„Dann ist es etwas zurückgegangen!“ versetzte Hans Castorp rasch. „Es waren sechs.“
„Keinesfalls kann man das minimal nennen für den Vormittag“, sagte Joachim. „Eine schöne Bescherung“, sagte er und stand an seines Vetters Lager, wie man eben vor einer „schönen Bescherung“ steht, die Arme in die Seiten gestemmt und mit gesenktem Kopfe. „Du wirst ins Bett müssen.“
Hans Castorp hatte darauf seine Antwort bereit.
„Ich sehe nicht ein,“ sagte er, „warum ich mich mit 37,6 ins Bett legen soll, wo doch du und so viele andere, die auch nicht weniger haben, – wo ihr alle hier frei herumlauft.“
„Das ist aber doch etwas anderes“, sagte Joachim. „Bei dir ist es akut und harmlos. Du hast Schnupfenfieber.“
„Erstens,“ erwiderte Hans Castorp und teilte seine Rede nun sogar in erstens und zweitens ein, „verstehe ich nicht, warum man mit harmlosem Fieber – ich will einmal annehmen, daß es so etwas gibt – mit harmlosem Fieber das Bett hüten muß, mit anderem aber nicht. Und zweitens sage ich dir ja, daß der Schnupfen mich nicht heißer gemacht hat, als ich schon vorher war. Ich stehe auf dem Standpunkt,“ schloß er, „daß 37,6 gleich 37,6 ist. Könnt ihr damit herumlaufen, kann ich es auch.“
„Ich habe aber vier Wochen liegen müssen, als ich ankam,“ wandte Joachim ein; „und erst als sich zeigte, daß die Temperatur durch Bettruhe nicht verschwand, durfte ich aufstehen.“
Hans Castorp lächelte.
„Nun und?“ fragte er. „Ich denke, bei dir war es etwas anderes? Mir scheint, du verwickelst dich in Widersprüche. Erst unterscheidest du, und dann stellst du gleich. Das ist doch Schnickschnack ...“
Joachim drehte sich auf dem Absatz um, und als er sich seinem Vetter wieder zukehrte, sah man, daß sein gebräuntes Gesicht noch eine Schattierung dunkler geworden war.