Rassi reckte abermal das Köpfchen.
„Indes sollte diesmal meine schöne Hoffnung noch nicht ihre Erfüllung finden.
Unter der schattigen Linde am Ende des Hofes machte der Knecht Halt. Um einen grüngestrichenen Gartentisch herum standen einige aus Haselstauden roh geflochtene Stühle und Bänke. Dort setzte er sich nieder. Ich hatte nun gemeint, er werde mich vor sich auf den Tisch stellen und dann ...! Schon hatte ich nach Kippenhof hinauf geschickt, mein Plan war fertig.
Doch, hatte der Knecht meine verstohlenen Blicke gesehen oder traute er mir ohnedies nicht, er nahm einen starken Bindfaden und strickte mich damit fest an den Tisch. „Man weiß halt nicht“, sprach er leise, „was in solch einem Rabenhirn vorgehen kann!“
Mitleidsvoll blickte Rassi den alten Hans an. „War der Faden stark, Väterchen,“ fragte er, „und hättest du ihn nicht durchreißen können, wenn du einmal rasch und fest gezogen hättest?“
„Es war unmöglich Rassi ... Über den Krallen war der Strick befestigt, und dick war er, so dick, daß wir zu zehn ihn nicht hätten zerreißen können.
Dann begann die sogenannte Schule. „Hannes“, sprach der Knecht, „nun hübsch aufgepaßt!“ Dann fing er an: „Ta-ta, Ta-ta! Allons Hans, ta-ta, ta-ta“ und immer wiederholte er dasselbe. „Ist der Bursche närrisch geworden“, dachte ich, „oder was will er mit seinem blöden Ta-ta? – Will er mir am Ende wieder einen neuen Namen geben? War schon der Schimpfname Hans nicht mehr gut genug? Der hatte mir schon wenig gefallen, jetzt auch noch Ta-ta zu heißen! „Nein, nein,“ dachte ich, „spar dir deine Mühe, Knechtlein, daraus wird nichts“.
So schaute ich denn einfach vor mich hin und ließ alles geduldig über mich ergehen. Aber mein Lehrer gab sich damit nicht zufrieden. Immer wiederholte er jenes garstige Wort „Ta–ta“. Dann und wann stieß er mich dazu auf den Schnabel und sagte: „Allez Hans!“ Zuletzt, da ich der ganzen Sache überdrüssig wurde, rief ich einmal kräftig „Raspio“, um ihm zu bedeuten, daß ich bei dem von meiner Mutter erhaltenen Namen zu verbleiben gedenke und nicht gesonnen sei, andere Namen, wie Hans oder Tata, anzunehmen.
Meine Antwort schien dem Peiniger Freude zu bereiten. „Brav, Hans“, sagte er, „brav! aber Ta-ta, ta-ta“, und dann ging dieselbe Leier weiter, fünfzig, sechzig Mal. Dabei sah ich den Burschen immer ungeduldiger und zorniger werden. Immer lauter sprach er sein Tata. Die Zornesader auf seiner Stirne begann zu schwellen, und immer unsanfter schlug er mich auf den Schnabel. Schüchtern sprach ich noch einmal „Raspio“, dann schwieg ich vollständig, denn ich sagte mir, einen zornigen Menschen soll man nicht noch mehr reizen.“
„Das war auch das Allerbeste“, warf Rassi rasch dazwischen.