Ungefähr fünf Minuten war alles ruhig geblieben. Da beugte sich unser Brüderchen Rappi rasch über den Rand des Restes hinüber. Er wollte spähen, ob die grausamen Kerle wirklich davongegangen seien. Doch, o weh! Gerade in dem Augenblick traf ihn der tötliche Schuß. Hart an die Schläfe getroffen, schrie er plötzlich grell auf. Gleich sank sein Köpfchen seitwärts und färbte die Reiser des Restes blutigrot. Seine sonst so klaren Äuglein füllten sich mit Tränen. Wehmütig sah er uns alle noch einmal an. In wenigen Sekunden wurde sein Blick trüb und immer trüber; einige Male noch ging sein Atem rasch und schwer. Leise stöhnend starb er schon nach etlichen Minuten.

Und von neuem sausten die bösen Steine, die auch uns ein jähes, grausames Ende bringen konnten.“

Regungslos, mit halbgeöffnetem Schnabel saßen die Räblein da und sahen Hans angstvoll an.

Leise, mit tränenerstickter Stimme, fragte Rassi teilnahmsvoll:

„Und was sagten die Eltern, Väterchen Hans, als sie Mittags heimkehrten?“

„O, darüber laß mich schweigen, Rassi,“ entgegnete Hans traurig, „was würden deine Eltern sagen, wenn ein böser Mensch dich totwerfen würde?

Anderntags, als die Mutter auf einem mehr abseits stehenden Baum herzzerreißend um das tote Brüderlein weinte, nahm der Vater schluchzend die kleine, blutbefleckte Leiche in seine festen Krallen und flog damit fort, weit weg über die Berge. Erst nach langer Zeit kehrte er heim. Wohin er das tote Brüderlein begraben, hat er uns nie mitgeteilt.“

Der alte Hans hielt inne. Tränen erstickten seine Stimme.

Das harte Mißgeschick, das den armen kleinen Rappi betroffen, und das große Leid, welches die bösen Buben seinen lieben Eltern bereitet hatten, war auch den Rabenbüblein tief zu Herzen gegangen. Bittere Tränlein rollten aus ihren Augen und tröpfelten leise drunten in das dürre Laub.