Doch noch immer redete der Lügner weiter: „Da ich nun gehört, der Burgherr wolle einen abgerichteten Raben für sein Büblein, das kleine Schloßherrlein kaufen, habe ich meinen Hans hieher gebracht und möchte ihn dem Burgherrn zum Kaufe anbieten.“

„Das kann ich schon selbst besorgen,“ antwortete die fremde Stimme. „Zeig’ her!“ Damit wurde der Korb geöffnet und ich herausgenommen.

Ein großer, bärtiger Mann nahm mich in die Hand. „Schön ist er schon,“ sprach er, indem er mich scharf besah, „und mit seinem Sprechen wird es nicht so weit her sein“, fügte er spöttelnd hinzu. Nach einigem Feilschen einigten sich die beiden; der Knecht erhielt einige Kupfermünzen und wandte sich nach kurzem Gruß talabwärts, während der schwarze Mann mich unter einem hohen, überwölbten Tor hindurch in mein neues Heim, das Schloß Burscheid hineintrug.

VI.

Inwendig führte der Weg leicht bergan und mündete zunächst auf einen größern freien Platz. Rundum sah ich nichts als breite graue Mauern und hohe runde Türme mit ganz schmalen engen Fenstern. Darüber ausgebreitet ein wolkenloser, blauer Junihimmel. Später sollte ich Zeit und Muße genug finden, mir alles genau anzusehen.

Über den Hof hinweg schritt der Mann mit mir zur nördlichen Ringmauer. Dort bot die Burg am schwersten Zugang. Steil, fast jäh fielen da die gewaltigen Felsen, auf denen das Schloß aufgebaut stand, bis tief unten in die rasch dahinfließende Sauer. An dieser Mauer, dem Innern der Burg zugekehrt, lagen die herrlich gepflegten Gärten. Breite Blumenbeete mit allerlei Ziersträuchern wechselten miteinander in wundervollem, reichem Farbengemisch. Unter einem vorspringenden Dache gegen den Regen geschützt, stand daselbst ein großer Vogelkäfig. Durch Quergitter war er in eine ganze Reihe von kleinern Käfigen eingeteilt. Dort öffnete der Mann eine Türe und schob mich hinein. Mein neuer Kerker war viel geräumiger als der in der Mühle drunten. Seine Drahtseiten waren hübsch weiß angestrichen; ein richtiger Eichenast bot bequeme Sitzgelegenheit; mit einem Wort, mein neues Heim war sehr wohnlich eingerichtet, es war ein herrschaftliches Gebäude.“

„Doch Kerker ist Kerker“, sagte Rassi, „und hätte er auch goldene Mauern. Besser arm in der Freiheit, als in einem Schlosse gefangen.“