Um etwas dem Meistbietenden zu überlassen, sind in Europa erst lange Berathungen, Edikte, Zeitungen, Lizitazionskommissarien nöthig. Niemand versteht besser, auf krummem Wege das Ziel zu verfolgen, als der Abendländer.

Ein Araber ging in die Frankengasse, in der Hand ein Hausgeräthe, womit er die Schaulust möglichst reizte, und rief den Preis desselben mit lauter Stimme aus. Er hört aus einer Bude ein Gebot; er wiederholt es; aus einer andern Bude vernimmt er ein höheres Gebot; er wiederholt auch dieses. Hin- und herrennend, als hätten ihn die Bremsen angebohrt, wiederholt er die Gebote, bald in arabischer, bald in italienischer Sprache. Sobald die Gebote nicht höher steigen, und das höchste dem Versteigerer anständig ist, so überläßt derselbe den Gegenstand dem Meistbietenden. Hier befindet sich der Araber in der That auf dem rechten Flecke, wo es ihm denn trefflich zu Statten kommen mag, daß er so gerne lärmt und schreit.

Der Barbier.

Es ist ein kurios Ding um den Bart, daß er am Antlitze des Mannes zur Schererei entsprossen sein soll.

Die bessern Barbierstuben Kairos sind prächtig ausgestattet. An die Wände lehnen sich unbewegliche Reihen schnörkelhafter Sitze von hartem Holze, wie in einem Kirchenchore.

Da zwängt man Einem den Kopf über die Brust, um die Schwarte nackt zu scheren; dort wird die Lippe straff angestreckt, um die Mundwinkel auszuputzen, dort der Kopf rücklings umgebogen, über dem Adamsapfel einen Streifen wegzubarbieren. Wenn in einer Stube Mehrere barbiert werden, so machen die Köpfe so verschiedene Richtungen, als wären sie aufs allergutmüthigste illuminirt. In den Barbierstuben wird man nicht in hockender Stellung rasirt, wohl aber auf den Gassen. Der Barbier schneidet die Stoppeln völlig auf der Haut, schier wie ätzend, und er versteht in Summa seine Kunst meisterhaft. Leicht handhabt er das scharfe Messer, es bald auf- bald abwärts, bald seitwärts führend über fast alle Theile des Kopfes. Jeder mag sich im runden Spiegel, welcher, in einen schmucken Rahmen gefaßt, von dem Barbier mit Selbstzufriedenheit unfehlbar dargeboten wird, selbst überzeugen, ob ich in guten Treuen schilderte.

Der Lagerstellenmacher.

Die Lagerstellen der Egypzier haben etwas eigenthümliches, da sie gleich einem Käfiche zusammengestäbelt sind. Lagerstellenmacher, wie hier, dürften in Europa schwerlich gefunden werden. Die Noth schuf im Nilthale die Eigenthümlichkeit; es gebricht an größerm Holze, welches den Hobel zuläßt.

Der Lagerstellenmacher besitzt keine Bude; er begnügt sich, in dem Winkel einer Gasse oder sonst wo zu hocken. Ein Schneide- und ein Hohlmesser sind seine Werkzeuge. Mit ersterm schnitzelt er die Holzstäbchen etwas zurecht, und gibt ihnen die gehörige Länge; mit letzterm schlägt er Oeffnungen, dadurch die rundlichen Stäbchen zu ziehen.