„Ja, er war brav. Radamanth sprach immer von seinem Biereifer. Aber sein Körper wollte es anders. Rebellio carnis, heißt es bei den Jesuiten. Er war immer körperlich gesinnt, auf ehrenhafte Weise. Aber sein Körper hatte Unehrenhaftes eindringen lassen und schlug seinem Biereifer ein Schnippchen. Es ist übrigens moralischer, sich zu verlieren und selbst zu verderben, als sich zu bewahren.“
„Ich sehe wohl, man ist immer noch ein philosophischer Taugenichts. Radamanth? Wer ist das?“
„Behrens. Settembrini nennt ihn so.“
„Ah, Settembrini, ich weiß. Das war jener Italiener da ... Ich liebte ihn nicht. Er war nicht menschlich gesinnt.“ (Die Stimme sprach das Wort „mähnschlich“ aus, mit einer gewissen trägen und schwärmerischen Dehnung.) „Er war hochmütig.“ (Auf der zweiten Silbe betont.) „Er ist nicht mehr da? Ich bin dumm. Ich weiß nicht, was das ist: Radamanth.“
„Etwas Humanistisches. Settembrini ist verzogen. Wir haben weitläufig philosophiert in diesen Zeiten, er und Naphta und ich.“
„Wer ist Naphta?“
„Sein Widersacher.“
„Wenn er sein Widersacher ist, möchte ich seine Bekanntschaft machen. – Aber habe ich nicht gesagt, daß Ihr Vetter sterben würde, wenn er versuchte, in der Ebene Soldat zu sein?“
„Ja, du hast es gewußt.“
„Was fällt Ihnen ein!“