Naphta hatte zugehört. Er sprach nach hinten:

„Des Mönchs! Man dankt den Mönchen die Kultur des europäischen Bodens! Man dankt ihnen, daß Deutschland, Frankreich und Italien nicht mit Wildwald und Ursümpfen bedeckt sind, sondern uns Korn, Obst und Wein bescheren! Die Mönche, mein Herr, haben sehr wohl gearbeitet ...“

„Ebbè, nun also!“

„Ich bitte. Die Arbeit des Religiösen war weder Selbstzweck, das heißt: Betäubungsmittel, noch lag ihr Sinn darin, die Welt zu fördern oder geschäftliche Vorteile zu erlangen. Sie war reine asketische Übung, Bestandteil der Bußdisziplin, Heilsmittel. Sie gewährte Schutz gegen das Fleisch, diente der Abtötung der Sinnlichkeit. Sie trug also – erlauben Sie mir, das festzustellen – völlig unsozialen Charakter. Sie war ungetrübtester religiöser Egoismus.“

„Ich bin Ihnen für die Aufklärung sehr verbunden und freue mich, den Segen der Arbeit auch gegen den Willen des Menschen sich bewähren zu sehen.“

„Ja, gegen seine Absicht. Wir bemerken da nichts Geringeres, als den Unterschied zwischen dem Nützlichen und dem Humanen.“

„Ich bemerke vor allem mit Unmut, daß Sie schon wieder Weltentzweiung treiben.“

„Ich bedauere, mir Ihr Mißfallen zugezogen zu haben, aber man muß die Dinge scheiden und ordnen und die Idee des Homo Dei von unreinen Bestandteilen freihalten. Ihr Italiener habt das Wechslergeschäft und die Banken erfunden; das verzeih’ euch Gott. Aber die Engländer erfanden die ökonomistische Gesellschaftslehre, und das wird der Genius des Menschen ihnen niemals verzeihen.“

„Ah, der Genius der Menschheit war auch in den großen ökonomischen Denkern jener Inseln lebendig! – Sie wollten sprechen, Ingenieur?“

Das leugnete Hans Castorp, sagte aber dennoch – und Naphta sowohl wie Settembrini hörten ihm mit einer gewissen Spannung zu: