Um an die syrische Küste zu gelangen, hätte ich zwar über Damiate zu Wasser reisen können; allein mehr denn ein Grund leitete mich durch die Wildniß: nicht nur lauteten die Nachrichten, daß zu Lande keine Kontumaz gehalten werde, sondern ich wollte auch die Süßigkeiten und Bitterkeiten einer Wüste selbst kosten. Lebenserfahrungen sind echte Reichthümer des Menschen.

Der polnische Offizier besorgte die Thiere. Er zog Dromedare vor, weil sie sanfter gehen, und die Hälfte Wegs mehr in einem Tage zurücklegen als die Kameele. Jeder von uns nahm ein Thier für sich, und eines bestimmten wir für den Geleitsmann. Die Gepäcke wurden mehr oder weniger gleichmäßig auf die Lastthiere vertheilt.

Am Tage meiner Abreise hatte ich keine geringe Noth. Ich sollte mich bereit halten, daß ich vor Sonnenaufgang aufbrechen könne. Schon des Morgens verfügte ich mich zum österreichischen Konsul, um den Reisepaß zu holen. Jetzt stellte sich eine Schwierigkeit entgegen. Ich sollte den städtischen Auslaßschein haben, und der Ausfertiger war abwesend; ich beschwerte den Konsul an diesem Tage mehrere Male. Er ließ sich die Sache sehr angelegen sein, und wie sich die Aussicht allenthalben trüben wollte, befahl er seinen Leuten, daß man auf die Ausfertigung dringen sollte, koste es, was es wolle. Schon lag die Nacht eine Stunde über Kairo, als ich eines Auslaßscheines noch entbehrte, indeß der Pole zur Abreise fest entschlossen war. Endlich langte der Dragoman sammt dem Janitscharen und einem Menschen in dem Hause, wo ich wohnte, an, um mir den Auslaßschein und die Erlaubnißkarte für den Eintritt in den Schubbragarten zu überreichen. Letztere traf freilich zu spät ein.

Sonntags den 8. Wintermonat.

Ich bin nicht im Klaren, ob der Pole oder der Besitzer der Dromedare mich in unnütze Geschäftigkeit jagte. Der Geleitsmann kam mit seinen hochbuckeligen Thieren erst etwa zwei Uhr nach Mittag. Die getäuschte Erwartung spannt auf die Folter.

Der Dromedar stand so schnell auf, daß ich mich zusammennehmen mußte, um nicht zu stürzen. Noch beschaute ich die Gassen Kairos, die Leute und — Esel unter meinen Füßen. Wir ritten aus einer Stadt in die andere, von einem Thore zum andern, bis wir, wenn ich mich so ausdrücken darf, das Ufer des Meeres von Häusern erreichten.

Kairo ist gleichsam ein Gemengsel von Städten. Außer den Umfangsthoren, womit nach Außen die Stadt gesperrt wird, besitzt jedes Quartier seine eigenen Thore, damit es geschlossen werden könne. Das Isoliren der Stadt in ihre Viertel haben die Despoten gar weise berechnet. Bricht in einem Quartiere eine Empörung aus, so werden die Thore desselben auf der Stelle gesperrt, und der Aufruhr beschränkt sich auf einen Theil der Bevölkerung und zwar so völlig, daß man in den übrigen Stadtvierteln die Vorfallenheiten manchmal erst später erfährt, mag auch im heißen Kampfe nicht wenig Blut geflossen sein.

Schon begann der Dromedar zu traben. Er schüttelte mich so kräftig, daß ich das Reiten nicht hätte aushalten können. Ich bestieg einen andern, und nun ging es recht gut. Das Reiten machte mir nur geringe Schwierigkeiten; es war mir bloß nicht am beßten zu Muthe, wenn der Dromedar aufstand oder sich niederließ.

Steht der Dromedar oder das Kameel auf, so stellen sie erst die Vorderbeine auf. Dabei neigt sich der Rücken von vorne nach hinten, und der Reiter bewegt seinen Körper vorwärts. Darauf stellen die Thiere sich auf die Hinterbeine und der Rücken des Dromedars oder Kameels bekommt die entgegengesetzte Neigung nach vornen, wobei der Reiter seinen Körper rückwärts bewegen soll. Lassen die Thiere sich nieder, so fallen sie zuerst auf die vordern, dann auf die hintern Knie, wobei der Reiter sich verhalten muß, wie wenn jene aufstehen. Eigentlich senkt sich der vordere und hintere Theil des Körpers abwechselnd unter zwei Malen. Nach und nach gewöhnt man sich auch an diese Bewegungen der Thiere recht leicht. Die eigene Art Gebrüll, welche sie dabei und beim Packen erheben, spricht den Fremden Anfangs unangenehm an, so daß er versucht werden könnte, zu wähnen, sie seien böse und bissig. In den Jahren der Kindheit hatte ich keine geringe Furcht vor dem Kameele mit seiner wunderlichen fremdartigen Figur, und wenn ich damals sah, wie ein Mensch sich erkühnte, solch’ einen Brüller zu besteigen, so erlangte mein Mitleiden für jenen den höchsten Grad. Die fremde buckelige Gestalt und das starke Gebrüll täuschen in gleichem Maße. Kameel und Dromedar gehören zu den zahmsten Hausthieren unter dem Monde.

Vor der Stadt sahen wir eben die Rekruten sich in den Waffen üben, unter wildem Pfeifen und Getrommel.