»Adieu Dittenei, Adieu Türck, Adieu Hirschgasse.« Wir gingen zum Unglückskarrn. Noch einige Küsse und die Excecution war vollzogen.

Es ist nur der Unterschied zwischen Trennung im und vom Leben, daß in dem letzten Fall der Scheidende besser daran ist als die Zurückbleibenden.

»Stumm liegt die Welt wie das Grab!«

»O wäre ich nie geboren!« seufzte ich, das Gretchen im Faust parodirend, leise in mich hinein. Starr blickte ich vor mir hin. Ich glaubte den Abschied ohne Thränen überwunden zu haben, als ich um die Ecke bei Neuenheim gebogen und Heidelberg meinen Blicken entschwunden war. Aber nicht also, in Handschuhsheim traten noch einige mir wohlbekannte Preußen K... aus B. aus des dicken Vetters Kneipe.

Was sahen die beiden Kerle fidel aus! Unbegreiflich für mich!! »Adieu liebe Eminenz!« riefen sie mir zu, und warfen mir dabei eine Kußhand in den Wagen, »Adieu! hast Du auch noch etwas in Heidelberg auszurichten, so sag es uns doch!«

Mein stolzer Muth ward durch dieses unvorhergesehene Begebniß total gebrochen. Ich wollte antworten, allein meine Stimme gerieth ins Stocken. Der Kutscher, welcher ohnehin auf den Ruf nicht angehalten hatte, setzte, Gott sei Dank! grade in diesem Augenblick seine Pferde in den stärksten Trab, den die Bergstraße überhaupt kennt.

Tief ergriffen warf ich mich in eine Ecke unserer holprigen Chaise und zum ersten Male stürzten die lang verhaltenen unburschikosen Abschiedsthränen aus meinen nur schwarze freudelose Zukunft sehenden Blicken.

Die philiströse Bemerkung des einen Hornisten: »Schämen Sie sich Ihrer Thränen nicht, Herr Baron, sie sind edel geweint,« hätten meine tiefe Rührung beinahe in Zorn verwandelt und meinen Zährenstrom versiegen gemacht. — Allein mein Schmerz war zu innerlich, ich schämte mich seiner nicht mehr.

Unsere Musici sprachen dann über das Glück des Studentenlebens und von den Freuden die sie hätten genießen können, wenn sie ihre Jugend nicht verblasen hätten. — Sie kamen mir vor wie jene alte Jungfer, die in der Nacht ihres siebzigjährigen Geburtstags im Traum das Geschrei aller Kinder hörte, die sie hätte kriegen können. — Solche Tonkünstler sind wahre Kaspar Hauser, sie sind fast alle um ihre Jugend betrogen. Ich kenne einige, welche ihr Vater um Mitternacht geweckt hat, auf daß sie geigen sollten. — Aber der Geist ist wenigstens auch verkrüppelt und dient ihrer Schwester der Fertigkeit, à la Aschenbrödel, besonders nur zur Verhandlung der Billette an der Kasse.

Ich war von den vorhergehenden Abenden ermüdet, fast in einen leisen Schlummer gesunken, als ein heftiger Wortstreit des sächsischen Brüderpaares meine ganze Aufmerksamkeit erregte. Sie sagten sich gegenseitig den Kauf auf und erklärten, sich auf der nächsten Station trennen zu wollen.