Jetzt geht der Badende behutsam davon, damit er nicht auf dem nassen und glatten Marmorboden niederglitsche. Durch einen engen, düstern, gewölbten Gang gelangt er in ein Zimmer: das Ent- und Ankleidezimmer in der kältern Jahreszeit, weil es gewärmt werden kann.
Er kommt durch eine Thüre in ein Gewölbe. Das Licht dringt mühsam und spärlich durch kleine, runde, mit Glas hermetisch verschlossene Oeffnungen von der Kuppel herab. In der Mitte ruht ein Wasserbecken. Aber er weilt dießmal hier nicht.
Durch den warmen Dampf links oder rechts einige Treppenstufen hinauf, er befindet sich in einem kleinen, noch düstrern Gewölbe, worin warmer Nebel ihn umschwebt. In der Mitte ein Wasserbecken, tief bis an das Kinn. Der Knappe entwindet ihm all’ das Badegewand bis an die Lendenschürze. Es ist das Wasser aber allzu heiß, und er taucht nicht unter. Andere scheuen indeß die Hitze minder, und man erblickt, spaßhaft genug, bloß noch ihre Köpfe. Er begnügt sich, neben dem Wasserbecken auf dem harten Marmorboden sich hinzustrecken und daraus auf seinen Körper fleißig Wasser zu schwenken. Ein Araber, nur mit einem Tuche an den Hüften umschürzt, legt ihn zurecht, und, mit einem wollenen Handschuhe versehen, reibt er seine Haut in geschäftigem Hin und Her, doch sanft und ohne wehe zu thun.
Hierauf in das letzte Gewölbe zurück. Hier seift ein Bursche den ganzen Körper ein, und der Badende tritt mit dem schaumigen, seifenweißen Leibe in ein kleines Nebengewölbe, wo zwei Röhren mit Hähnen über ein Becken sich krümmen. Aus der einen Röhre fließt warmes und aus der andern kaltes Wasser. Hier wird die Seife am Leibe abgespült, indem dieser den prallen Strahl der Röhre bricht, und zu guter Letze hilft die Hand dem schwemmenden Brunnen.
Zurück in das gleiche größere Gewölbe der Mitte. Hier hätte der Badende, statt die Stiege hinaufzugehen, in einem Becken an der Wand, wie in einer Badewanne, sitzen können, worein das Wasser mit der beliebigen Wärme geströmt wäre.
Schon ist der Badende ausgedämpft, ausgespült, ausgerieben, ausgewaschen, hoffentlich fix und fertig. Er tritt, allenthalben von trockenen Schürzen und Quehlen umfangen, aus der Dämmerung ans Licht, aus dem Qualm ans Trockene, aus dem heißen Mittag in den kalten Nord. Er besteigt die Ankleidebühne, beinahe vor Kälte schaudernd. Er lagert sich auf dem Polster. Ein Bursche deckt ihn zu. Sanft drückt dieser ihm die trocknenden Hüllen an den Körper. Er will den Badenden an der Fußsohle kitzeln. Dieser kann es nicht leiden, und weigert sich dessen. Er hat Zeit genug, seine Schaulust an Andern zu befriedigen, welche dort eben eintreffen, hier zum Ausgehen sich anschicken. Er ist frei vom Naß, und es fehlt nichts mehr, als daß er sich anziehe und dem Geldeinnehmer eine Kleinigkeit gebe.
Der Dampf in den Gewölben übte weder den beklemmenden Einfluß auf mich, wie auf andere Franken, aus, noch wirkte die kältere Atmosphäre im Ankleidezimmer mit ausnehmend erfrischender Kraft. Ich fühlte mich nach dem Bade allerdings leicht, und damit vertrieb ich eine leichte Unpäßlichkeit, welche ich dem Zurücktreten der Hautausdünstung in einem innern Theil zuschrieb.
Bei dem morgenländischen Bade müssen drei Dinge erwogen werden: der Dampf, das warme oder heiße Wasser und die Reibungen. Es sind dieß so wirksame Agenzien, daß die hohe medizinische Wirksamkeit selbst demjenigen, dem gründlichere Kenntnisse in der Arzneiwissenschaft abgehen, nicht begreiflich gemacht werden darf. Andrerseits will ich nicht verhehlen, daß der schnelle Uebergang aus dem heißen in ein kaltes Mittel, also der rasche, schnelle Wechsel der Temperatur, manchmal Schaden zufügt. Einen solchen Fall nahm auch ich wahr.
Der Apparat des Bades scheint ursprünglich nur die Reinigung des Leibes zum Ziele sich gesetzt zu haben, mithin mehr der Hygieia, als der Heilkunde anzugehören. Diesen Zweck erreicht das Bad mit Leichtigkeit. Nach dem Bade erscheint viel geschmeidiger auch die Haut, von welcher die Unreinigkeiten sich ordentlich abschuppen, so völlig rein wird sie.
Der Dampf wird nicht förmlich bereitet. Er steigt von den heißen Wassern auf, und man wendet bloß Sorgfalt an, ihm jeden Ausweg abzusperren. Es liegt am Tage, daß darunter die Reinheit der Luft leidet. Ich soll übrigens bekennen, daß kein besonders unangenehmer Geruch in den Gewölben mir aufstieß.