Von einem echt morgenländischen, und wenn auch nicht unter den Fellah, doch unter der wohlhabendern Klasse sehr häufigen Getränke will ich so eben besonders reden.

Kaffeehäuser.

Es gibt sehr viel Kaffeehäuser. Ich besuchte dasjenige, welches nach fränkischer Weise eingerichtet war. Im Vorübergehen konnte ich wohl die egyptischen sehen. Sie liefern aber, ihrer Einfachheit willen, wenig Stoff zum Beschreiben. Sähe man nicht einen Kochofen und die rauchende Kaffeeschale, so würde man das Kaffeehaus verkennen; man müßte vielmehr glauben, daß die Leute nur deßwegen den einsamen Diwan belagern, um Tabak zu rauchen. Allerdings ist in einem Kaffeehause das Tabakrauchen nicht das Geringste, und der Egypzier läßt sich nicht minder gern mit Pfeife und Tabak bedienen, als mit Kaffee. Die Morgenländer genießen den Kaffee ohne Milch und ohne Zucker. Die Franken heißen einen solchen Kaffee türkischen (alla Turca).

Der Genuß des Kaffees ist in einem großen Theile der Welt gleichsam zum Bedürfnisse geworden, und tausend Napoleone wären wahrscheinlich nicht im Stande, ihn vom Erdballe zu verbannen. Und doch haben unsere alten Vorväter vor nicht einmal anderthalb Jahrhunderten ohne den Kaffee gelebt.

Es macht ungemein viel Spaß, wenn man über den Kaffee, als ein den Abendländern unbekanntes Getränke, in den Beschreibungen derjenigen lieset, welche Egypten und Konstantinopel gegen Ende des sechszehnten und zu Anfange des siebenzehnten Jahrhunderts besucht haben.

Ich führe zuerst Salomo Schweigger, welcher im Jahr 1581 in Egypten war, redend ein: Ein anderes Trank wird Chaube genannt, welches man in den Tabernen ausschenkt, ist schwarzbraun von Farbe. Das gebrauchen Etliche des Morgens. Da versammeln sich viel Türken (des Egyptenlandes) vor der Taberna, lassen ihrer etliche in einer Kumpanei ihnen eine Schale oder ein irdenes Schüsselein voll nach dem andern hergeben. Das trinken sie nach einander fein höflich aus, so heiß, als sie es mögen erleiden. Gleichwie das deutsche gemeine Volk den Branntewein oder Wermuthsgeist des Morgens trinkt, also soll jenes auch den Magen zu erwärmen dienstlich sein.

Prosper Alpinus, welcher im nämlichen Jahre, gleich auf Schweigger, nach Egypten kam, gibt eine genaue Beschreibung von dem Absude (decoctum) Chaova. Sehr häufig im Gebrauche, sagt er, ist der Absud Chaova, welchen man aus gewissen schwarzen, den Bohnen ähnlichen Samen zu bereiten pflegt. Er wird übrigens auch aus den Samendecken bereitet, und im letzteren Falle zeigt er sich kräftiger. Die Bereitungsart ist folgende: Man nimmt anderthalb Pfund von den Hüllen befreite Samen, röstet diese ein wenig über dem Feuer und siedet sie in zwanzig Pfund Wasser, während Andere von den gerösteten und in kleine Stücke zerbröckelten Samen einen Aufguß machen und solche einen Tag lang am Wasser stehen lassen, diejenigen aber, welche die Samen ohne Aufguß behandeln, die Hälfte Wasser einkochen. Die durchgeseihte Abkochung dient in wohl verschlossenen irdenen Gefäßen zum Gebrauche. Werden die Samendecken abgekocht, so nimmt man davon sechs bis neun Unzen auf zwanzig Pfund Wasser, wovon die Hälfte eingekocht wird. Der Same heißt bon, und den Baum, welcher ihn trägt, sah ich in dem Garten eines türkischen Bei, wohin er aus Arabien verpflanzt war. Die Egypzier sind dem Chaova nicht minder leidenschaftlich ergeben, als die Franken in ihren Kneipen dem Weine.

In der „Hoffhaltung des Türckhischen Keysers,“ worin ein im Jahr 1582 zu Konstantinopel gehaltener feierlicher Umzug beschrieben wird, heißt es: „Die Caahuetschi, so einen schwarzen, warmen Trank verkaufen, welcher zu Verdauung der Speisen, Verhinderung des Schlafes und der Traurigkeit dienen soll, mit rothen und weißen Fahnen, darinnen etliche Buchstaben. Zwei und dreißig haben Verehrung getragen; der andern, Knaben, jungen Leute und Meister, sind in die zweihundert gewesen.“

Johann Jakob Ammann, welcher im Jahr 1612 in Konstantinopel weilte, läßt sich dahin vernehmen: „Auch haben die Türken noch andere Wirthshäuser, darinnen die Wirthe nichts Anders geben, als schwarz Wasser zu trinken, von ihnen Gahwe und von Arabern Lorbeeren genannt, welches mehrentheils von Gerste und andern Sachen gemacht wird. Sie kochen ganze Kessel voll, pflegen es den Gästen in kleinen irdenen oder porzellanenen Schüsseln siedheiß zu geben. Solches trinken die Türken, wie auch die Araber, so warm sie immer können, jederzeit ein Schlücklein auf einmal, bis es aus ist. Welches gar ein gemeiner Brauch bei ihnen, dieses Wasser zu trinken, bei Tage, wie auch Morgens und Abends. Etwa bei fünfzig mehr und minder sitzen da und dort beisammen; währet oft lang mit Trinken, Reden und Konversiren; wird aber Keiner von dem gedachten Wasser betrunken. Sie vermeinen, es trockne die Flüsse auf, und sei gar ein gesundes Wasser.“