Die früheren Hamburger Stadtsoldaten waren damals ein würdiges Seitenstück zu dem damaligen Bürgermilitair. Man erzählte von einem ihrer Officiere, daß, als der dänische Rittmeister Ewald über einen niedergelassenen Schlagbaum habe setzen lassen, den der Hamburger Lieutnant seiner Instruction gemäß, nicht habe öffnen lassen gewollt, dieser mit den Worten fort gelaufen sei. »Na, wenn Gewalt über Recht geht, so mag der Teufel Soldat bleiben.« Der Chef der alten Stadtsoldaten, ein Obrist aus N. soll gewünscht haben als Hamburg französisch wurde in gleicher Eigenschaft bei der französischen Armee angestellt zu werden, als er aber befragt, wie viel Schlachten er mitgemacht, »keine« geantwortet, soll ihm Prinz Eckmühl erwiedert haben: Point de bataille, point de colonel.

Ein anderer Officier der freien Städte wurde in späterer Zeit einmal von einem deutschen Fürsten gefragt, »Haben Sie schon früher gedient?« worauf dieser sehr harmlos antwortete: »O ja, sechs Jahre beim Senator Meier.«

Die jetzigen, sehr gut einexercirten Hanseaten sind im Begriff, ein recht tüchtiges Corps zu bilden, da sie von Jugend auf militairisch in Oldenburg gebildet werden. Leider fehlt noch in einigen Staaten, wie z. B. in Bremen, die Conscription.

Ein geborner Glückstädter, obgleich ich mich wegen Mangel an Glück lateinisch nie tychopolitanus, sondern bescheiden, fast so zu sagen deutsch weg, glockstadienis schreib, war ich durch meine Geburt doch ein dänischer Unterthan und dies um so mehr weil meine Mutter nur zufällig ihr Wochenbett in meinem großväterlichen Hause zu Glückstadt hielt, mein Vater aber derzeit den Posten eines Landvogts auf der Insel Föhr in der Nordsee bekleidete, dasselbe Amt, welcher etwa 30 Jahre später dem unglücklichen Lornsen übertragen wurde. Unser Lehrer in Uetersen hatte uns den Regentenstamm aus dem Hause Oldenburg auch so lobenswerth bezeichnet, den grausamen Charakter Christians II., den er gewöhnlich den Unglücklichen nannte, und den Don Quixote-Feldzug Johanns I. so mildern dargestellt hatte, daß ich überall sehr dänisch patriotisch gesinnt war. Vollends mußte das nun jeder dänische Unterthan werden, als die Politik der Alliirten so grausam gegen Dänemark verfuhr, daß man dem König Friedrich VI. erklärte, nie anders mit ihm unterhandeln zu wollen, als auf der Basis, daß er Bernadotte Norwegen abtrete. Der König ergrimmte in seinem gerechten Zorn, die für die gute deutsche Sache brennenden Truppen, welche sich schon auf der Wilhelmsburg für dieselbe geschlagen hatten, mußten auf’s Neue für die verlornen Waffen Napoleon’s kämpfen und Hamburg wurde den Franzosen überantwortet. Die Dänen selbst führten die Franzosen in die Stadt. —

Die Hamburger waren ungerecht genug, die Wirkung mit der Ursache zu verwechseln. Sie faßten einen heftigen Haß gegen die Dänen, welcher auch nicht durch die unendliche samaritanische Barmherzigkeit gemildert wurden, womit diese und vorzüglich die Holsteiner an 30,000 Hamburger[8], welche der französische Marschall Davoust, weil sie sich nicht verproviantiren konnten, vor der Belagerung aus der Stadt gejagt hatte, behandelten. Noch mehrere Jahre hießen die Dänen »Schukel-Meier«, welches soviel wie »Schmugler« bedeutet, und darauf ging, daß sie die Franzosen in die Stadt geschwärzt hätten. Man fand damals die unanständigsten Anspielungen auf den König von Dänemark in den Zeitungen, von denen ich nur als einer der minder beleidigenden, der Anzeigen erwähnen will, welche an dem Tage in den Zeitungen stand, als der König von Dänemark auf seiner Reise zum Congreß nach Wien in Altona angekommen war. Damals las man:

»Daß ich auf meiner Reise von Kopenhagen nach Wien glücklich hier angekommen bin, zeige ich hierdurch ergebenst an.

Altona, den...

L. S. Meier,
(id est Schukelmeier.)«

Mit blutendem Herzen habe ich es häufig bemerkt, daß der Stadtsoldat, welcher die dänische fahrende Post von Altona nach Hamburg begleitete, mit Schmutz beworfen, da er unfähig gewesen war, sich gegen den ganzen Hamburger Berg zu vertheidigen, vor dem Königlich dänischen Postamte in Hamburg anlangte. Sowohl ich als meine Landsleute mußten deßhalb manche Neckereien von den Hamburger Commilitonen ertragen, die wir indeß durch unsere geistige und körperliche Superiorität gar bald zum Schweigen brachten.