Der Zug ging nach Weinheim, wo eine voraus bestellte sehr gute Tafel uns im Karlsberg erwartete. Wir beiden Gefeierten hatten nach Analogie der Kieler Generalführer und Generalbeschließer, bei den Feierlichkeiten ihrer Studenten, »Hochs« genannt, den Titel der Excellenz, den aber die getreuen Cerevisianer bei mir allezeit in Eminenz verwandelten.
Von dem Fest weiß ich wenig zu erzählen. Die Trennung war nur bildlich, nur ein Vorläufer des härteren Abschiedes der meiner nach wenigen Tagen harrte. Wir poculirten stark, ich wie immer, ohne berauscht zu werden. Meine Mitexcellenz war aber nicht so glücklich als ich. Schwer beladen stieg sie in den achtspännigen Wagen um sich auch nach Heidelberg zurückführen zu lassen.
Am andern Tage hatten wir, wie Simson seine Kraft nach seiner Schur, nach unserer Tour, unsere Burschenqualität verloren. Die Burschenschaft behandelte uns wie Philister.
Wir hatten uns burschikos überlebt.
Es war ein schöner Januarmorgen als ich Heidelberg verließ. Mir war zu Muthe als ob ich hingerichtet werden sollte. Weinende Cerevisianer umstanden mich, ich kam mir fast vor wie Maria Stuart und verschenkte auch mit einer fast gleichen Empfindung meine wenigen Habseligkeiten als Andenken. Ein Stammblättchen nach dem andern vertheilte, empfing und beschrieb ich, wobei ich, der ich keine Anthologie deutscher Dichter haben wollte, durchaus das Verlangen einer eignen Composition stellte, wodurch meine Stammbücher, das Heidelberger wie das Jenaische viel interessanter geworden sind als so viele andere, die nichts als eine poetische Blumenlese burschikoser Verse enthalten.
Ich hatte mit zwei Gebrüdern S...., bekannten Hornisten aus Stuttgardt, gemeinschaftlich eine Chaise gemiethet, welche die Herrn in der Nacht nach Darmstadt, mich aber zeitig am andern Morgen nach Frankfurt zu bringen versprochen hatte.
Die Hirschgasse schien ausgestorben, alle Kinder waren geflohen, nur der alte Ditteneyer drückte mir weinend die Hand. »Ach Ihro Eminenz, ach liebster Herr Baron!« rief er aus »wie vergänglich sind die Freuden der Welt!«
»Es kommt darauf an wer sie erlebt hat, Alter!« versetzte ich ihm herzlich, »die meinigen sind unsterblich, ja sie werden noch um so schöner, je älter sie werden. Uebrigens sehen wir uns ohne allen Zweifel wieder.«
Ein Bursche berichtete, daß mein Kutscher mit meinen beiden Reisegefährten am Neckarthore hielten, und daß alle drei nicht länger warten wollten. »Der Kutscher scheint ä grober G’sell,« bemerkte der Berichterstatter.