Aber Doktor Überbein antwortete: »I bewahre, Klaus Heinrich, keine Besorgnis! Er ist ein ganz artiges Männchen. Ich kenne ihn, ich hospitiere ein bißchen in seinen Kreisen. Sie werden ausgezeichnet mit ihm fertig werden.«

So empfing denn Klaus Heinrich den Dichter der Lebenslust, empfing ihn auf »Eremitage«, um der Sache einen möglichst privaten Charakter zu geben. »Im gelben Zimmer,« sagte er, »lieber Braunbart. Das ist in solchen Fällen das präsentabelste.« Es standen drei schöne Stühle in diesem Zimmer, die wohl das einzig Wertvolle unter dem Mobiliar des Schlößchens waren, schwere Empirefauteuils in Mahagoni, mit schneckenförmig aufgerollten Armlehnen und gelben Tuchbezügen, auf welche blaugrüne Leiern gestickt waren. Klaus Heinrich stellte sich nicht zur Audienz auf bei dieser Gelegenheit, sondern wartete, in einiger Unruhe, nebenan, bis Axel Martini seinerseits sieben oder acht Minuten lang im gelben Zimmer gewartet hatte. Dann trat er lebhaft, fast eilig ein und schritt auf den Dichter zu, der sich tief verbeugte.

»Es macht mir großes Vergnügen, Sie kennenzulernen,« sagte er, »lieber Herr … Herr Doktor, nicht wahr?«

»Nein, Königliche Hoheit,« erwiderte Axel Martini mit asthmatischer Stimme, »nicht Doktor. Ich bin unbetitelt.«

»Oh, Verzeihung … ich nahm an … Setzen wir uns, lieber Herr Martini. Ich bin, wie gesagt, sehr erfreut, Sie zu Ihrem großen Erfolge beglückwünschen zu können …«

Herrn Martinis Mundwinkel machten eine zuckende Bewegung nach unten. Er ließ sich an dem unbedeckten Tische, um dessen Platte eine Goldleiste lief, auf dem Rande eines der Mahagoniarmstühle nieder und kreuzte seine Füße, die in zersprungenen Lackstiefeln steckten. Er war im Frack und trug gelbliche Glacéhandschuhe. Sein Halskragen war an den Ecken schadhaft. Er hatte ein wenig glotzende Augen, magere Wangen und einen dunkelblonden Schnurrbart, der gestutzt war wie eine Hecke. Sein Haupthaar war an den Schläfen schon stark ergraut, obgleich er dem Jahrbuch des Maikampfes zufolge nicht mehr als dreißig Jahre zählte, und unterhalb der Augen glomm ihm eine Röte, die nicht auf Wohlsein deutete. Er antwortete auf Klaus Heinrichs Glückwunsch: »Königliche Hoheit sind sehr gütig. Es war ja kein schwerer Sieg. Es war vielleicht nicht taktvoll von mir, mich an dieser Konkurrenz zu beteiligen.«

Das verstand Klaus Heinrich nicht; aber er sagte: »Ich habe Ihr Gedicht wiederholt mit großem Genuß gelesen. Es scheint mir überaus gelungen, sowohl was das Versmaß als auch was die Reime betrifft. Und dann bringt es die Lebenslust vorzüglich zum Ausdruck.«

Herr Martini verbeugte sich im Sitzen.

»Ihre Fertigkeit«, fuhr Klaus Heinrich fort, »muß Ihnen großes Vergnügen gewähren – die schönste Erholung … Welches ist Ihr Beruf, Herr Martini?«

Herr Martini deutete an, daß er nicht verstehe, beschrieb gleichsam mit dem Oberkörper ein Fragezeichen.