»Die Eminenz geht im Januar nach Holstein zurück,« erscholl es in Heidelberg und ich darf zu meiner Ehre und Freude versichern, daß diese meine bevorstehende Unsichtbarkeit eine allgemeine Betrübniß, selbst bei den Philistern erregte, welche vor meinem Abgang die Zahlung nicht unbedeutender Rechnungen erwarten durften, wovon mehrere, wegen meines Titels der gang und gäbe war, sehr häufig an Herrn »Eminenz« ausgestellt wurden.

Die ungeheuchelste Trauer bewiesen meine Cerevisianer, wovon jede Nacht einer während der letzten beiden Monate, wie ein Page, auf einem Strohsacke zu den Füßen meines Bettes ruhte. Ich ernannte einen Nachfolger, welcher an dem Vorabende meiner Abreise einen Schoppen Bier trank während ich dieselbe Quantität Wasser genoß. Dies war mein Cerevistod, in demselben Augenblick wurden alle Krüge und Gläser mit schwarzem Flor umzogen und mein Nachfolger als Kobbe der zweite begrüßt. — Mein Reich hat sich indessen nicht fortgepflanzt, die Cerevisia verquirlte schon im nächsten Semester, da bei meinem Nachfolger, welcher sonst gewiß Geschick genug gehabt hätte, mein großes Werk fortzusetzen, der Reiz der Neuheit fehlte. — Glaubwürdigen Nachrichten zufolge soll jedoch, in der von dem sogenannten Grafen Loseburg (auch »Schnurri-Major, Carbonädel« genannt,) zu Bonn gegründeten Cerevisia, ein Kobbe der achte regiert haben, welcher später ein Bierapostat geworden und zur Vinia übergegangen sein soll. Es ist ein tiefbetrübender Gedanke, daß alle Dynastien, sogar die Freude und Lust verbreitenden humoristischen, vergänglich sind.

Bei allen diesen lächerlichen Proceduren war mir sehr ernst und so wehe zu Muthe als ob ich dem Tode ins Gesicht lächeln sollte. Der Abschied von Heidelberg fiel mir zu schwer, noch härter als mich die Ankunft daselbst beseeligt hatte. In den letzten acht Nächten träumte mir, daß ich in Kiel mein verlornes Badisches Paradies beweine. Beim fröhlichen Erwachen träufelten allemal noch die vom Traum betrogenen Zähren von meinen Wangen.

Die Burschenschaft hatte mir und dem Magdeburger N., (vulgo Dämmerfürst genannt,) die Ehre eines Comitats zugedacht, und war beschlossen beide zu verschmelzen.

Der Tag war angesetzt und konnte nicht mehr zurück gerufen werden, obgleich mein Mittriumphator und ich noch einige Tage zum Empfang der nöthigen Reisegelder uns in Heidelberg aufhalten mußte. — Die Abreise mußte aber simulirt werden.

Morgens 8 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung.

Voran ritten, angeführt vom Grafen K., zwölf Burschenschaftler, mit gezogenem Säbel, Barett mit Federn, verziert mit unsern Schärpen.

Dann kam G. der Kurhesse, der Besieger des Kurländers W., in einem Wagen, den die sechs Schimmel des Kutschers Hormuth zogen. Er war schwarz gekleidet und hielt den Schläger der Burschenschaft in der Scheide, vor sich.

Hierauf folgten wir, die Helden des Tages, in einem Wagen mit acht Pferden Extrapost. Die Postillione hatten ihre Uniform mit unsern Farben verbrämt. Wir, die bemoosten Häupter saßen, N. im grünen, ich im weißen Flaus, angethan mit alten Mützen, eine Pfeife mit großen Quästen in der Hand haltend, im Fond; vor uns in feinster schwarzer Tracht, in escarpins, ihren Claquehut unter dem Arme, zwei Chapeaux d’honneurs auf dem Rücksitz. An jedem Kutschenschlag ritt noch ein Ehrengardist. — Hierauf folgten achtzehn vierspännige mit Studenten erfüllte Wagen.