Wir langten in Bulâk eben in der größten Sonnenhitze an, und wir konnten zwischen der großen Menge von Kähnen uns nur mit Mühe Platz verschaffen, auf daß wir das Ufer erreichten. In Atfue zerschmetterten wir beim Anlanden den Hintertheil einer Barke, ohne daß es viel Krieg absetzte.

Unsere Barke war nicht schön, doch gut. Der europäische Holzarbeiter würde an ihr Manches ausgesetzt haben. Dafür leistete sie reichlichen Ersatz mit Mäusen und andern Plaggeistern. Ich wußte mehr als einmal beinahe nicht: Wo wehren? In der Kajüte stand, nach der Uebersetzung des französischen Dragoman, an der Wand auf arabisch, daß man sich den Verordnungen zu unterziehen habe. Etwa den Verordnungen dieser Unholden? Ueber unserer Barke schwebte die dreifarbige Flagge der Franzosen.

Nachdem meine Effekten untersucht waren, wurden sie auf einen Esel gepackt, und einen andern bestieg ich. An hohen Häusern, zwischen denen angenehme Kühlung herrschte, ritt ich vorüber, und bald war ich außerhalb der Stadt. Jetzt, im Freien, erblickte ich das große Kairo, ehedem das Kahira, jetzt das Maser des Arabers. Ergreifendes Schauspiel. Keine halbe Stunde mehr, und ich befand mich in den Ringmauern der Hauptstadt. Da verließen mich die beiden Franken, und, mit einem Eseltreiber allein, zog ich fürbas. Kairo machte gleich Anfangs einen ungemein günstigen Eindruck auf mich. In dem Wirrwarre von Häusern und Gassen folgte ich getrost der Führung des Eseltreibers. Er hätte mich in eine Casa di Diavolo verführen können. Ich wollte freilich nicht dahin, sondern ins Quartier der Franken (el-Musky), die übrigens in Kairo vielmehr zwischen den Mohammetanern zerstreut leben, als in Alexandrien. Lange ritt ich durch Gassen und Gassen, jetzt krumm herum, dann gerade dahin, ohne daß ich einem Abendländer begegnete. Ich war auf dem Punkte, Zweifel zu fassen, daß mein Geleitsmann das Quartier der Franken wisse. Auf einmal bog er um, und ich erblickte Hüte. Ich war richtig im Quartiere; umsonst aber suchte ich die Lokanda, die man mir empfahl. Und kurzen Prozeß, — ich ritt zum ersten besten Wirthshause.

Der Wirth des Hôtel de l’Europe wies mir ein gefälliges und hohes Zimmer an; aber kaum sah ich mich recht um, so fand ich ein Licht ohne Glasfenster. Das fiel mir schwer; denn bei offenem Fenster wollte ich nicht schlafen. Dem Uebel war auch bald geholfen; der Gastgeber eröffnete mir ein anderes Zimmer, welches mit Thüre und Fenster gesperrt werden konnte. Die heimatlichen Gefühle erneuerten sich, als wäre ich in einem Gasthause des Abendlandes; eine Mousquetiere (Vorhang um das Bette, gegen die Stechfliegen) und eine gute, reine Bettung ließen mit Recht eine süße Schlafnacht erwarten. Man lernt den ruhigen Genuß des Schlafes erst recht schätzen, wenn man desselben, sei es durch die Plage des Ungeziefers, oder durch andere störende Einflüsse, eine Zeitlang beraubt war.

Kairo.

Lage der Stadt, Strich des Himmels und Gesundheitszustand der Menschen.

Kairo oder Großkairo liegt fünfzig deutsche Meilen südlich von Alexandrien, unweit vom rechten Ufer des Nilstroms und auf einer Ebene bis an den Hügel Mokatam.

In hohem Grade beneidenswerth sind die Europäer in Alexandrien und Kairo. Die Alexandriner rühmen das Klima von Alexandrien und tadeln dasjenige von Kairo. Die Kairaner dagegen erheben den Himmel von Kairo auf Kosten desjenigen von Alexandrien. Es ist mit besonderer Güte dafür gesorgt, daß die Einen mit dem zufrieden sind, womit die Andern unzufrieden wären.

Kairo streift an den 30. Grad nördlicher Breite. Wenn die Sonne am höchsten steht, brennt sie sehr heftig. Indessen wird die Hitze eines Windes aus der Wüste, von den Pyramiden her, weit weniger leicht ertragen, als die größte Hitze des Sommers. Diesen Wind nennt der Araber Chamsîn, das heißt, Fünfzig; denn er weht fünfzig Tage und fünfzig Nächte, aber einige Tage und Nächte mit ausnehmender Stärke und Verderben. Er hebt Mitte Aprils an, und treibt viel Staub vor sich hin, so daß vor demselben, auch mit möglichster Sorgfalt, die zubereitete Nahrung auf dem Tische des wohl verschlossenen Zimmers nicht leicht geschützt wird. Im Winter fällt der Regen, doch in der Regel sehr wenig. Gewölke sah ich auch hier zur Genüge, und ich zählte keinen einzigen wolkenlosen Tag. Man will ebenfalls in dieser Gegend von Egypten eine Veränderung des Klimas zu Gunsten des Wasserniederschlages wahrgenommen haben.