»Hat die Fürstin so viele Blumen?«
»Ja, aber neuerdings sind sie ihr weniger wert.«
»Nun wollen wir einräumen«, sagte sie und griff nach den Büchern.
»Nein, warten Sie«, sagte er mit schwerer Brust. »Ich habe Ihnen so viel zu sagen, und unsere Zeit ist so kurz. Sie müssen wissen, daß heute mein Geburtstag ist – darum kam ich und brachte Ihnen die Rose.«
»Oh,« sagte sie, »das ist bemerkenswert! Es ist Ihr Geburtstag heute? Nun, ich bin sicher, daß Sie alle Glückwünsche mit dem Ihnen eigenen Anstand entgegengenommen haben. Nehmen Sie auch den meinen! Es war hübsch, daß Sie mir heute die Rose brachten, obgleich sie ihr Bedenkliches hat …« Und sie versuchte noch einmal mit furchtsamem Ausdruck den Moderduft. »Wie alt werden Sie heute, Prinz?«
»Siebenundzwanzig«, antwortete er. »Vor siebenundzwanzig Jahren wurde ich auf der Grimmburg geboren. Ich habe es immer recht streng und einsam seitdem gehabt.«
Sie schwieg. Und plötzlich sah er, wie ihr Blick, unter leicht verfinsterten Brauen, an seiner Seite suchte – ja, obwohl er, seiner Übung nach, ein wenig schräg vor ihr stand und ihr die rechte Schulter zuwandte, konnte er nicht verhindern, daß ihre Augen sich mit stillem Forschen auf seinen linken Arm, auf die Hand hefteten, die er weit rückwärts in die Hüfte gestemmt hatte.
»Haben Sie das da seit Ihrer Geburt?« fragte sie leise.
Er erbleichte. Aber mit einem Laut, der wie ein Laut der Erlösung klang, sank er vor ihr nieder, indem er die seltsame Gestalt mit beiden Armen umschlang. Da lag er in seinen weißen Hosen und seinem blau und roten Rock mit den Majorsraupen auf den schmalen Schultern.
»Kleine Schwester …«, sagte er. »Kleine Schwester …«