„Sicher!“ sagte Hans Castorp.

„Die Ladung kann nicht sehr groß gewesen sein“, fuhr der Hofrat fort. „Was sie an Quantität vermissen ließ, muß sie ersetzt haben durch –“

„Dynamik“, ergänzte Hans Castorp.

„Na also. Was es ist, das werden wir schon noch eruieren. Man darf dem Ergebnis mit einiger Neugier entgegensehen, es gibt da zweifellos was zu lernen. Wetten wir, daß der wachhabende Exot da hinten, der sich heute nacht so fein gemacht hat, uns ganz genau Bescheid sagen könnte? Ich nehme an, daß eine Kombination von Tierischem und Pflanzlichem vorliegt, – vom Guten das Beste jedenfalls, denn die Wirkung muß fulminant gewesen sein. Alles spricht dafür, daß es ihm sofort den Atem verschlagen hat, Lähmung des Respirationszentrums, wissen Sie, rapider Erstickungstod, wahrscheinlich ohne Zwang und Qualen.“

„Gott gebe es!“ sagte Hans Castorp fromm, händigte dem Hofrat das unheimliche kleine Werkzeug seufzend wieder ein und kehrte ins Schlafzimmer zurück.

Nur der Malaie und Madame Chauchat waren jetzt dort noch anwesend. Diesmal hob Clawdia den Kopf nach dem jungen Mann, als er sich dem Bett wieder näherte.

„Sie hatten ein Anrecht darauf, daß ich Sie rufen ließ“, sagte sie.

„Es war sehr gütig von Ihnen“, sagte er, „und Sie haben recht. Wir waren Duzfreunde. Ich schäme mich in tiefster Seele, daß ich mich dessen schämte vor den Leuten und Umschweife gebrauchte. – Sie waren bei ihm in seinen letzten Augenblicken?“

„Der Diener benachrichtigte mich, als alles vorüber war“, antwortete sie.

„Er war von solchem Format“, fing Hans Castorp wieder an, „daß er das Versagen des Gefühls vor dem Leben als kosmische Katastrophe und als Gottesschande empfand. Denn er betrachtete sich als Gottes Hochzeitsorgan, müssen Sie wissen. Das war eine königliche Narretei ... Wenn man ergriffen ist, hat man den Mut zu Ausdrücken, die kraß und pietätlos klingen, aber feierlicher sind als konzessionierte Andachtsworte.“