Um zehn Uhr sollte der Kapitän ankommen; allein die Vergnügungen auf dem Lande fesselten ihn über die Zeit. Mich überfiel Schläfrigkeit; ich begab mich zu Bette, nicht ohne einige Besorgniß, auf einem Lager, welches durch seine Weichheit sich nicht zum Besten empfahl, nur mit Mühe den Schlaf zu finden. Bald langte der Hauptmann mit meinem Reisegefährten an. Es dauerte nur noch kurze Zeit, und ich schlief.
Den 4. September.
Nach Mitternacht hörte ich lautes Getrampel. Die Matrosen waren beschäftigt, das Schiff in segelfertigen Stand zu stellen. Erst in der Frühe wurden die Segel dem Winde gegeben. Doch wir mußten zuerst laviren; denn einiger Proviant und das unter polizeilicher Aufsicht gelegene Schießpulver waren noch nicht eingetroffen.
Ein zureichender Grund bewegt mich, meinen Reisegefährten Cesare nicht bei seinem Familiennamen in den Kreis meiner Leser einzuführen. Aus einem großen Dorfe bei Mailand gebürtig, studirte er in Pavia, hielt sich als Apothekergehülfe in Venedig, und die letzten vierthalb Jahre in Triest auf. Er theilte mir, auf verdankenswerthe Weise, eine Reisebeschreibung, Viaggio in Siria e nella Terra Santa von Giovanni Failoni (Verona, 1833, Pietro Bisesti), mit. Ein anderer Passagier blieb zu nicht geringem Verdrusse des Schiffmäcklers aus, wiewohl er sein Jawort zur Abreise gegeben hatte. Er war ein Deutscher, dem Vermögen nach unabhängig, und nur Reiselust entzog ihn seinem Familienschooße. Wenige Tage vor meiner Abreise erhielt er aus Kairo Nachricht vom 31. Juli, daß dort die Cholera herrsche, und eines Mehrern bedurfte der bewegliche Mann nicht, um den Reiseplan vorläufig auf sich beruhen zu lassen. Mittlerweile lief noch denselben Tag, auf welchen unsere Abreise festgestellt war, ein Schiff von Alexandria ein, mit der günstigen Zeitung, daß der Gesundheitszustand in Egypten befriedigend sei. Von Hezels arabische Grammatik, aus der freigebigen Hand des zurückgebliebenen Deutschen, war wohl ein geringer Ersatz für eine Gesellschaft, auf die ich vergeblich mich so lebhaft freute.
Der Kapitän, ein starkbärtiger Mann, von gedrungenem Körperbau, noch nicht dreiundzwanzig Jahre alt, war nicht ohne Bildung. Er sprach etwas Französisch, benahm sich Anfangs zuvorkommend, und beantwortete willig die Fragen, welche dem Reisenden auf der Zunge liegen. Die ganze Bemannung des Schiffes machte keinen widrigern Eindruck, als die Floßknechte, mit denen man auf der Isar und Donau von München nach Wien reist.
Der erste Ort, der mir an der Küste auffiel, war das Kap von Istrien (Capo d’Istria). Ein langes Gebäude bezeichnet das Gefängniß. Dann Isola auf einer Landzunge; la Punta del Salvore. Die Nacht war herrlich; der Mond verbreitete sanft seinen himmlischen Glanz über das schweigende Meer. Triest war noch nicht verschwunden; man erblickte immer noch seinen Leuchtthurm.
Den 5. September.
Endlich sieht man nichts mehr von Triest. Die Luft regt sich ein wenig, und wir machen dabei einige Fortschritte. Das Schaukeln des Schiffes vermochte mir leichten Schwindel zu verursachen, der sich nach einem Trunk mit Rhum vermischten Wassers sogleich verminderte. Ich glaube, die sattelfestesten Legitimisten könnten auf dem Meere Schwindelköpfe werden. Mittags kehrte mein Taumel zurück, und ich fand für gut, mich während des Mittagessens mit der einen Hand am Tische zu halten. Uebrigens schmeckte mir die Suppe vortrefflich, und gleichzeitig erging sich mein Auge an den Mehlperlen, weßwegen sie Paternoster genannt wird; auch mußte ich über die Suppe lachen, daß sie, in allem Ernst, mir im Teller die Ebbe und Fluth des Meeres anschaulich machte. Unsern Cesare wollte der Schwindel ebenfalls übernehmen, er verließ den wohlbedeckten Tisch, und begab sich auf das Verdeck. Der Sirocco (Südostwind), der heute ziemlich stark blies, rieth uns, von der Küste sich mehr zu entfernen, so daß man den Küstensaum in Osten, als einen Spiegelrahmen, wohl wahrnehmen, aber keine Ortschaften unterscheiden konnte.