„Na, dann will ich mich mal nicht aufs Leugnen verlegen. Wir sind allzumal schwächliche Menschen. Ja, so was ist vorgekommen. Anch’ io sono pittore, wie jener Spanier zu sagen pflegte.“
„Landschaften?“ fragte Hans Castorp kurz und gönnerhaft. Die Umstände verleiteten ihn zu diesem Tone.
„Soviel Sie wollen!“ antwortete der Hofrat mit verlegener Prahlerei. „Landschaften, Stilleben, Tiere, – was ein Kerl ist, schreckt überhaupt vor gar nichts zurück.“
„Aber keine Porträts?“
„Auch ein Porträt ist wohl mal mit untergelaufen. Wollen Sie mir Ihres in Auftrag geben?“
„Ha, ha, nein. Aber es wäre sehr freundlich, wenn Herr Hofrat uns Ihre Bilder bei Gelegenheit mal zeigen würden.“
Auch Joachim, nachdem er den Vetter erstaunt betrachtet, beeilte sich zu versichern, daß das sehr freundlich sein würde.
Behrens war entzückt, geschmeichelt bis zur Begeisterung. Er wurde sogar rot vor Vergnügen, und seine Augen schienen ihre Tränen diesmal vergießen zu wollen.
„Aber gern!“ rief er. „Aber mit dem allergrößten Pläsier! Aber gleich auf der Stelle, wenns Ihnen Spaß macht! Kommen Sie her, kommen Sie mit, ich braue uns einen türkischen Kaffee auf meiner Bude!“ Und er nahm die jungen Leute am Arm, zog sie von der Bank und führte sie, eingehängt zwischen ihnen, den Kiesweg entlang gegen seine Wohnung, die, wie sie wußten, in dem nahen nordwestlichen Flügel des Berghofgebäudes gelegen war.
„Ich habe mich ja selbst,“ erklärte Hans Castorp, „früher hie und da in dieser Richtung versucht.“