Man liest in den Schriften, daß von Seite der Bader, außer dem Kneten der Glieder, auch eine Art Aus- und Einrenken geschehe. Ich ließ diese Manipulation an mir nicht vornehmen, noch sah ich sie an Andern.
Das komplizirte Bad ist so außerordentlich wohlfeil, daß es auch der ärmere Araber benutzen, und dadurch dem Gesetze Mohammets nachleben kann.
Man darf die Badeanstalt des Morgenlandes nicht verlassen, ohne zu bedauern, wie sehr die Hautkultur im Abendlande vernachlässigt wird.
Wie die Egypzier im sechszehnten Jahrhunderte die Bäder gebrauchten.
Ich wähle einen treuen Beobachter, den Doktor Prosper Alpinus, als Führer in die Hallen der Vorzeit. Darf denn der Reisende nicht auch bisweilen einen Schritt in dieselben wagen?
Wie die Nordländer, so überliefert Prosper Alpinus, Vieles zum Wärmen, so haben die Egypzier Vieles zum Kühlen, als: die vielen Brunnen in den Wohnungen, insbesondere aber die Süßwasserbäder, diese jedoch auch zu Verschönerung des Körpers. Zu den Bädern nimmt man einfaches, geläutertes Nilwasser, ohne Beimengung von Medikamenten. Die Badeanstalten sind sehr zahlreich, geräumig und prachtvoll. Das Badehaus besteht aus mehrern von einander geschiedenen Gewölben, worin die Leute schwitzen, gerieben und gewaschen (gebadet) werden. Ungefähr im Mittelpunkte der Badeanstalt steht das An- und Entkleidegemach.
In den verschiedenen Badegewölben herrscht ungleiche Temperatur, nach den Bedürfnissen der Badenden. Die Böden sind mit Marmor zierlich ausgelegt, und jeder abgeschlossene Raum hat zwei marmorne Becken, in welche das Wasser herabfällt. An dem gewölbten Dache sind die Glasscheiben gleichsam eine Zierde, und fügen sich so genau, daß von Außen keine Luft eindringen kann. Die Badegewölbe empfangen ihre Wärme vom Dampfe des in die Marmorbecken fallenden heißen Wassers. Wer da will, kann jederzeit zwischen heißen, lauwarmen und kalten Bädern wählen. Die mäßig warmen sind die gemeinsten.
Weil die Egypzier das ganze Jahr vom Staube umgeben sind, und beständig von Schweiß triefen, so werden sie der Träger vieler Unreinigkeiten, weßwegen sie übel riechen, und an Ungeziefer nichts weniger als Mangel leiden. Darum ist bei den Egypziern das Baden so gebräuchlich, zumal beim weiblichen Geschlechte, das sich mehr angelegen sein läßt, durch Beseitigung der Unreinigkeiten und durch Verscheuchung des übeln Geruches den Körper gefällig zu machen, auf daß es den Männern um so lieber sei. Die Frauenzimmer waschen sehr oft den Körper in den Bädern, und überziehen ihn mit wohlriechenden Salben, die vermöglichen mit solchen von Bisam, Ambra, Aloe. Beinahe unglaublich groß ist der Gebrauch von Salben zu Verbesserung des Geruches und zu Weckung sinnlicher Begierden. Wie aber die Italienerinnen und andere Abendländerinnen allen Fleiß auf den Haarputz und auf die Verschönerung des Gesichtes verwenden, so vernachlässigen die Egypzierinnen wenigstens erstern.
Viele Weibsleute trachten durch das Baden auch fetter zu werden. Je dickleibiger sie sind, desto lebhafter werden sie von den Männern begehrt. Man wird daher eine große Menge ungemein fetter Frauenzimmer antreffen. Es hielt sich in Kairo ein Weib auf, welches in der Kunst, fett zu machen, ihren Broterwerb suchte. Man legt es ordentlich darauf an, fett zu werden. Zu dem Ende baden die Frauenzimmer in lauem Süßwasser viele Tage hinter einander. Indeß sie lange im Bade verweilen, essen und trinken sie darin, und gebrauchen Lavements, die aus verschiedenen fetten Substanzen bereitet werden. Gleichzeitig nehmen sie viele innerliche Medikamente ein. Es steht durch eigene Erfahrung fest, daß mehrere Frauenzimmer durch ein solches Badeverfahren viele Tage hinter einander, in Verbindung mit reichlicher Ernährung durch den Mund, fett wurden. Unter den Speisen wählen die Kandidatinnen der Fettigkeit viel fette Brühen mit Bammia, Melochia und Kulkassia, gewöhnlich eine Suppe von fetten Hühnern, auf egyptisch Maluf. Jedwedes Frauenzimmer trinkt die ganze Suppe von einem Huhne, und verzehrt hernach dieses selbst. Viele dürftige Weiber nehmen das sogenannte Thaine, oder das Oel von indischen Nüssen, oder den Absud von Chinawurzeln, oder den Sesamölkuchen, welcher mit dem Fleische fetter Hühner und mit der indischen Nuß zugleich gekocht wird u. dgl. Allein vor Allem preist man den täglichen Genuß zehn gerösteter, gemeiner Zwiebeln vor Schlafengehen, und zwar etwa fünfzehn bis zwanzig Tage hinter einander. Bei dieser Kur verspüren die Frauenzimmer nicht die mindeste Beschwerde.
In Egypten verläßt Niemand das Bad, ohne gerieben zu werden. Die Reibknechte lassen die Person, welche zuerst beinahe eine Stunde im Bade ausgehalten, und absichtlich gebrochen oder wenigstens geschwitzt hat, auf einen Stuhl sitzen, sie kneten und behandeln alle Körpertheile des Dasitzenden auf verschiedene Weise. Sie fangen bei den Füßen an, und bewegen sie vorwärts, rückwärts und seitwärts, bald dann die Unter- und Oberschenkel nach allen Richtungen; sodann die Hände, jeden Finger besonders, darauf die Arme, die Schulter und ihre Blätter, hernach den Hals, den Kopf, die Brust und den Rücken nach allen Seiten. Es geschehen diese Bewegungen drei- bis viermal.