Ich vergesse des Adam Wenner nicht, welcher im Jahr 1616 nach Konstantinopel gereiset ist. „Die Kafuannen,“ sagt er, „sind Häuser, in welchen schwarz Wasser gesotten und von Türken und Andern täglich warm getrunken wird, so dem Magen und sonst sehr dienlich. Sie sitzen gemeiniglich einen halben Tag dabei, spielen im Schach und Bret (darinnen sie trefflich erfahren), aber um kein aufgesetzt Geld, sondern wer für den Andern die Zeche zahlt. Eben an solchen Orten finden sich auch Personen, welche unterdessen von ihrer Kaiser und anderer Vorfahren Thaten, auch Historien öffentlich lesen, und hernach deßwegen von den umsitzenden Zuhörern etwas Geld bekommen.“
Wie mühsam mußte man ehemals thun, um sich den Abendländern verständlich zu machen, daß von Kaffee die Rede sei. Dieser Fremdling war damals ein selten Ding in der großen Schatzkammer der Gelehrten, und jetzt kennt ihn jedwedes Kind. Haben Rauwolf und Schweigger, Alpinus und Ammann, Wenner und Andere geahnt, daß das schwarze Wasser einst eine Weltherrschaft ausüben, und die besorglichen Aerzte des Abendlandes dasselbe beklagen werden? Die Götter allein entziffern die Zukunft.
Schneller Justizgang.
In Egypten wird gerichtet und sogleich vollzogen. Das hat wohl sein Gutes, aber auch sein Schlimmes. Durch den langsamen Gang der Justiz windet sich am Ende mancher Schuldige hinweg, und im kurzen Gange wird mancher Unschuldige erdrückt.
Ein Deutscher geht mit einer Flinte auf die Jagd. Auf dem Wege bleibt er in einer Nilbarke über Nacht. Er legt seine Flinte neben sich. Morgen ist sie nicht mehr. Er wendet sich an die Polizei; der Barkenführer (el-Reis) mit ihm. Der Polizeidirektor läßt auf den Vortrag des Franken, ohne weitere Umstände, dem Barkenführer hundert und zwanzig Hiebe auf die Fußsohlen messen, weil er nicht besser für das Eigenthum des Reisenden gesorgt habe, und es kaum möglich sei, daß ohne sein Einverständniß hätte etwas gestohlen werden können. Zugleich muß der Reis für den Schaden einstehen.
Das ist ein Beispiel von dem schnellen egyptischen Justizgange; der Fall ereignete sich eben während meines Aufenthaltes in Kairo.
Die Sache von geringem Belange richtet und exequirt der Franke selbst. Hochmüthig treibt er sich ordentlich in Kairo mit der Peitsche herum, und traktirt damit den Araber, sobald dieser ihm nicht den Weg räumt. Lebt in Egypten nicht noch die alte flotte Zeit der deutschen Studenten, welche eben so hoch über die obskuren Philister trabten? Andere Male regalirt der Franke mit Stockschlägen, mit Ohrfeigen oder Fußstreichen. Kaum wehrt sich der Araber dagegen; viel weniger würde er Gleiches mit Gleichem vergelten. Wie müssen die Leute gesunken sein, welche, der Zahl nach, die Herrscher des Landes sein könnten, und sich von Fremden, ich will nicht sagen, von Andersgläubigen, auf eine Weise mißhandeln lassen, wie man in Europa nicht überall die Thiere behandelt.
Der egyptische Tanz.
Man machte früher viel Aufhebens von den Bajaderen. Man bekommt sie heutzutage minder oft zu sehen. Gleichsam ein Spiel des Zufalles rief mich auf den Schauplatz des so seltsamen Tanzes.
Ein arabisches, züchtig gekleidetes Mädchen oder, wenn ich der Versicherung trauen darf, gar ein Soldatenweib stellte sich in die Mitte des Zimmers. Es wollte seinen Gesichtsschleier nicht lüften, denn ein häßlicher Mund versäuerte das sonst süßliche Gesicht. Nirgends zeigt man dasjenige gerne, was eine vortheilhafte Meinung trüben könnte. Die Hände stemmte die Tänzerin auf die Flanken des Leibes. Nun bestand der Tanz darin, daß das Mädchen die Hüften rasch in die mannigfachsten Bewegungen setzte, während der Körper, so viel als möglich, steif gehalten wurde. Dieß nahm ein ganz sonderbares Aussehen an, und ich mußte die eigenthümliche Art, das Becken zu bewegen, in der That bewundern. Der Schein meiner Bilder blieb weit hinter der Wirklichkeit zurück. Diese Bewegungen kosteten gewiß Mühe und Anstrengung[19], letztere augenscheinlich in dem Maße, daß den tiefbraunen Grund des Gesichtes ein dunkles Blau überflog. Mit den Füßen machte das Mädchen wenig Bewegungen, nicht einmal viel trippelte es, und nicht das Kreisende zeichnet den egyptischen Tanz aus. Die Bajaderen singen wohl auch; unsere ließ sich selten hören. Ein ältliches Weib pauckte mit ausgelassenen Geberden und schmetterndem Sange einen Tambour zum Tanze.