Es war eine von Raoul Überbeins starken Redensarten gewesen, als er erklärt hatte, daß das Publikum bei diesem Anblick »den Atem anhalte«; aber in der Sache hatte er recht, und man kann sagen, daß niemals die Bevölkerung unserer Residenz – und zwar in ihrer ganzen Zusammensetzung – einen gesellschaftlichen oder öffentlichen Vorgang mit so leidenschaftlichem, so alles andere hintansetzendem Eifer verfolgt hatte, wie Klaus Heinrichs Verkehr auf »Delphinenort«. Der Prinz selbst handelte bis zu einem gewissen Punkte – nämlich bis zu einer gewissen Unterredung mit Seiner Exzellenz dem Staatsminister von Knobelsdorff – blind, ohne Rücksicht auf die Mitwelt und inneren Trieben gehorchend; aber sein Lehrer konnte ihn mit Fug ob der Meinung, als könnten seine Schritte der Welt verborgen bleiben, in seiner väterlichen Art verspotten, denn sei es nun, daß die beiderseitige Dienerschaft nicht reinen Mund hielt oder daß unmittelbare Beobachtungen von seiten des Publikums vorlagen, jedenfalls war Klaus Heinrich niemals mit Fräulein Spoelmann zusammengetroffen, niemals seit jener ersten Begegnung im Dorotheen-Spital, ohne daß es bemerkt und besprochen worden wäre. Bemerkt? Nein, erspäht, eräugt und gierig aufgegriffen! Besprochen? Vielmehr mit Sturzbächen von Gerede überschüttet! Dieser Verkehr bildete den Gesprächsgegenstand der Hofgesellschaft, der Salons, der Wohn- und Schlafzimmer, der Barbierstuben, Wirtshäuser, Handwerkstätten und Gesindekammern, der Droschkenkutscher an den Haltestellen und der Mägde unter den Haustoren, er beschäftigte gleichermaßen die männlichen und weiblichen Köpfe, wenn auch natürlich mit den Abweichungen, die in der unterschiedlichen Betrachtungsweise der Geschlechter begründet liegen, die unerhört einmütige Teilnahme daran wirkte ausgleichend, zusammenfassend, sie überbrückte die gesellschaftlichen Klüfte, und es konnte geschehen, daß der Trambahnschaffner sich auf der Plattform an den feingekleideten Fahrgast mit der Frage wandte, ob er schon wisse, daß gestern nachmittag der Prinz wieder eine Stunde auf »Delphinenort« gewesen sei.

