Den 1. Weinmonat.

Schöne Witterung fuhr fort. Morgens schon erspähete ich einen Gebirgsstreifen von Kandien, welcher über Wolken oder Nebel emporragte. Bescheiden trat die winzige Insel Gozzo auf. Wir wurden bisweilen von Schwalben besucht.

Den 2.

Windstille. Heerrauch, so daß man nicht immer Kreta (Kandien) erblickte. Das Farbenspiel beim Untergange der Sonne gewährte ein herrliches Schauspiel. Westwärts bis zum Schiffe schien das Meer in flüssiges Gold verwandelt. Der Spiegel war glatt, außer den sanften langsamen Wallungen. Das Wasser zeigte sich so liebsam, als lüde es ein, mit ihm den Abschied der Sonne zu verherrlichen. Doch unter dieser gefälligen Schminke grausiger Abgrund. Die Sonne selbst, wie glühendes Erz, goß eine helle, lodernde Säule in das Meer — uns zu. Als die Spanier nach Amerikas Schätzen dürsteten, konnten sie das Gold nicht schöner, nicht reizender sich vorstellen, als es mir vor Augen schwebte.

Den 3.

Windstille. Mittags erhob sich ein leiser Wind, und die Focklee-, so wie die Vormarsleesegel rechterseits bekamen Pausbacken. Indeß stand die Kandia immer noch nahe, und Abends zeigte sich der weitherumschauende Idaberg in seiner ganzen Pracht.

Sonntags den 4. Weinmonat.

Ein wenig Wind. Das schönste Wetter, so warm und so heiter, als in unsern Heumonaten. Der Gedanke erfüllte mich sehr oft mit Freude, daß ich die sommerlichste Witterung genieße, während es zu gleicher Zeit bei uns kalte Morgen und Abende, unfreundlichen Regen und Nebel gebe. Das Land war entschwunden aus dem Gesichtskreise.

Den 5.