Was den psychischen Karakter des Arabers anbelangt, so ist er mohammetanisch finster, und haßt im Grunde seines Herzens den Andersgläubigen. Viele besitzen bemerkenswerthe Geistesfähigkeiten, doch keine ausgezeichnete, wofern man nicht zur Annahme berechtigt ist, daß ein großer Schatz schlummert. Ruhe und Faullenzen geht nicht bloß dem Alexandrinischen- und Deltaaraber, sondern auch andern über Alles. Damit er nicht die Mühe zu denken sich geben müsse, leiert er gedankenlos nach, was seit Jahrhunderten wahrscheinlich schon gesungen war. Er lebt blind in den Tag hinein; blindlings nimmt er Weiber und zeugt Kinder. Wenn ihm die Kunst, durch Ersparnisse eine, wo möglich, sichere Zukunft zu begründen, abgeht, so dürfte man freilich auch anfragen: Wird in einem Lande, wo das Eigenthum vor der Regierung nicht sicher steht, zur Sparsamkeit aufgemuntert? Vielleicht beschleicht den Araber dann und wann der Gedanke, daß er am Ende doch nicht mehr, als Hungers sterben könne. In ihm wohnt eine wahre Diebesseele, aber eine feige. Große Diebstähle begeht er nicht leicht, allein keineswegs aus Gewissensbissen, sondern aus Feigheit oder Trägheit. Am liebsten stiehlt er Eßwaaren; denn, ein Kind des Augenblickes, weiß er, daß dieselben ihm ohne ein Weiteres nützen. Um Anderes als Eßwaaren zu entwenden, wäre schon mehr Ueberlegung erforderlich, z. B. wie man sie an den Mann bringen könnte, um dafür Nahrung zu bekommen. Immerhin schaut man jeden Araber für einen Dieb an, und wenn der Fremde nicht bestohlen werden will, so muß er in Beziehung auf denselben stets auf der Hut sein. Ein ernstes, muthiges, karakterfestes Benehmen hält ihn leicht im Zaum. Im Uebrigen ist er von Natur fröhlich und aufgeräumt; diese Fröhlichkeit und Aufgeräumtheit streift aber mehr an Leichtsinn, selbst an feile, für den Zuschauer ekele Ausgelassenheit.

Ich beobachtete den Beduinen, diesen unsteten Sohn der Wüste, zu wenig ungestört, als daß ich mir erlaube, von ihm ein Karaktergemälde zu entwerfen. Er schreitet oder reitet stolz einher, selten ohne Feuergewehr, Säbel oder Pistolen.

Das Land, wo ein Josef, Moses und Aaron gelebt hatten, zählt immer noch Kinder Israels, aber nicht mehr in jenem Hause der Knechtschaft. Der Mangel an Bekanntschaft mit den Juden Kairo’s nöthigt mich, den Faden eher abzureißen, als mir lieb ist.

Und die Franken in Kairo will ich hie und da, mehr oder minder leise berühren. Bloß mag ich es hier nicht thun; denn da sie überall ihre Besonderheiten, ihr Frankenquartier wollen oder haben, so ist billig, daß ich ihnen auch in diesen Blättern ein Frankenquartier anweise. Einzig die levantischen Christen, welche ich wegen ihres Anzuges zuerst immer für Türken hielt, so wie die Griechen, darf ich, ohne eine große Lücke fühlbar zu machen, mit Stillschweigen übergehen.

Tracht.

Bei der Tracht der Araber muß diejenige des Mannes von derjenigen des Weibes unterschieden werden.