Aber das sowohl an und für sich Bemerkenswerte wie auch für die Zukunft Entscheidende bei alldem war, daß man keinen Augenblick den Eindruck gewann, als läge ein Ärgernis in der Luft und als handle es sich bei all der Zungenbewegung um die gemeine Lust an anstößigen Vorgängen in hohen Sphären – sondern daß vom ersten Anbeginn, bevor noch irgendein Hintergedanke aufzukommen Zeit gehabt hatte, die tausendstimmige Erörterung bei aller Erregtheit durchaus im Sinne der Billigung und des Einverständnisses geführt wurde, ja, daß der Prinz, wenn er früher darauf verfallen wäre, sich nach der öffentlichen Meinung umzutun, sogleich die glückliche Gewißheit von der unbedingten Volkstümlichkeit seines Handelns erhalten hätte. Als er nämlich, seinem Lehrer gegenüber, Fräulein Spoelmann eine »Prinzessin« genannt hatte, da hatte er, wie es ihm übrigens wohl anstand, genau im Geiste des Volkes gesprochen – jenes Volkes, das überall das Ungemeine und Traumhafte mit dichterischem Sinn zu erfassen weiß. Ja, für das Volk war das schwarzbleiche, kostbare und eigentümlich liebliche Wesen von schillernder Blutzusammensetzung, das von den Gegenfüßlern zu uns gekommen war, um sein vereinzeltes und beispielloses Leben bei uns zu führen – für das Volk war es ein Fürsten- oder Feenkind aus Fabelland, eine Prinzessin in des Wortes sonderbarster Bedeutung. Aber alles, sowohl ihr eigenes Gehaben als auch das Verhalten der Welt zu ihr, trug dazu bei, sie auch im gewohnten Sinne des Wortes als Prinzessin erscheinen zu lassen. Wohnte sie nicht mit ihrer gräflichen Ehrendame in einem Schloß, wie es sich gehörte? Fuhr sie nicht in ihrem prachtvollen Kraftwagen oder mit ihrem Viergespann an den mildtätigen Anstalten, dem Blinden-, dem Waisen-, dem Diakonissenhause, der Volksküche und der Milchküche vor, um sie zu allgemeiner Erhebung und eigener Belehrung zu besichtigen, völlig nach fürstlicher Art? Hatte sie nicht sowohl für die Überschwemmten wie für die Abgebrannten aus ihrer »Privatschatulle«, wie der »Eilbote« sich bezeichnend ausdrückte, Unterstützungssummen gespendet, die genau denen des Großherzogs gleichkamen (sie nicht übertrafen, was allgemein beifällig vermerkt wurde)? Berichteten nicht fast jeden Tag die Journale gleich unter den Hofnachrichten über Herrn Spoelmanns wechselnden Gesundheitszustand – ob die Koliken ihn ans Bett fesselten oder ob er den morgendlichen Besuch des Quellengartens wieder aufgenommen habe? Gehörten die weißen Livreen seiner Bedienten nicht zum hauptstädtischen Straßenbilde wie die braunen der großherzoglichen Lakaien? Ließen nicht die Fremden mit ihren Handbüchern sich nach Delphinenort hinausfahren, um sich in den Anblick der Spoelmannschen Residenz zu versenken – manche, bevor sie das Alte Schloß gesehen? Waren nicht beide Schlösser, das Alte und Delphinenort, nahezu gleichermaßen Hochsitze und Mittelpunkte der Stadt? In welche Gesellschaft gehörte das aller Gemeinschaft und Gleichartigkeit entrückte Menschenkind, das als Samuel Spoelmanns Tochter geboren war? Wem sollte es sich anschließen, mit wem Verkehr pflegen? Nichts war weniger befremdend, nichts einleuchtender und natürlicher, als Klaus Heinrich an ihrer Seite zu sehen. Und auch alle diejenigen, die des Anblicks nicht wirklich teilhaft geworden waren, genossen ihn im Geiste und vertieften sich darein: die schlanke, festlich vertraute Gestalt des Prinzen neben der Tochter und Erbin des ungeheuerlichen kleinen Fremden, der krank und ärgerlich an einem Vermögen trug, welches sich ungefähr doppelt so hoch belief wie unsere sämtlichen Staatsschulden!

Da geschah es, daß eine Erinnerung, eine wunderliche Wortfügung vom öffentlichen Bewußtsein Besitz ergriff … niemand kann sagen, wer zuerst darauf hinwies, darauf zurückwies – das steht nicht fest. Vielleicht war es eine Frau, vielleicht ein Kind mit gläubigen Augen, dem man es irgendwann zum Einschlafen erzählt – Gott weiß es. Aber eine gespenstische Gestalt belebte sich in der Einbildungskraft des Volkes: der Schatten eines alten Zigeunerweibes, das, grauzottig und krumm, die Augen nach innen gekehrt, seinen Stock durch den Sand führte und dessen Gemurmel aufgezeichnet und von Geschlecht zu Geschlecht überliefert worden war … »Das größte Glück?« Durch einen Fürsten »mit einer Hand« sollte es dem Lande zuteil werden. Mehr werde er, hieß es, mit seiner einen dem Lande geben, als andere mit zweien nicht vermöchten … Mit einer? Aber war alles ganz in Ordnung an Klaus Heinrichs schlanker Festgestalt? War nicht, wenn man sich besann, eine Schwäche, ein Fehler an seiner Person, wovon man, wenn man ihn grüßte, abzusehen gewöhnt war, aus Scheu zum ersten und zweitens, weil er es einem mit liebenswerter Kunst erleichterte, davon abzusehen? Man sah ihn im Wagen, wie er über dem Säbelgriff den linken Unterarm mit dem rechten bedeckte. Man sah ihn unter einem Baldachin, auf einer mit Fahnentüchern behangenen Tribüne sich darstellen, ein wenig nach links gewandt, die Linke auf eine gewisse Art in die Hüfte gestützt. Sein linker Arm war zu kurz, die Hand verkümmert, man wußte es und kannte sogar verschiedene Erklärungen für die Entstehung dieses Gebrechens, ohne daß Ehrfurcht und Abstand doch erlaubt hätten, es klar zu sehen oder es auch nur eigentlich zuzugeben. Aber nun sah man es. Niemals wird festgestellt werden können, wer zuerst flüsternd daran erinnerte und es mit der Prophezeiung in Verbindung brachte – ein Kind, eine Magd oder ein Greis an der Schwelle des Jenseits. Aber was feststeht, ist, daß es im Volke geschah, daß das Volk gewisse Gedanken und Hoffnungen – nicht zuletzt seine Auffassung der Person Fräulein Spoelmanns – den gebildeten Ständen bis hinauf zu den ausschlaggebenden Stellen erst aufdrängte und von unten her gewaltig eingab: daß der unbefangene, von Vorurteilen nicht gehemmte Glaube des Volkes allem Späteren die breite und feste Grundlage bot. »Mit einer Hand?« fragte es, und »Das größte Glück?« Es sah Klaus Heinrich im Geiste neben Imma Spoelmann die Linke in die Hüfte stützen, und, noch unfähig, zu Ende zu denken, was es dachte, erbebte es bei seinem halben Gedanken.

