In ähnlicher Weise liegt das Hinterhauptsloch bei Mycetes (Fig. 17) und noch mehr bei den Lemuren vollständig auf der hintern Fläche des Schädels, oder um so viel weiter hinten als das des Gorilla, als das des Gorilla weiter hinten liegt als das des Menschen; und als ob die Fruchtlosigkeit des Versuchs, irgend eine grössere classificatorische Eintheilung auf einen solchen Charakter zu gründen, dargelegt worden sollte, so enthält dieselbe Gruppe der Platyrhinen oder amerikanischen Affen (Affen der neuen Welt), zu der der Mycetes gehört, auch die Chrysothrix, deren Hinterhauptsloch viel weiter nach vorn liegt als bei irgend einem andern Affen, und fast der Lage beim Menschen sich nähert.

Ferner hat der Schädel des Orang ebensowenig jene excessiven Augenbrauenhöcker als der des Menschen, obgleich einige Varietäten grosse Knochenleisten an anderen Stellen des Schädels entwickeln (s. oben S. [46]); und bei manchen Formen der Cebus-artigen Affen und bei Chrysothrix ist der Schädel so glatt und abgerundet wie der des Menschen selbst.

Was von diesen leitenden Merkmalen des Schädels gilt, gilt ebenso gut, wie man sich vorstellen kann, von allen untergeordneten Zügen, so dass für jede constante Verschiedenheit zwischen dem Schädel des Gorilla und dem des Menschen eine ähnliche constante Differenz derselben Ordnung (das heisst, in einem Excess oder einem Mangel derselben Eigenschaft bestehend) zwischen dem Schädel des Gorilla und dem irgend eines andern Affen gefunden werden kann. Es gilt daher für den Schädel nicht weniger als für das ganze Skelet der Satz, dass die Verschiedenheiten zwischen dem Menschen und dem Gorilla von geringerem Werthe sind, als die zwischen dem Gorilla und manchen anderen Affen.

Im Anschluss an den Schädel will ich noch von den Zähnen sprechen, — Organe, die einen eigenthümlichen classificatorischen Werth haben und deren Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten an Zahl, Form und Aufeinanderfolge, als ein Ganzes genommen, gewöhnlich für zuverlässigere Zeichen der Verwandtschaft betrachtet werden, als irgend welche andere.

Der Mensch wird mit zwei Folgen von Zähnen versehen — Milchzähne und bleibende Zähne. Die ersteren bestehen aus vier Incisoren oder Schneidezähnen, zwei Eck- oder Augenzähnen (Hundszähne, canini) und vier Backzähnen oder Mahlzähnen in jeder Kinnlade, was zusammen zwanzig giebt. Die letzteren (Fig. 18) umfassen vier Schneidezähne, zwei Eckzähne, vier kleine Backzähne, falsche Mahlzähne oder Praemolare genannt, und sechs grosse Back- oder Mahlzähne in jeder Kinnlade, was in Allem zwei und dreissig macht. Die inneren Schneidezähne sind grösser als das äussere Paar im Oberkiefer, kleiner als das äussere Paar im Unterkiefer. Die Kronen der oberen Mahlzähne zeigen vier Höcker oder stumpferhabene Spitzen, und eine Leiste geht quer über die Krone vom innern vorderen Höcker zum äussern hintern (Fig. 18 m2). Die vorderen unteren Mahlzähne haben fünf Höcker, drei aussen, zwei innen. Die falschen Backzähne haben zwei Höcker, einen äussern und einen innern, von denen der äussere höher ist.

In allen diesen Beziehungen kann das Gebiss des Gorilla mit denselben Worten beschrieben werden wie das des Menschen; in anderen Punkten aber bietet es viele und bedeutende Verschiedenheiten dar (Fig. 18).

So bilden die Zähne des Menschen eine regelmässige und ebene Reihe, ohne irgend eine Unterbrechung und ohne irgend ein merkliches Vorspringen eines Zahnes über die Reihe der übrigen, eine Eigenthümlichkeit, welche, wie Cuvier schon vor langer Zeit bemerkte, von keinem andern Thier getheilt wird, mit Ausnahme eines einzigen, und zwar eines vom Menschen so verschiedenen Geschöpfes, als man sich nur einbilden kann, nämlich von dem längst ausgestorbenen Anoplotherium. Die Zähne des Gorilla zeigen dagegen eine Unterbrechung oder einen Zwischenraum, Diastema genannt, in beiden Kinnladen: im Oberkiefer vor dem Augen- oder Eckzahn oder zwischen ihm und dem äussern Schneidezahn, im Unterkiefer hinter dem Augen- oder Eckzahn oder zwischen ihm und dem vordersten falschen Backzahn. In diese Unterbrechung der Reihe passt in jedem Kiefer der Eckzahn des entgegengesetzten Kiefers ein; dabei ist die Grösse des Eckzahns beim Gorilla so gross, dass er wie ein Stosszahn weit über das Niveau der andern Zähne vorragt. Ferner sind die Wurzeln der falschen Backzähne beim Gorilla complicirter als beim Menschen und die relative Grösse der Backzähne ist verschieden. Der Gorilla hat am hintersten Mahlzahn des Unterkiefers eine complicirtere Krone, und die Reihenfolge des Durchbrechens der bleibenden Zähne ist verschiedener; die bleibenden Eckzähne erscheinen vor den zweiten und dritten Backzähnen beim Menschen, beim Gorilla aber nach ihnen.

Fig. 18. Seitenansicht der Oberkiefer verschiedener Primaten von gleicher Länge. i Schneidezähne, c Eckzähne, pm falsche Backzähne, m Backzähne. Durch den ersten Backzahn des Menschen, Gorilla, Cynocephalus und Cebus ist eine Linie gezogen, und die Kaufläche des zweiten wahren Backzahnes ist bei jedem besonders gezeichnet, wobei der vordere und innere Winkel gerade über dem m in der Bezeichnung »m2« steht.