Speisen und Getränke.

Das Brot macht eine Hauptspeise auch der Araber aus. In Alexandrien findet man recht schön weißes und schmackhaftes (gesäuertes) Brot (pane Francese), welches aber vom Araber bloß als Leckerbissen genossen wird. Sein gewöhnliches Brot ist von schlechter Beschaffenheit. Er nimmt zermahlene Gerste oder anderes Mehl, knetet bloß mit Wasser einen Teig in einem großen, dicken Napfe, und bäckt denselben, in Form eines großen, flachen Kuchens, in der heißen Asche. Dieser Kuchen wird für eine Mahlzeit gebacken und meistens warm genossen. Er ist nicht unschmackhaft, doch etwas schwer verdaulich. Besser, als dieses grobe Hausmannsbrot, aber minder fein und weiß als das pane Francese, ist jenes egyptische Brot, welches arabische Weiber, z. B. in Alexandrien, mittelst einer breiten Unterlage auf dem Kopfe in den Gassen herumtragen, und unter Anpreisungen: „Kauf Brot, es ist schön und gut“, feil bieten.

Die eigentliche Hauptnahrung der dürftigern Klasse sind Datteln, Feldbohnen (Fûl) und Mais, letzterer als Sange, indem er ohne Weiteres, wo es angeht, in dem Ofen gesengt (geröstet) und dann abgespeist wird. Als eine häufige Nahrung dienen auch Zwiebeln und Rüben oder Rettiche. Beide werden frisch genossen. Alpinus nennt vor allen Speisen saure Milch und das gekochte Zuckerrohr.

Wenn man delikater essen will, so greift man nach Gallerte (Sulze), viereckigen oder runden, fetten Kuchen, auch nach kleinen Stücken fetten Fleisches, die, mit Petersilie durchwürzt, über dem Feuer geröstet werden u. dgl. Hühner werden viel gegessen[17]. Die Würste sind von schlechtem Geschmacke, die Zuckerbrote dagegen vortrefflich. Von Pillau (in kochendem Wasser erweichter und dann mit Butter gewürzter Reis) hörte ich, wo nicht selten, doch nicht häufig. Der inländische Reis enthält zugleich viel beigemischtes Salz, entweder des Gewichtes, oder der bessern Erhaltung willen. Man muß ihn daher, vor dem Kochen, fleißig schwemmen, und wäscht man das ausgeschwemmte Salz, so nimmt dieses eine sehr schöne weiße Farbe an, und eignet sich vortrefflich zum Gebrauche. Das käufliche Salz ist von schmutzig gelber Farbe und unrein. Die Milch ist gut; die Abendländer aber behaupten, daß sie zu fett für sie sei. Häufig wird Milch genossen, nachdem sie künstlich gesäuert, und zum Schlottern gebracht worden. Die Butter schmeckt gut; man darf nur das Salz auswaschen, ehe man sie genießt. Wie bei uns der Maibutter, so wird in Egypten der Christmonat- oder Jennerbutter der Vorzug eingeräumt. Der Käse mürbe, schmackhaft, aber übersalzen.

Der Araber ißt im Ganzen wenig und frugal, sagten die Alten, und diese Frugalität hat sich bis auf heute erhalten. Das Rauchen bleibt immer seine Hauptsache. Gebietet er über die volle Pfeife, so gibt er sich zufrieden, wenn er vor dem Einschlafen nur wenige Rettiche zu zerbeißen hat. Die meisten Speisen werden kalt genossen, ohne Löffel und Gabel. Die gelenkigen Finger müssen diese ungelenken Werkzeuge vertreten. Man darf die Einfachheit tadeln; aber man muß dann zugleich die vielfältigen Bedürfnisse und ihre strenge Herrschaft loben. Wenn irgend eine Regel sich aufstellen ließe, so speist der Araber bei Sonnenaufgang, bei Sonnenhöhe und nach Sonnenuntergang.

Unter den Getränken steht das schlammige Nilwasser oben an. Es wird aus dem Nile geschöpft, und in Menge getrunken, ohne vorher gereinigt zu werden. Es war zur Zeit meines Aufenthaltes, nämlich zur Ueberschwemmungszeit, im Glase gelblichweiß. Filtrirt man es, was bei den Großen geschieht, so wird es lauter und farblos. Es gibt in vielen Häusern Krüge (Bardâka), welche, von einer besondern Erde gebildet, die Eigenthümlichkeit besitzen, daß sie das Wasser langsam durchsickern lassen. Dadurch wird es kühl und angenehm. Das Nilwasser wird aus dem Flusse auf dem Rücken der Kameele in die zahlreichen Zisternen Kairo’s geschafft, und aus diesen können es die Einwohner unentgeltlich holen[18].

Man wähne übrigens nicht, daß die Araber sich des berauschenden Getränkes gänzlich enthalten. Ein solches heißt Bỏsa oder Busa, eine Art Bier, das aus Getreide gegohren wird. Es ist von Farbe weißgrau und schäumt wie Bier, wenn man es rasch rüttelt. Mit dem Bỏsa berauschen sich Viele. Salomo Schweigger sagt vom „Bỏsa“, daß es ein gedörrtes, mit Wasser angerührtes Griesmehl sei, und von Türken, wie Egypziern getrunken werde. Nach Prosper Alpinus ward „Bỏsa“ aus Lülchmehl (farina loliacea), aus Hanfsamen und Wasser zu einem Getränke oder zu einem Teige bereitet, und es soll in einem gleichen oder noch höhern Grade als Hanfkraut (Assis) einen Zustand der Berauschung, der Entzückung und süßer Träumereien herbeiführen. Zum feierlichen Konstantinopler-Umzuge vom Jahre 1582 gehören die Bosatschi, so einen graulichen Trank von Brei wie ein Bier machen; den Laden zogen zwei Ochsen, worin ein Knabe den Brei oder Hirsen rieb, der andere das Bỏsa oder den Trank bereitete. Gleichermaßen wird nach Tavernier das „Bỏsa“ mit Hirsen zubereitet und macht, sagt er, einen Rausch wie der Wein. Allein nach Burckhardt ist Durra der Lieferungsstoff zum Busa.

Wein oder Branntewein trinkt der gemeine Araber nicht oder selten, wohl aber der vornehmere Mohammetaner, am liebsten geheim. Ich sah einen solchen in einer fränkischen Wirthschaft, in welcher beinahe nur Franken einkehren, so gewandt den Spiritus trinken, daß ich mich bewogen fand, mich über den Mann zu erkundigen, und ich vernahm, daß er regelmäßig zuspreche. Es verdient Erwähnung, daß mir auf der Fahrt von Alexandrien nach Kairo nichts gestohlen wurde, als eine halbe Flasche Rhum, mein ganzer Rest. Ich sah zwar während derselben keinen Barkenknecht nach dem geistigen Getränke langen, oder sich damit berauschen, welche Enthaltsamkeit den Europäer angenehm überraschte; selbst als man mir einen kranken Barkenknecht vorstellte, und ich ihn Rhum trinken hieß, so geberdete er sich ziemlich unwillig, und schluckte möglichst in Duodez. Indessen konnte die Lüsternheit im Verborgenen nicht gefehlt haben. Ueberall wird der Damm, welcher der Trunkenheit wehren sollte, eingerissen. Sollte man es nicht dem Schöpfer klagen, daß er den Menschen Vernunft gab, weil sie, nur vermöge dieser himmlischen Gabe, so viel Mittel erdenken können, um dieselbe in ihrer Thätigkeit zu verirren oder zu hemmen?