Louis bleibt ja doch mein Vetter,

Das wär’ eine ew’ge Schande. —

Ich hatte kaum meine Scene beendet, als das Schnarchen meines Stubengenossen aufhörte. Er warf sich auf die linke Seite, und alsbald strömten einzelne Worte, wie »Vergebung liebe Mutter!« »Folge mir nicht lieber Bruder« an mein Ohr! —

Ich horchte, vernahm aber nichts mehr. Da hörte ich plötzlich einen gewaltigen Lärmen im Hause. Göttinger Studenten mit Pfeifen im Munde, an denen gewaltige Quäste herunter baumelten, traten in mein Zimmer.

»Wo ist die Heidelberger Eminenz?« erscholl es, »wo ist der Secretair der Heidelberger Burschenschaft, der Jenenser Deputirte? Er soll mit uns trinken und morgen den unpartheiischen Zeugen bei unsern Paukereien machen.«

Und als sie diese Worte gesprochen hatten, trat ein Theil vor mein Bett, der andere vor das meines Reisegefährten. — »Laßt den Kerl liegen, das ist ein Philister,« scholl es, endlich, während der Herr von Leben zum Tode, ganz unbeweglich da zu liegen und offenbar nur verstellt zu schlummern schien. —

Aber auf einmal rief wieder Einer der zum Bett des Fremden geschlichen war. »Kinder! der Kerl trägt ein Kainszeichen. Das ist gewiß der Scharfrichter, von dem der Kalenderverkäufer und die beiden Berliner erzählten.«

»Ja wahrhaftig ein Scharfrichter!« riefen Alle. »Und mit dem schläft ein Bursch in Einem Zimmer. Das ist gemein, solch einen Kerl müssen wir stürzen. Der soll sich mit uns pauken.«

Ich hatte Alles nicht ohne Verwunderung angehört, uns erstaunte dabei zu gleicher Zeit über die Frechheit der Studiosen welche in Kassel alle Zöpfe trugen. Jetzt aber war meine Geduld zu Ende. Ich sprang aus dem Bett und rief: »die Eminenz ist Euer Mann. Hätte ich nur einen Secundanten dann wollten wir die Sache gleich abmachen. Ihr seid alle dumme Jungen.« Meine Forderung machte eine wunderbare Wirkung, die Burschen wurden kleinlaut und zogen, einen Heidelberger Cottillon singend, von dannen. Ich verschloß die Thüre und legte mich zur Ruhe.