Während daher die Zähne des Gorilla denen des Menschen in Zahl, Art und in der allgemeinen Form ihrer Kronen sehr ähnlich sind, bieten sie in untergeordneten Punkten, wie der relativen Grösse, Zahl der Wurzeln und Reihe des Auftretens ausgeprägte Verschiedenheiten dar.
Werden nun aber die Zähne des Gorilla mit denen eines Affen verglichen, der nicht weiter von ihm entfernt ist als ein Cynocephalus oder Pavian, so wird man finden, dass Verschiedenheiten und Aehnlichkeiten derselben Ordnung leicht zu beobachten sind, dass aber gerade viele von den Punkten, in denen der Gorilla dem Menschen ähnlich ist, solche sind, in denen er vom Pavian abweicht, während verschiedene Beziehungen, in denen er vom Menschen abweicht, beim Cynocephalus viel stärker ausgeprägt sind. Die Zahl und Art der Zähne bleiben beim Pavian dieselben wie beim Gorilla und dem Menschen. Die Form der Kronen der oberen Backzähne beim Pavian ist aber von der oben beschriebenen völlig verschieden (Fig. 18); die Eckzähne sind relativ länger und mehr messerähnlich; der vordere falsche Backzahn des Unterkiefers ist besonders modificirt; der hintere Backzahn des Unterkiefers ist noch grösser und complicirter als beim Gorilla.
Wenden wir uns von den Affen der alten Welt zu denen der neuen Welt, so begegnen wir einer Veränderung, die eine noch grössere Bedeutung hat als irgend eine der genannten. Bei einer solchen Gattung, wie z. B. Cebus (Fig. 18), wird man finden, dass, während in untergeordneten Punkten, wie in dem Vorspringen der Eckzähne, dem Diastema, die Aehnlichkeit mit den grossen menschenähnlichen Affen noch bewahrt ist, die Bezahnung in anderen und äusserst wichtigen Punkten völlig verschieden ist. Anstatt 20 Milchzähne sind hier 24 vorhanden; anstatt 32 bleibender Zähne sind hier 36, da die Zahl der falschen Backzähne von acht auf zwölf gestiegen ist. In ihrer Form sind die Kronen der Backzähne denen des Gorilla sehr unähnlich und weichen noch weiter von der menschlichen Form ab.
Auf der andern Seite zeigen die Sahui's oder Marmosette (Hapale) dieselbe Zahl von Zähnen wie der Mensch und der Gorilla; aber nichtsdestoweniger ist ihr Gebiss doch sehr verschieden; sie haben vier falsche Backzähne mehr, wie die übrigen amerikanischen Affen; da sie aber vier wahre Backzähne weniger haben, bleibt die Zahl dieselbe. Gehen wir dann von den amerikanischen Affen zu den Lemuren, so wird die Bezahnung noch vollständiger und wesentlicher von der des Gorilla verschieden. Die Schneidezähne fangen in Zahl und Form zu variiren an. Die Backzähne erhalten immer mehr und mehr den vielspitzigen Charakter der Insectenfresser, und in einer Gattung, dem Aye-Aye (Cheiromys), verschwinden die Eckzähne, und die Zähne gleichen völlig denen eines Nagethieres (Fig. 18).
Hieraus ist denn ersichtlich, dass das Gebiss des höchsten Affen, so weit es auch von dem des Menschen verschieden ist, doch noch viel weiter von dem der niederen und niedersten Affen abweicht.
Welchen Theil des thierischen Baues, welche Reihe von Muskeln, welche Eingeweide wir auch immer zur Vergleichung auswählen möchten, das Resultat würde immer dasselbe sein, die niederen Affen und der Gorilla würden verschiedener von einander sein als der Gorilla und der Mensch. Ich kann es an dieser Stelle nicht versuchen, alle diese Vergleichungen im Einzelnen durchzuführen, und es ist auch in der That nicht nöthig, dies zu thun. Es bleiben aber noch gewisse wirkliche oder nur gemuthmaasste anatomische Verschiedenheiten zwischen dem Menschen und den Affen übrig, auf welche so viel Gewicht gelegt worden ist, dass sie eine sorgfältige Betrachtung verdienen. Der wahre Werth der wirklich vorhandenen muss nachgewiesen, die Leere und Haltlosigkeit derer, welche nur in der Einbildung bestehen, aufgedeckt werden. Ich beziehe mich hier auf die Charaktere der Hand, des Fusses und des Gehirns.
Der Mensch ist charakterisirt worden als das einzige Thier, welches zwei Hände, in die die Vordergliedmaassen ausgehen, und zwei Füsse besitze, in denen die Hintergliedmaassen enden, während angegeben worden ist, dass alle Affen vier Hände haben; ferner ist versichert worden, dass der Mensch in den Charakteren seines Gehirns fundamental von allen Affen differire, welches allein, wie wunderbar genug immer und immer wieder behauptet wurde, die Gebilde haben soll, die dem Anatomen als hinterer Lappen, hinteres Horn des Seitenventrikels und Hippocampus minor bekannt sind.
Dass der erstgenannte Satz allgemeine Annahme hat finden können, ist nicht überraschend, — es ist in der That auf den ersten Blick der Schein ganz zu seinen Gunsten: aber in Bezug auf den zweiten kann man nur den alles übertreffenden Muth seines Verkünders bewundern, da doch bewiesen werden kann, dass es eine Neuerung ist, die nicht bloss allgemein und mit Recht angenommenen Lehren widerspricht, sondern die durch das Zeugniss aller selbständigen Beobachter, die den Gegenstand besonders untersucht haben, verneint wird, und dass sie durch kein einziges anatomisches Präparat unterstützt worden ist noch je werden kann. Sie würde in der That keiner ernstlichen Zurückweisung werth sein, wäre es nicht des allgemeinen und natürlich sich aufdrängenden Glaubens wegen, dass wohl überlegte und wiederholt ausgesprochene Behauptungen irgend welchen Grund haben müssen.
Ehe wir den ersten Punkt mit Vortheil erörtern können, müssen wir den Bau der menschlichen Hand und den des menschlichen Fusses mit Aufmerksamkeit betrachten und mit einander vergleichen, so dass wir davon klare Vorstellungen erhalten, was eine Hand und einen Fuss ausmache.