Indes, wir hatten uns getäuscht. Unter dem Baume blieben sie stehen. Wir hörten, wie sie von unserm Neste redeten.
Nachdem sie eine Zeitlang beratschlagt, schickte sich einer der drei an, den Baum zu ersteigen. Es gelang ihm aber nicht, trotz wiederholter Versuche. Auch die beiden andern, welche nach ihm heraufzuklettern suchten, hatten keinen Erfolg. Jedesmal, wenn sie einige Meter erklommen hatten, rutschten sie wieder hinab.“
„Aha, das war gut!“ jubelten die Räblein. „Ihr hattet ihnen doch nichts zuleide getan, da konnten sie ja ruhig ihres Weges weiterziehen!“
„Wir freuten uns“, fuhr Vater Hans fort, „und hätten laut aufjubeln mögen, als wir sie nach einer Weile unverrichteter Dinge abziehen sahen.
Aber leider sollte unsere Freude nicht von langer Dauer sein.
Voll Zorn, daß sie nichts erreicht hatten, stiegen die drei Lümmel die kleine Anhöhe hinauf, welche zur Seite des Feldes unser Nest überragte.
Einige Zeit hatten wir nichts mehr gehört. Schon glaubten wir alle Gefahr verschwunden. Da sauste plötzlich ein dicker Stein an unserm Nest vorüber. Ich lüge nicht, aber ganz gewiß war er dicker als mein Kopf.“
Angstvoll reckten die Räblein ihre Köpfchen und mit weit aufgerissenen Augen stierten sie den alten Hans an. Leise redete er weiter. „Wir duckten uns rasch ins Nest hinein, so tief wir nur konnten. Weitere Steine folgten. Immer zahlreicher hörten wir sie an uns vorbeifliegen. Bald gingen sie in weitem Bogen über das Nest und den Baum hinweg; dann wieder fuhren sie klatschend durch das Laub neben oder unter uns, und leise hörten wir sie unten am Berge aufschlagen.
Lange folgte Schuß auf Schuß. Noch waren sie alle glücklich vorbeigegangen. Weder uns noch unserm Neste war ein Unheil geschehen. Das aber reizte die bösen Burschen noch mehr. Zitternd hörten wir, wie sie abwechselnd einer den andern aufforderten, aus den umliegenden Feldern Steine herbeizutragen. Ohne Rast und Erbarmen schleuderten sie ihre Geschosse weiter.
Nach langen, qualvollen Minuten hielten sie plötzlich inne. Einige Zeit blieb alles still. Ich horchte hinunter. Da ich gar nichts mehr hörte, sprach ich freudig zu meinen Brüderlein: „Endlich sind sie fort.“ Erleichtert atmeten wir alle auf.