegen. —

Die Möglichkeit eines Zweifels an meiner Rede jagte mir das Blut in das Gesicht. —