Der gemeine Araber geht beinahe immer barfuß. Der aufs einfachste gekleidete hat im Sommer und Winter ein grobes, weißes, gegürtetes Hemde an, und eine weiße oder rothe Mütze auf. Andere tragen dieses Hemde und darüber einen grauen, blauen, schwarzen oder weiß und schwarz gestreiften Rock mit weiten Aermeln (Abba). Zu einer zusammengesetztern Kleidung gehören weite Hosen, welche, unmittelbar auf dem Leibe getragen, um den Lenden und unter dem Knie zusammengebunden werden. Diese zusammengesetzte Kleidung ist jedoch nicht echt egyptisch-arabisch. Ueber den Röcken auf dem Rücken trägt der Araber wohl auch ein Thierfell, dessen Pelzseite nach innen gewendet wird. Außer einem Rocke mit weiten Aermeln, hüllt der Araber sich in einen Mantel der nicht umschließt, und der oft über beide, meist aber über die eine oder andere Schulter geworfen wird. Mit diesem Mantel bekommen die Männer ein alttestamentisches Aussehen, und stattlich ging derselbe schon unserm Steuermanne. Die Franken in ihren engen Kleidern erscheinen gegen so gekleidete Araber als närrische Fratzen. Mich belustigte oftmals, wie der Araber den Mantel in so verschiedenen Gestalten umhängen konnte. So wenig ich darin etwas Spaßhaftes oder Spotthaftes fand, so konnte ich mich dennoch der Vergleichung mit dem geschmeidig die Gestalt wechselnden Hute eines Harlekins nicht erwehren. Dieser Mantel oder Ueberrock leistet den Arabern die besten Dienste. Brennt die Sonne, so legen sie sich nieder, und beschatten damit ihr Angesicht; vor dem Regen schützt er nicht minder wohlthätig, und Nachts sinkt das müde Haupt auf dieses unentbehrliche Gewand. Die Kopfbedeckung hält sehr warm. Wer nur die Kosten zu bestreiten vermag, tragt unmittelbar über dem Kopfe eine weiße Mütze, welche sich zum Waschen eignet. Diese wird von einer rothen mit einer blauen Troddel (Fẻs) bedeckt, welche der Turban, eine Auszeichnung des Orientalen, umfängt. Den kleinen Finger schmückt der Araber mit einem Ringe, z. B. von Silber.

Die einfachste Kleidung der Weiber ist ein blaues weites Hemde mit einem Schlitze über der Brust, so daß diese selten vor den Blicken sich verbirgt; dazu noch ein Kopf- und Gesichtstuch. Die zusammengesetztere Kleidung erfordert Hosen, die, um die bloßen Lenden geschürzt, in der Mitte geschlitzt, dabei weit sind und um den Knöcheln enden, wo sie fest gebunden werden. Das Kopftuch ist viereckig und eine Art Schleier. Damit wird der ganze Kopf bis zu den Augenbraunen verhüllt, ohne daß es den übrigen Theil des Gesichtes berührt. Dafür fällt es in zierlichen Falten über Schultern und Rücken, beinahe bis zu den Fersen herunter. Dieser Kopfschleier ist nicht immer blau, am Rande oft buntfarbig gestreift und mit Fransen besetzt. Ein anderes Kleidungsstück, vielleicht das überflüssigste von allen — — das Gesichtstuch oder der Gesichtsschleier. Diesen stellt ein einige Zoll oder die Breite des Gesichts haltender schwarzer Lappen vor, welcher nichts als die Augen frei läßt, abwärts aber das ganze Gesicht verhüllt, ja manchmal, schmäler werdend, bis zu den Füßen reicht. Was der offene Brustschlitz des Hemdes unbedeckt läßt, wird bisweilen mehr oder minder kümmerlich von diesem Gesichtstuche verschleiert. Es wird durch zwei Bänder befestigt: durch eines, welches in der Quere um den Kopf herumläuft, und durch ein anderes, welches zwischen den Augen gerade zum Kopfschleier hinaufsteigt. Das letztere Band wird oft auch durch eine Kette oder Spange vertreten. Hier schlägt eigentlich der Putz seinen Hauptsitz auf. Goldstücke, eines unter dem andern, sind in gerader Linie mitten auf das Gesichtstuch genäht. Diese Goldstücke, oft christliche Münze, Dukaten z. B., besetzen meist die ganze Länge der Gesichtskleidung. Die Araberin lockt die Aufmerksamkeit des Mannes auf das Gold über dem Gesichtstuche, als wollte sie damit andeuten, daß unter demselben noch mehr Gold glänze. Die Mehrzahl der Weiber trägt keine Schuhe. Mit Ringen schmücken die Araberinnen Finger und Ohren. Auch sah ich zwei Weiber mit einem großen Ringe am rechten Nasenflügel. Es ist ein seltsam Sprichwort: Circulus aureus in naribus ejus mulier pulchra.

Die Jüdinnen tragen sich ganz levantisch. Ich konnte sie von den Türkinnen nicht erkennen. Die Franken sind am launigsten. Viele richten sich nach der Tracht der Morgenländer; Andere halten steif an dem Europäer, wieder Andern beliebt ein profosmäßiges Durcheinander. Wenige lassen den Bart ganz wachsen, wie hauptsächlich die Trümmer des Saint-Simonismus. Klage man noch nicht über die Flatterhaftigkeit des Franken in seiner Kleidungsart. Die Tracht ist ein Spiegel der Seele. Jeden Weg, welcher in diese führt, muß der Beobachter willkommen heißen. Wenn wir gerecht sein wollen, müssen wir im Allgemeinen die Flatterhaftigkeit des Frankengeistes anklagen, der als ein wahrer Proteus erscheint. — Die Griechen verläugnen sich ungleich weniger, als die Franken.