Damals schwebte alles in der Luft, und niemand dachte etwas zu Ende – und auch nicht die nächstbeteiligten und handelnden Personen, denn zwischen Klaus Heinrich und Imma Spoelmann lagen die Dinge ja sonderbar, und ihr Sinnen konnte – auch seines – vorderhand auf kein handgreifliches Ziel gerichtet sein. In der Tat hatte jener wortkarge Vorgang am Nachmittag von des Prinzen Geburtstag (als Fräulein Spoelmann ihm ihre Bücher gezeigt hatte) an ihren Beziehungen sehr wenig, ja gar nichts geändert, und wenn auch Klaus Heinrich damals in jenem wallenden und hitzig entzückten Zustand, der jungen Leuten bei solchen Gelegenheiten eigen ist, nach »Eremitage« zurückgekehrt war, wohl gar in der Meinung befangen, daß etwas Entscheidendes sich ereignet habe, so wurde er doch bald belehrt, daß sein Werben um das, was er als sein Glück erkannt hatte, nun erst eigentlich begann. Dieses Werben aber konnte, wie gesagt, noch gar keinem sachlichen Enderfolg, einem bürgerlichen Versprechen oder ähnlichem gelten – das lag zunächst außerhalb des Bereiches des Denkbaren, und überdies lebte man, um dergleichen ins Auge zu fassen, in allzu großer Abgeschiedenheit von der praktischen Welt. Ja, worum Klaus Heinrich fortan mit Blick und Worten bat, war nicht sowohl, daß Fräulein Spoelmann die Empfindungen, die er ihr entgegenbrachte, erwidern – sondern daß sie sich überhaupt entschließen möge, an die Wirklichkeit und Lebendigkeit dieser Empfindungen zu glauben. Denn das tat sie nicht.

Er ließ zwei Wochen verstreichen, ehe er wieder auf »Delphinenort« vorsprach, und lebte während dieser Zeit in seinem Innern von dem, was geschehen. Es schien ihm nicht eilig, dieses Geschehnis durch Neues veralten zu machen, und außerdem nahmen ihn in diesen Tagen mehrere Repräsentationspflichten in Anspruch, unter anderen das Festschießen des Zimmerstutzen-Schützenverbandes, dessen erklärter Schirmherr er war, und an dessen Stiftungsfest er sich alljährlich beteiligte, indem er, in grüner Tracht, als lebe und webe er im Schützenwesen, von den Vereinsmitgliedern mit begeistertem Schützengruß empfangen, an den Schießständen vorfuhr und mit den verklärten Herren des Vorstandes, ganz gegen Appetit, einen Imbiß einnahm, um endlich in anmutig kundiger Haltung mehrere Schüsse in der Richtung verschiedener Scheiben abzugeben. Als er sich hierauf – es war Mitte Juni – wieder um die Teestunde bei Spoelmanns einstellte, verhielt Imma sich äußerst spöttisch, und ihre Ausdrucksweise war ungewöhnlich schriftmäßig und redensartlich. Auch Herr Spoelmann war jenes Mal zugegen, und obgleich seine Anwesenheit das von Klaus Heinrich ersehnte Alleinsein mit der Tochter des Hauses hintanhielt, so half sie dem Prinzen doch auf unerwartete Weise über den Kummer, der Immas Schärfe ihm machte, hinweg; denn Samuel Spoelmann war gütig, fast weich gegen ihn.

