»Was mag das gewesen sein?« fragte Klaus Heinrich.

»Ich kann es Ihnen nicht mit Bestimmtheit sagen, Prinz. Aber nach allem, was die Gräfin darüber verlauten läßt, war es ein Ärgernis der äußersten Art – wir kamen ja schon überein, daß es überhaupt keine Grenzen gibt in dieser Richtung.«

»Und da ging er nach Amerika?«

»Erraten, Prinz. Ich kann nicht umhin, Ihren Scharfsinn zu bewundern.«

»Ach, Fräulein Imma, erzählen Sie weiter! Ich habe nie so etwas gehört wie die Geschichte der Gräfin …«

»Das hatte ich auch nicht; und darum können Sie sich denken, welchen Eindruck sie auf mich machte, als sie zu uns kam. Graf Löwenjoul also, dem die Polizei auf den Fersen war, ward flüchtig nach Amerika, unter Hinterlassung bedeutender Schulden natürlich. Und die Gräfin begleitete ihn.«

»Sie ging mit ihm? Warum?«

»Weil sie ihm immer noch anhing, trotz allem – sie tut es heute noch –, und weil sie auf alle Fälle an seinem Leben teilhaben wollte. Er aber nahm sie wohl mit, weil er eher auf Unterstützung von seiten ihrer Verwandten zu rechnen hatte, solange sie bei ihm war. Die Verwandten schickten ihnen denn auch einmal noch eine Summe Geldes über den Ozean, aber dann nie mehr – sie zogen endgültig die Hand von ihnen; und als Graf Löwenjoul sah, daß seine Frau ihm nichts mehr nütze war, da verließ er sie dennoch – ließ sie vollständig allein im Elend zurück und machte sich fort.«

»Ich wußte es,« sagte Klaus Heinrich, »ich habe es mir gedacht. So geht es zu.« Imma Spoelmann aber fuhr fort: »Da saß sie denn nun, von allen Mitteln entblößt und ohne Hilfe, und da sie nicht gelernt hatte, sich ihren Unterhalt zu verdienen, so war sie ohne Erbarmen der Not und dem Hunger überantwortet. Nun soll aber das Leben dort drüben noch um vieles härter und schnöder sein als hier bei Ihnen, und andererseits ist in Betracht zu ziehen, wie zart und verletzlich sie immer gewesen und wie schonungslos ihr viele Jahre hindurch mitgespielt worden war. Kurzum, sie war den Eindrücken, die sie fortwährend vom Leben empfing, in keiner Weise gewachsen. Und da geschah die Wohltat an ihr.«

»Ja! Welche Wohltat? Sie hat auch zu mir davon gesprochen. Was war es mit der Wohltat, Fräulein Imma?«