„Bravo, Bravo!“ jubelten in einem Chor die Rabenbüblein und freudig klopften sie mit den Flügeln. „Der hatte seinen Herrn gefunden, dem war sein Recht geschehen!“
„Und sind sie anderntags nicht wiedergekommen und haben noch größere Buben mitgebracht?“ fragte Rassi erregt.
„Nie sind sie wiedergekommen, bis heute nicht“, erwiderte Hans triumphierend. Sie hatten sich die Lehre gemerkt und werden sie, denke ich, zeitlebens nicht vergessen haben.
II.
So war denn diese große Gefahr glücklich vorübergegangen. Unter der sorgsamen Obhut der Eltern wuchsen wir heran. Nur mehr wenige Tage trennten uns von der freudigen Stunde, wo wir großjährig werden und unsern ersten Ausflug machen sollten.
Doch da kam jener Unglücksmorgen, den ich nie vergessen werde, und sollte ich auch 500 Jahre alt werden. Die Eltern waren eben wieder weggeflogen. Sie hatten uns mitgeteilt, daß sie bis Diekirch hinuntereilen wollten, wo einer unserer dortigen Verwandten ein Reh in einer Schlinge gefunden hatte. „Dort gebe es,“ sagte der Vater, „ein Freudenmahl, wie unsere Familie schon jahrelang keines mehr gesehen hätte. Vor Mittag könnten sie schwerlich zurück sein. Wir sollten uns hübsch ruhig verhalten; vor allem dürfe sich niemand über das Nest hinüberlehnen, damit kein Unglück geschehe. Auch versprach er uns einen fetten Bissen mitzubringen, daß wir noch lange an jenen Tag denken würden.“
Doch kaum waren die Eltern fortgeflogen, da kamen durch den gewundenen, holperigen Heckenpfad von Lipperscheid herauf drei halberwachsene, ausgelassene Burschen. Zaghaft zogen wir die Köpfchen ein. Tief duckten wir uns in’s Nest, in der Hoffnung, daß sie uns nicht entdecken und dann vorüberziehen würden.