»Ich meine, Ihr Hauptberuf. Sind Sie im Staatsdienst?«

»Nein, Königliche Hoheit. Ich habe keinen Beruf. Ich beschäftige mich mit Poesie, ausschließlich …«

»Gar keinen … Oh, ich verstehe. Eine so ungewöhnliche Begabung ist es wert, daß man ihr alle Kräfte widmet.«

»Das weiß ich nicht. Ich muß gestehen, daß ich gar nicht die Wahl hatte. Ich habe mich von jeher zu jeder anderen menschlichen Tätigkeit vollkommen unfähig gefühlt. Mir scheint, daß diese zweifellose und unbedingte Unfähigkeit zu allem anderen der einzige Beweis und Prüfstein des Berufes zur Poesie ist, ja, daß man in der Poesie eigentlich keinen Beruf, sondern eben nur den Ausdruck und die Zuflucht dieser Unfähigkeit zu sehen hat.«

Herr Martini hatte die Eigentümlichkeit, beim Sprechen Tränen in die Augen zu bekommen, ähnlich wie ein Mensch, der aus der Kälte in ein warmes Zimmer tritt und sich nun schmelzen und hinströmen läßt.

»Das ist eine eigenartige Auffassung«, sagte Klaus Heinrich.

»Doch nicht, Königliche Hoheit. Ich bitte um Verzeihung. Nein, gar nicht eigenartig. Diese Auffassung ist vielfach akzeptiert. Ich sage nichts Neues.«

»Und seit wann leben Sie ausschließlich der Poesie, Herr Martini? Sie haben vorher studiert?«

»Nicht regelrecht, Königliche Hoheit. Nein, die Unfähigkeit, der ich vorhin erwähnte, begann bei mir sehr früh sich zu zeigen. Ich wurde mit der Schule nicht fertig. Ich verließ sie, ohne es bis zur Abgangsprüfung gebracht zu haben. Ich ging auf die Universität mit dem Versprechen, die Prüfung nachträglich abzulegen, aber es wurde dann nichts daraus. Und als mein erster Gedichtband sehr bemerkt worden war, da schickte es sich auch schließlich nicht mehr, wenn ich so sagen darf.«

»Nein, nein … Aber waren Ihre Eltern denn einverstanden mit Ihrer Laufbahn?«