„Oh, ich spreche Deutsch, auch auf Französisch. C’est une sorte d’étude artistique et médicale – en un mot: il s’agit des lettres humaines, tu comprends. Wie ist es nun, willst du nicht tanzen?“
„Aber nein, das ist kindisch. En cachette des médecins. Aussitôt que Behrens reviendra, tout le monde va se précipiter sur les chaises. Ce sera fort ridicule.“
„Hast du so großen Respekt vor ihm?“
„Vor wem?“ sagte sie, das Fragewort kurz und fremdartig sprechend.
„Vor Behrens.“
„Mais va donc avec ton Behrens! Es ist auch viel zu eng zum Tanzen. Et puis sur le tapis ... Wollen wir zusehen, dem Tanze.“
„Ja, das wollen wir“, pflichtete er bei und schaute neben ihr hin, mit seinem bleichen Gesicht, mit den blauen, sinnig blickenden Augen seines Großvaters, in das Gehüpf der maskierten Patienten hier im Salon und drüben im Schreibzimmer. Da hüpfte die Stumme Schwester mit dem Blauen Heinrich, und Frau Salomon, die als Ballherr, in Frack und weiße Weste, gekleidet war, mit hochgewölbter Hemdbrust, gemaltem Schnurrbart und Monokel, drehte sich auf kleinen Lack-Stöckelschuhen, die unnatürlicherweise aus ihren schwarzen Herrenhosen hervorkamen, mit dem Pierrot, dessen Lippen blutrot in seinem geweißten Antlitz leuchteten, und dessen Augen denen eines Albino-Kaninchens glichen. Der Grieche im Mäntelchen schwang das Ebenmaß seiner lila Trikotbeine um den dekolletierten und dunkel glitzernden Rasmussen; der Staatsanwalt im Kimono, die Generalkonsulin Wurmbrand und der junge Gänser tanzten sogar selbdritt, indem sie sich mit den Armen umschlungen hielten; und was die Stöhr betraf, so tanzte sie mit ihrem Besen, den sie ans Herz drückte und dessen Borsten sie liebkoste, als wären sie eines Menschen aufrecht stehendes Haupthaar gewesen.
„Das wollen wir“, wiederholte Hans Castorp mechanisch. Sie sprachen leise, unter den Tönen des Klaviers. „Wir wollen hier sitzen und zusehen wie im Traum. Das ist für mich wie ein Traum, mußt du wissen, daß wir so sitzen, – comme un rêve singulièrement profond, car il faut dormir très profondément pour rêver comme cela ... Je veux dire: C’est un rêve bien connu, rêvé de tout temps, long, éternel, oui, être assis près de toi comme à présent, voilà l’éternité.“
„Poète!“ sagte sie. „Bourgeois, humaniste et poète, – voilà l’allemand au complet, comme il faut!“
„Je crains, que nous ne soyons pas du tout et nullement comme il faut“, antwortete er. „Sous aucun égard. Nous sommes peut-être des Sorgenkinder des Lebens, tout simplement.“