»Auch der Würgengel trat in mein Haus«,
was die böse Welt anstatt auf den »Todesengel« auf den »Hausarzt« bezogen hatte. —
Als O.... seine Doctordisputation hielt, opponirte ihm ein jüdischer Mediciner voll Gelehrsamkeit, der ihn namentlich durch seine große Gewandtheit im Lateinsprechen in große Verlegenheit setzte. Als O. zu sehr sich eingeschlossen sah, endete er den ganzen Streit, indem er die ganze Disputation mit den Worten selbst schloß: Sed sat iam verba fecimus, hoc tibi tribuo testimonium te fortissimis pugnatoribus atque adeo Maccabeis esse anumerandum. Hoc tibi concedo. (Wir haben genug geredet, ich stelle Dir aber das Zeugniß aus, daß du zu den tapfersten Kämpfern, ja sogar zu den Makkabaern zu rechnen bist.) Dieses concedire ich Dir.
Der alte um das holsteinische Partikularrecht sehr verdiente Schrader war eben verstorben. Da der alte Professor gewöhnlich seine Vorlesungen mit den Worten: »Meine Herren? ich will Ihnen einen cosus für einen casus verzählen,« angefangen hatte, so war ihm der Spitznamen Herr »Cosus« seiner Frau der »cosa« geworden. Die Söhne und Töchter wurden aber respective cosellus und cosella genannt. —
Ein interessanter Lehrer war der alte Anatom Fischer, bei dem ich die medicina forensis hörte die er mit einem ungemeinen Humor docirte. Seltsam war sein Ernst, wenn er auf die Todesstrafen kam, von denen er nur das Ertränken und den Tod des Hängens statuirt wissen wollte und uns fast allen das Wort abnahm, wenn wir dereinst in unserm Beruf darauf zu wirken im Stande sein würden, nur diese Arten den Menschen vom Leben zum Tode zu bringen einzuführen. »Das Messer, die Guillotine,« pflegte er zu sagen, »giebt zwar einen momentanen Tod, allein der Schmerz ist ein so ungeheurer, daß der tausendste Theil hinreichen würde, um einen Menschen zu tödten, während die vom Strick geschnittenen und aus dem Wasser gezogenen Scheintodten welche wieder in das Leben zurück gerufen sind, Alle bezeugen, daß sie ohne Schmerz und ohne Angst in den Zustand der Bewußtlosigkeit gesunken sind. — Diese Bemerkung überantworte ich den Gesetzgebern und Machthabern zur Erwägung.«
Uebrigens war Fischer zu jener Zeit in einem humoristischen Streit verwickelt. Er hatte an dem Sitzfleisch des später ermordeten Dänischen Ministers v. Q. die glücklichste Operation seines Lebens, durch Beseitigung eines Fistelübels gemacht, und sich dessen unbedingte Dankbarkeit erworben, die sich aber doch opponirte, als der Retter die Krankheitsgeschichte seines hohen Patienten mit dem in Kupfer gestochenen leidenden Theil publiciren wollte. »Der Undankbare,« pflegte Fischer zu sagen, »er will nicht einmal einen unbedeutenden Theil seines Körpers in efigie Preis geben, um damit die Wissenschaft zu bereichern.«
Der Professor Heinrich, einer der berühmtesten Philologen seiner Zeit, hatte damals schon Kiel verlassen. Es waren mehrere Histörchen von ihm im Gange, von denen mir immer die als die komischste erinnerlich ist, daß er, während das Schwedische Hauptquartier in Kiel lag und er Proreiter war, er nach einem fröhlichen Souper, bei dem der Wein oft gekreist hatte, mit dem verstorbenen Dr. L— aus Plön in einen so lauten Wortstreit über das »Thema,« wie viel Füße ein Krebs habe, gerathen sein soll, daß beide von einer schwedischen Patrouille auf die Hauptwache gebracht worden, von wo aus erst ein an den Commandanten geschriebener Brief dem Patriarchen der Studenten seine augenblickliche Freilassung bewirkt haben soll. — So schaden Krebse nicht bloß den Buchhändlern sondern auch den Gelehrten. — Heinrich hatte etwas Imponirendes, das er noch durch eine seltene Kälte zu steigern verstand. Ein junger Mann, den wir A nennen wollen, aufgebracht über einige Ausdrücke, welche der Professor über mehrere Damen geäußert hatte, ging in seine Wohnung, und redete ihn mit den Worten an:
A. »Herr Professor, haben Sie das und das über die und die Dame gesagt?«
H. »Ja.«