»A propos, wie geht es dem Kinde?«
»Danke, Tom, es macht sich; es ist gottlob recht gut bei Schick für seine vier Monate, obgleich Friederike, Henriette und Pfiffi es nicht für lebensfähig hielten …«
»Und Weinschenk? Wie fühlt er sich als Vater? Ich sehe ihn ja eigentlich nur Donnerstags …«
»Oh, der ist unverändert! Siehst du: er ist ein so braver und fleißiger Mann, und in gewisser Weise ja auch das Muster eines Ehegatten, denn er verachtet die Wirtshäuser, kommt vom Büro geraden Weges nach Hause und verbringt seine Freistunden bei uns. Aber nun ist die Sache die, Tom – unter uns können wir ja offen darüber reden –: Er verlangt von Erika, daß sie beständig heiter ist, beständig spricht und scherzt, denn wenn er abgearbeitet und verstimmt nach Hause kommt, sagt er, dann will er, daß seine Frau ihn in leichter und fröhlicher Weise unterhält, ihn amüsiert und aufheitert; dazu, sagt er, sei die Frau auf der Welt …«
»Dummkopf!« murmelte der Senator.
»Wie?… Nun, das Schlimme ist, daß Erika ein wenig zur Melancholie neigt, Tom, sie muß es von mir haben. Sie ist hier und da ernst und schweigsam und gedankenvoll, und dann schilt er sie und braust auf, in Worten, die, ehrlich gesagt, nicht immer ganz zartfühlend sind. Man merkt es eben allzu häufig, daß er eigentlich kein Mann von Familie ist und das, was man eine vornehme Erziehung nennt, leider nicht genossen hat. Ja, ich gestehe dir offen: noch ein paar Tage vor meiner Abreise nach Pöppenrade ist es vorgekommen, daß er den Deckel der Suppenterrine am Boden zerschlagen hat, weil die Suppe versalzen war …«
»Allerliebst!«
»Nein, im Gegenteil. Aber wir wollen ihn deshalb nicht verurteilen. Mein Gott, wir sind alle mit Mängeln behaftet, und ein so tüchtiger, gediegener und arbeitsamer Mann … behüte … Nein, Tom, eine rauhe Außenseite und ein guter Kern, das ist noch nicht das Schlimmste im irdischen Leben. Ich komme soeben aus Verhältnissen, will ich dir sagen, die trauriger sind. Armgard hat, wenn sie mit mir allein war, bitterlich geweint …«
»Was du sagst! – Herr von Maiboom?…«
»Ja, Tom; und darauf wollte ich hinaus. Wir sitzen hier und plaudern, aber in Wirklichkeit bin ich heute abend in einer sehr ernsten und wichtigen Angelegenheit gekommen.«