Man nahm den Tee auf der Terrasse, in neuartig geformten Korbstühlen sitzend, zart angeweht von den Düften des Blumengartens. Der Schloßherr lag unter einer grünseidenen, mit Papageien durchwebten und mit Pelz gefütterten Decke ausgestreckt am Tische auf einem mit seidenen Kissen ausgestatteten Ruhebett aus Rohrgeflecht. Er war außer Bett, um die linde Luft zu genießen, aber seine Wangen waren heute nicht hitzig, sondern gelblichbleich und seine Äuglein getrübt; sein Kinn war spitz, seine gerade hervorspringende Nase erschien länger als sonst, und seine Stimmung nicht von der gewohnten Ärgerlichkeit, sondern eher wehmütig, was nicht als gutes Zeichen genommen werden konnte. Zu seinen Häupten saß lang und milde lächelnd Doktor Watercloose.

»Na, junger Prinz …« sagte Herr Spoelmann müde, und auf die Frage nach seinem Befinden antwortete er nur mit einem schwachen Knarren. Imma, in schillerndem Hauskleide mit hoher Taille und grünsamtenem Jäckchen, goß Wasser aus dem elektrisch geheizten Kessel in die Kanne. Sie beglückwünschte den Prinzen mit vorgeschobenen Lippen zu seinem persönlichen Erfolge auf der Schützenwiese. Sie habe, sagte sie und wandte ihr Köpfchen hin und her, »aus der Tagespresse mit tiefer Genugtuung Kenntnis davon genommen« und die Schilderung seines Auftretens als Schütze auch der Gräfin vorgelesen. Diese saß gerade aufgerichtet in ihrem engen braunen Kleid am Tische und handhabte ihr Löffelchen mit vornehmen Bewegungen, ohne sich irgendwie gehen zu lassen. Der heute sprach, war Herr Spoelmann. Er tat es, wie gesagt, auf eine sanfte, ja wehmütige Weise, die das Ergebnis seiner Schmerzen war.

Er erzählte einen Vorfall, ein Erlebnis, das um Jahre zurücklag, mit dem er aber offenbar nicht fertig wurde, und das ihn in Tagen schlechter Gesundheit immer aufs neue schmerzlich beschäftigte – erzählte die kurze und einfache Geschichte zweimal hintereinander und kränkte sich beim zweiten Male noch bitterer als beim ersten. Damals hatte er eine seiner Stiftungen machen wollen – keine vom ersten Range, aber doch eine stattliche –, hatte einer großen menschenfreundlichen Anstalt der Vereinigten Staaten handschriftlich zu wissen gegeben, daß er ihr zur Förderung ihrer guten Bestrebungen eine Million in Eisenbahnpapieren zuzuwenden wünsche, in sicheren Papieren der Südpacifischen Eisenbahngesellschaft, sagte Herr Spoelmann und schlug sich in die flache Hand, um die Papiere anschaulich zu machen. Was aber hatte die menschenfreundliche Anstalt getan? Sie hatte die Schenkung ausgeschlagen, sie zurückgewiesen, die Annahme verweigert – und zwar mit dem ausdrücklichen Hinzufügen, daß sie es vorziehe, auf eine Unterstützung mit fragwürdig und gewalttätig erworbenem Gut Verzicht zu leisten. Das hatte sie getan. Herrn Spoelmanns Lippen zitterten, als er es erzählte, sowohl das erste wie das zweite Mal, und voller Verlangen nach Trost und Mißbilligung sah er sich mit seinen kleinen, nahe beisammenliegenden, metallischen Rundaugen am Teetisch um.

