Beim Einbruche der Nacht kehrten wir in Chanka, dem ehemaligen großen Lagerplatze der egyptischen Armee, zu. Ich war müde und hungrig. Wir betraten die Hausschwelle eines polnischen Angestellten, und er segnete uns mit einem freudigen Empfange. Seine Frau, eine Koptin, war eben auf Besuch in Abusabel bei ihrer Schwester, einer Prosessorin. Er ging die Heirath unter der Bedingung ein, daß er treu sein wolle, so lange er sich in Egypten aufhalte. Ein Kind, welches ich sah, hatte weit mehr ein koptisches als ein polnisches Gepräge. Dieser Pole soll ein tüchtiger Gelehrter sein. Er sprach in der That sehr unterrichtet, z. B. über den Unterschied der koptischen Religion; allein, erst müde und hungrig, dann schläfrig, verlor ich fast alle Aufmerksamkeit. Der Geist mag sich noch so unabhängig dünken, er muß doch abwechselnd die Herrschaft dem Körper abtreten. Unser Gastfreund setzte Pillau vor, der mir vortrefflich schmeckte.

Zu Hause kann ein ganzes Jahr vergehen, bis ich hungere. Die Befriedigung des Hungers ist wirklich ein großer irdischer Genuß. Ich war, wie viele Andere, ein Stundenmann. Wenn die Glocke schlug, mußte, ohne viel Nachfrage nach der Eßlust, gegessen werden. Auf der Reise wird diese Rechenkunst zur Null, und der Verbrauch der Kräfte durch die Uebungen des Leibes weckt dem gesunden Menschen Appetit. Man sollte daheim sich zur Richtschnur nehmen, mehr aus Nothdurft, als aus Gewohnheit zu essen, und man würde eine Menge Genüsse sich bereiten, und manche Uebel verhüten. Es gehört zu andern Verkehrtheiten des Menschen, daß er die schlichte Wahrheit im Ganzen so wenig würdigt, und daß die blendende Lüge so bald und so leicht in sein Herz eindrückt.

Den 9.

Um zwei Uhr Morgens reiseten wir bei hellem Mondscheine ab. Gegen Morgen blitzte es dann und wann, was ich unter unserm Himmel bei heißer Witterung wahrnahm, ohne daß sie sich zum Donnern und Regen entschied.

Wir kamen durch schön bebaute Landschaften und kurz nach Sonnenaufgang zu dem Dorfe Bèlbeys, wo wir bei der Post auf einer Anhöhe im Freien uns niederlegten, um zu speisen.

Abends erreichten wir das Dorf Légrẻn, und blieben auf der Post in einem Zimmer über Nacht. Ich holte meinen ganzen Schulwitz heraus, um Feuer anzumachen. Ich vergeudete so viel egyptische Schwefelfäden, daß der Schwefeldampf unsern europäischen Lungen bedeutend zusetzte. Ein Araber, naturwitziger, als ich schulwitzig, zauberte das Feuer flugs daher, und ich buk Eier in meinem Kochgeschirre. Das Gericht gerieth so gut, daß es auch meinem Reisegefährten mundete.

Als ich mich schon schlafen legte, erhob sich ein wildes Gelärm und Gejauchze unter Schalmei- und Tamburtönen. Es ward eine Hochzeit gefeiert. Ungefähr so lärmt man in der Schweiz, wenn man, mit Erlaubniß, einen Ochsen im Triumphe von der Schießstätte zum Wirthshause führt.

Morgens hatten wir einen Begleiter; von Bèlbeys wollte er uns in die Wüste führen. Wir trauten ihm nicht, vielleicht mit Unrecht, und wir ließen ihn reiten, seelenvergnügt, daß wir seiner los wurden.

Den 10.

Auch diese Nacht nahm ich das gleiche Blitzen wahr. Als ich vom Schlafgemache herunterstieg, lagen andere Leute noch im Schlafe auf dem Dache. Früh Morgens ritten wir mit einem Polizeidiener (Kafaß) von Gaza, welcher seinen Kondukteur hatte, davon.