Er hatte die hundert Schritte vom Alten Schlosse hierher in geschlossenem Wagen, den Jäger auf dem Bocke, zurückgelegt. Er war in Zivil wie fast immer, trug einen geschlossenen Gehrock mit kleinen Atlasaufschlägen und Lackstiefel an seinen schmalen Füßen. Seit seiner Thronbesteigung hatte er sich einen Spitzbart wachsen lassen. Sein kurzgeschnittenes blondes Haar trat in zwei Buchten von seinen feinen, eingedrückten Schläfen zurück. Sein Gang war ein linkisches und dennoch unbeschreiblich vornehmes Stolzieren, wobei seine Schulterblätter sich auf befangene Art verzogen. Er trug den Kopf zurückgelehnt und schob seine kurze, gerundete Unterlippe empor, indem er leicht damit an der oberen sog.

Die Fürstin ging ihm bis zur Schwelle entgegen. Da er die Bewegung des Handkusses scheute, so reichte er ihr einfach mit einem leisen, fast geflüsterten Grußwort die Hand – seine magere, kalte Hand von seltsam empfindlichem Ausdruck, die er dicht an der Brust ausstreckte, ohne auch nur den Unterarm vom Körper zu lösen. Dann begrüßte er auf dieselbe Art seinen Bruder Klaus Heinrich, der ihn mit geschlossenen Absätzen vor seinem Stuhle erwartet hatte – und sagte nichts mehr.

Ditlinde redete. »Das ist liebenswürdig, Albrecht, daß du kommst. Es geht dir also gut? Du siehst vorzüglich aus. Philipp läßt dir sein Bedauern ausdrücken, heute abwesend sein zu müssen. Bitte, nimm Platz, wo es dir am besten gefällt, zum Beispiel hier, mir gegenüber. Der Stuhl ist ziemlich bequem, du hast ihn das letztemal auch gehabt. Ich habe einstweilen unseren Tee gemacht. Du bekommst sogleich deine Milch …«

»Danke«, sagte er leise. »Ich muß um Entschuldigung bitten … ich habe mich verspätet. Du weißt, wenn der Weg am kürzesten ist … Und dann muß ich nachmittags liegen … Wir werden unter uns bleiben?«

»Ganz unter uns, Albrecht. Höchstens, daß Jettchen Isenschnibbe ein bißchen vorspricht, wenn es dir nicht unangenehm ist …«

»Ah?«

»Aber ich kann mich ebensogut verleugnen lassen.«

»Oh, bitte …«

Man servierte die heiße Milch. Albrecht umfaßte das hohe, dicke, gebuckelte Glas mit beiden Händen.

»Ah, etwas Wärme«, sagte er. »Wie es schon kalt ist hierzulande. Und den ganzen Sommer habe ich in Hollerbrunn gefroren. Ihr habt noch nicht geheizt? Ich habe schon heizen lassen. Andererseits leide ich unter dem Ofengeruch. Alle Öfen riechen. Von Bühl verspricht mir jeden Herbst die Zentralheizung für das Alte Schloß. Aber es scheint nicht tunlich.«