„Mahlzeit, die Herren!“ sagte er. „Immer auf der Walze? War wohl fein in der großen Welt? Ich komme gerade von einem ungleichen Zweikampf auf Messer und Knochensäge, – große Sache, wissen Sie, Rippenresektion. Früher blieben fünfzig Prozent dabei auf dem Tisch des Hauses. Jetzt haben wirs besser raus, aber öfters muß man doch mortis causa vorzeitig einpacken. Na, der von heute konnte ja Spaß verstehen, blieb für den Augenblick ganz stramm bei der Stange ... Doll, so ein Menschenthorax, der keiner mehr ist. Weichteil, wissen Sie, unkleidsam, leichte Trübung der Idee, sozusagen. Na, und Sie? Was macht die werte Befindität? Ist wohl ein fidelerer Lebenswandel zu zweien, was, Ziemßen, alter Schlauberger? Warum weinen Sie denn, Sie Vergnügungsreisender?“ wandte er sich auf einmal an Hans Castorp. „Öffentliches Weinen ist hier nicht erlaubt. Hausordnungsverbot. Da könnte jeder kommen.“
„Das ist mein Schnupfen, Herr Hofrat“, antwortete Hans Castorp. „Ich weiß nicht, wie es möglich war, aber ich habe mir einen enormen Katarrh geholt. Husten habe ich auch, und ordentlich auf der Brust liegt es mir.“
„So?“ sagte Behrens. „Dann sollten Sie mal einen verständigen Arzt zu Rate ziehen.“
Die beiden lachten, und Joachim antwortete, indem er die Absätze zusammenzog:
„Wir sind im Begriffe, Herr Hofrat. Ich habe ja morgen Untersuchung, und da wollten wir fragen, ob Sie die Güte hätten, auch meinen Vetter gleich einmal dranzunehmen. Es handelt sich darum, ob er Dienstag wird reisen können ...“
„M. w.!“ sagte Behrens. „M. w. m. F.! Machen wir mit Vergnügen! Hätten wir längst mal machen sollen. Wenn man schon hier ist, soll man das immer mitnehmen. Aber man mag sich ja natürlich nicht aufdrängen. Also morgen um zwei, gleich wenn Sie von der Krippe kommen!“
„Denn ich habe nämlich auch etwas Fieber“, merkte Hans Castorp noch an.
„Was Sie sagen!“ rief Behrens. „Sie wollen mir wohl Neuigkeiten erzählen? Glauben Sie, ich habe keine Augen im Kopf?“ Und er deutete mit dem gewaltigen Zeigefinger auf seine beiden blutunterlaufenen, blau quellenden, tränenden Augäpfel. „Wieviel ist es denn übrigens?“
Hans Castorp nannte bescheiden die Ziffer.
„Vormittags? Hm, nicht übel. Für den Anfang gar nicht so unbegabt. Na, also paarweise angetreten morgen um zwei! Soll mir eine Auszeichnung sein. Gesegnete Nahrungsaufnahme!“ Und mit krummen Knien und rudernden Händen begann er den abschüssigen Weg hinabzustapfen, indes eine Rauchfahne von seiner Zigarre rückwärts wehte.