»O nein, Ditlinde, du kannst denken, daß er nicht allein kommt. Ich weiß noch nichts Näheres über seine Umgebung und Dienerschaft, aber fest steht, daß seine Tochter und sein Leibarzt ihn begleiten.«
»Du sagst immer ›Leibarzt‹, Jettchen, das ärgert mich. Und dann die Journalisten. Und obendrein die Fürstenzimmer. Er ist doch kein König.«
»Ein Eisenbahnkönig, soviel ich weiß«, bemerkte Albrecht leise und mit niedergeschlagenen Augen.
»Nicht nur Eisenbahnkönig, Königliche Hoheit, und nicht einmal in der Hauptsache, nach allem, was ich höre. Da gibt es in Amerika drüben diese großen Handelsgesellschaften, die man Trusts nennt, wie Königliche Hoheit wissen, der Stahltrust zum Beispiel, der Zuckertrust, der Petroleumtrust und dann noch der Kohlen- und Fleisch- und Tabaktrust und wie sie heißen. Und bei fast all diesen Trusts hat Samuel N. Spoelmann seine Hand im Spiel und ist Großaktionär und Hauptkontrolleur – so nennt man es, ich habe es gelesen –, und sein Geschäft muß also wohl sein, was man bei uns eine Gemischte Warenhandlung nennt.«
»Ein sauberes Geschäft,« sagte Ditlinde, »ein sauberes Geschäft wird es sein! Denn daß man durch ehrliche Arbeit ein Leviathan und Vogel Roch werden kann, das wirst du mir nicht einreden, gutes Jettchen. Ich bin überzeugt, daß das Blut der Witwen und Waisen an seinen Reichtümern klebt. Wie denkst du, Albrecht?«
»Ich wünsche es, Ditlinde, ich wünsche es, dir und deinem Gatten zum Trost.«
»Wenn es so ist,« erzählte das Fräulein, »so trifft doch Spoelmann – unseren Samuel N. Spoelmann – nur geringe Verantwortung, denn er ist eigentlich nichts als ein Erbe und soll sogar nie so besondere Lust zu den Geschäften gehabt haben. Wer eigentlich das Ganze gemacht hat, das war sein Vater – ich habe alles gelesen und kann sagen, daß ich in großen Zügen Bescheid weiß. Sein Vater, das war ein Deutscher – gar nichts, ein Abenteurer, der über See ging und Goldgräber wurde. Und hatte Glück und gewann sich durch Goldfunde ein kleines Vermögen – oder auch schon ein ziemlich großes – und fing zu spekulieren an, in Petroleum und Stahl und Eisenbahnen und dann in allem Möglichen und wurde immer reicher und reicher. Und als er starb, da war eigentlich alles schon im Gang, und sein Sohn Samuel, der die Vogel-Roch-Firma erbte, der hatte so gut wie nichts mehr zu tun, als die fürchterlichen Dividenden einzustreichen und noch immer reicher und reicher zu werden, bis es kaum noch zu sagen war. So ist es vor sich gegangen.«
»Und eine Tochter hat er, Jettchen? Was ist denn das für ein Ding?«
»Jawohl, Ditlinde, seine Frau ist tot, aber er hat eine Tochter, Miß Spoelmann, und die bringt er mit. Ein sonderbares Mädchen, nach allem, was ich gelesen habe. Er selbst ist ja schon ein sujet mixte, denn sein Vater holte sich seine Frau aus dem Süden – kreolisches Blut, eine Person mit deutschem Vater und eingeborener Mutter. Aber Samuel heiratete dann wieder eine Deutsch-Amerikanerin mit halbenglischem Blut, und deren Tochter ist nun Miß Spoelmann.«
»Bewahre, Jettchen, das ist ja ein buntes Geschöpf!«