»Das war nicht menschenfreundlich von der menschenfreundlichen Anstalt«, sagte Klaus Heinrich. »Nein, das war es nicht.« Und sein Kopfschütteln war so entschieden, sein Unwille und sein Mitgefühl so deutlich, daß Herr Spoelmann sich ein wenig erheiterte und erklärte, heute sei es hübsch draußen, und die Blumen drunten dufteten gut. Ja, er nahm alsbald Gelegenheit, sich dem jungen Gast erkenntlich zu zeigen und ihm sein Wohlwollen auf die ausdrucksvollste Art zu bekunden. Klaus Heinrich nämlich hatte sich bei dem warmen Wetter, das diesen Sommer mit jäh abkühlenden Gewittern und Hagelschlägen wechselte, eine Erkältung zugezogen, sein Hals war geschwollen, er spürte Stechen beim Schlucken, und da sein hoher Beruf und eine gewisse Zärtlichkeit in der Überwachung seiner zur Darstellung bestimmten Person ihn notwendig ein wenig weichlich gemacht hatten, so konnte er nicht umhin, davon zu sprechen und sich über seine Halsschmerzen zu beklagen. »Dann müssen Sie feuchte Umschläge machen«, sagte Herr Spoelmann. »Haben Sie Guttaperchapapier?« Aber Klaus Heinrich hatte keines. Da warf Herr Spoelmann die Papageiendecke von sich, stand auf und ging ins Innere des Schlosses. Er antwortete auf keine Frage, ließ sich nicht aufhalten und ging. Man fragte einander in seiner Abwesenheit, was er im Sinn haben könne, und Doktor Watercloose, wohl in der Befürchtung, daß ein Schmerzensanfall seinen Patienten vertrieben habe, folgte ihm auf dem Fuße. Aber als Herr Spoelmann zurückkehrte, hatte er in der Hand ein Stück Guttaperchapapier, an dessen Vorhandensein von früherher in irgendeiner Schublade er sich erinnert hatte, ein schon etwas brüchiges Stück, das er dem Prinzen einhändigte, indem er ihn ausführlich darüber belehrte, wie er es zu verwenden habe, um Nutzen daraus zu ziehen. Klaus Heinrich dankte ihm freudig, und Herr Spoelmann streckte sich befriedigt wieder aus. Er blieb diesmal da, und als der Tee getrunken war, veranlaßte er sogar einen gemeinsamen Rundgang um den Park, wobei die Anordnung die war, daß Herr Spoelmann in seinen weichen Schuhen zwischen Imma und Klaus Heinrich wandelte, während die Gräfin Löwenjoul mit Doktor Watercloose in einigem Abstande folgten. Als der Prinz für heute Abschied nahm, sagte Imma Spoelmann noch etwas scharf Gesetztes über seinen Hals und die feuchten Umschläge, beschwor ihn mit verstecktem Spotte, sich zu pflegen und seine geheiligte Person doch ja in sorgsame Acht zu nehmen. Aber obgleich Klaus Heinrich ihr nichts Angemessenes zu erwidern wußte – was sie übrigens ja nicht erwartete und verlangte –, so bestieg er doch ziemlich frohgemut seinen Dogcart; denn das Stückchen brüchiger Guttapercha in der rückwärtigen Tasche seines Uniformrockes erschien ihm, ohne daß er sich klare Rechenschaft über diese Auffassung ablegte, als ein Unterpfand glücklicher Zukunft.

Mochte dem nun aber wie immer sein, so blieb es dabei, daß sein Kampf erst eigentlich begann. Es war der Kampf um Imma Spoelmanns Glauben, der Kampf darum, daß sie ihm in dem Grade vertrauen möge, um des Entschlusses fähig zu sein, sich aus der frostigen und reinen Sphäre, darin sie zu spielen gewohnt war, aus dem Reiche der Algebra und der Sprachverspottung mit ihm hinabzuwagen in die fremde Zone, jene wärmere, dunstigere und fruchtbarere, welche er ihr zeigte. Denn ihre Scheu vor diesem Entschlusse war gewaltig groß.