Es besitzt indessen nicht bloss der Mensch gelegentlich dreizehn Rippenpaare[28], sondern der Gorilla hat auch zuweilen vierzehn Paar, während andererseits ein Orang-Utanskelet im Museum des königl. Collegiums der Wundärzte wie der Mensch zwölf Dorsal- und fünf Lumbarwirbel hat. Cuvier giebt dieselbe Zahl bei einem Hylobates an. Auf der andern Seite besitzen viele der niederen Affen zwölf Rücken- und sechs oder sieben Lendenwirbel; der Douroucouli (Nyctipithecus trivirgatus) hat vierzehn Rücken- und acht Lendenwirbel, und ein Lemur (Stenops tardigradus) fünfzehn Rücken- und neun Lendenwirbel.

Die Wirbelsäule des Gorilla als Ganzes weicht von der des Menschen in dem weniger ausgesprochenen Charakter ihrer Krümmungen ab, besonders in der geringeren Convexität der Lendengegend. Nichtsdestoweniger sind die Krümmungen vorhanden und sind an jungen Skeletten des Gorilla und Chimpanze, die ohne Entfernung der Bänder aufgestellt worden sind, sehr augenfällig. Bei ähnlich präparirten jungen Orangs ist dagegen die Wirbelsäule in der ganzen Ausdehnung der Lendengegend entweder gerade oder selbst nach vorn concav.

Ob wir nun diese Charaktere nehmen oder solche untergeordnetere, wie die aus der proportionalen Länge der Dornfortsätze der Halswirbel abzuleitenden oder ähnliche andere, so kann doch irgend welcher Zweifel mit Bezug auf die ausgesprochene Verschiedenheit des Menschen und des Gorilla nicht bestehen; ebensowenig aber darüber, dass gleich scharf ausgeprägte Verschiedenheiten derselben Art zwischen dem Gorilla und den niederen Affen obwalten.

Das Becken oder der knöcherne Gürtel an den Hüften des Menschen ist ein auffallend menschlicher Theil seines ganzen Baues; die verbreiterten Hüftbeine bieten eine Stütze für seine Eingeweide während seiner beständig aufrechten Stellung, und Raum zu Ansatz für die grossen Muskeln dar, die ihn befähigen jene Stellung anzunehmen und zu behaupten. In dieser Hinsicht weicht das Becken des Gorilla bedeutend von dem seinigen ab (Fig. 16). Man braucht aber nicht tiefer hinunter zu gehen, als bis zu dem Gibbon, um zu sehen, wie unendlich mehr dieser vom Gorilla abweicht, als der letztere vom Menschen, selbst in diesem Gebilde. Man betrachte nur die platten, schmalen Hüftbeine, den langen und engen Beckencanal, die rauhen, nach auswärts gekrümmten Sitzbeinhöcker, auf denen der Gibbon beständig ruht, und die aussen von den sogenannten Schwielen bekleidet sind, derben Hautstellen, die beim Gorilla, beim Chimpanze, beim Orang fehlen, wie beim Menschen!

Fig. 16. Ansichten des Beckens vom Menschen, Gorilla und Gibbon von vorn und von der Seite; nach Zeichnungen von Mr. Waterhouse Hawkins nach der Natur verkleinert, von derselben absoluten Länge.

Bei den niederen Affen und den Lemuren wird der Unterschied noch auffallender; das Becken nimmt hier durchaus den Charakter der Vierfüsser an.

Wir wollen uns aber jetzt zu einem edleren und charakteristischeren Organ wenden, — durch das der menschliche Körper so streng von allen übrigen geschieden zu werden scheint und wirklich geschieden wird, — ich meine den Schädel. Die Verschiedenheiten zwischen dem Schädel eines Gorilla und dem eines Menschen sind in der That ungeheuer (Fig. 17). Bei dem erstem überwiegt das vorzüglich von den massiven Kieferknochen gebildete Gesicht über die Gehirnkapsel oder den eigentlichen Schädel, beim letztem ist das Verhältniss der beiden Hälften umgekehrt. Beim Menschen liegt das grosse Hinterhauptsloch, durch welches der grosse das Gehirn mit den Körpernerven verbindende Nervenstrang, das Rückenmark, durchtritt, unmittelbar hinter der Mitte der Basis des Schädels, welcher hierdurch in der aufrechten Stellung genau balancirt wird; beim Gorilla liegt es im hintern Dritttheil jener Basis. Beim Menschen ist die Oberfläche des Schädels verhältnissmässig glatt und die Augenbrauenhöcker ragen nur wenig vor, während beim Gorilla ungeheure Knochenleisten auf dem Schädel entwickelt sind und die Augenbrauenhöcker die Augenhöhlen wie grosse Wetterdächer überragen.

Durchschnitte durch die Schädel zeigen indessen, dass einige der scheinbaren Mängel des Gorillaschädels in der That nicht von einer Kleinheit der Schädelkapsel als vielmehr von einer excessiven Entwickelung der Gesichtstheile herrühren. Die Schädelhöhle ist nicht übel gebildet und die Stirn ist nicht wirklich abgeplattet und nicht sehr stark zurücktretend, ihre in der That wohlausgebildete Wölbung ist einfach durch die Masse von Knochen, die an sie hinangebaut ist, maskirt.