Unser Nachbar, der mehrerwähnte Mustafa-Bei, hatte seine Zelte in einer Telle aufgeschlagen, welche unser Auge beherrschte. Den Preis des schönsten Zeltes verdiente das Haremzelt, das heißt, der abgesonderte Ort der Frauen Beiïnnen. Dieses Zelt war grün, und als Zierde verbreitete oben ein Stern seine goldenen Strahlen. Von dem Hauptzelte lief ein Zeltgang in ein kleines Zelt, dessen Nutzen sich leicht errathen läßt. Die Frauen, vier an der Zahl, gingen selten aus. Die Kinder hörte ich zuweilen bis in unser Zelt weinen. Die Dienerschaft des Offiziers war sehr zahlreich. Das Aufbrechen aus den Zelten zwei Tage vor unserer Abreise gewährte einen köstlichen Anblick. Der morgenländische Luxus belud über zwanzig Kameele mit Gepäcke. Die Frauen verließen wie Gefangene das Harem, die Erstbegünstigte voran. Schöner grüner, auch rother Zeug umkleidete die Sitze (das Schekdof) auf jeder Seite des Lastthieres.
Unsere Luft erfüllten die Vögel mit vielstimmigem Gesange. Der Rabe krächzte, die Schwalbe zwitscherte, der Staar pfiff, wie bei uns der eben flügge gewordene, und der Sperling schnarrte in die Leier des Zeisigs. Vor dem Witterungswechsel und während desselben sah ich Staare mehrere Male in der Richtung von Sonnenaufgang gegen Niedergang schaarenweise vorüberziehen. Einmal schwärmte der Storch hoch gegen Kairo. Nachts, bei Grabesstille, brausten die in unzähligen Muscheln des Meerufers gefangenen Wellen mein Ohr voll.
Erheben wir uns jetzt mit ruhiger Fassung auf den Standpunkt, um einen Gesammtüberblick auf die Quarantäne zu werfen, so wird man die gute Absicht, Länder, hier Syrien, vor der Pest zu sichern, nicht mißkennen, man wird sie ehren; man kann sich aber nicht bergen, daß, in dem gegebenen Falle, das Mittel dazu nicht nur unzureichend ist, sondern sogar die Menschen herabwürdiget. Denn das Sittengesetz erlaubt nie, daß man krankmachende Anstalten, gleich der vor Augen liegenden Quarantäne, ins Dasein rufe, um einen krankheitsschützenden Zweck zu erstreben, wenn zu gleicher Zeit, wie hier, vom krankmachenden Mittel, wenigstens zum Theile, Umgang genommen werden kann. Will Mehemet-Ali das zweckmäßige Sperrsystem der Europäer nachahmen, so soll er ihm nicht Kopf und Hände abschneiden, er soll es in seinem ganzen Umfange aufnehmen, er soll wenigstens Gebäude aufführen, worin der Kontumazirende doch vor dem Ungestüme der Witterung möglichst sicher bleibt. Wie froh wäre ich gewesen, wenn nur eine elende Araber-Hütte, dergleichen man in Alexandrien und an den Gestaden des Nils und auf den Hosch in Kairo sieht, zu meiner Verfügung gestellt worden wäre. Man wird vermuthlich entgegnen, daß das europäische Sperrsystem in seiner Ganzheit befolgt, bloß den Sitten und den Verhältnissen der Leute und des Landes angeeignet ward. Diesen schweren Irrthum widerlegt nichts gründlicher und triftiger, als die Quarantäneanstalt zu El-Arysch selbst, insofern man sie mit unbefangenen Augen betrachtet. So lange man in der That dem unwidersprechlich großen Uebel nicht steuert; so lange wird der aufmerksame Beobachter in der fraglichen Anstalt nichts, als ein Blendwerk für die Bewohner der vorwärts liegenden Länder erblicken, so lange kann er auch den Gedanken an eine ungerechte und grausame Behandlung der Kontumazirenden nicht daniederhalten.
In Kairo besteht ein Gesundheitsrath, welcher das Gesundheitswohl der vizeköniglichen Unterthanen, eigentlich mehr der Soldaten, überwacht. Es wäre gut, wenn er nicht nur die anzustellenden Aerzte der Armee und der Quarantänen, die Lehrer der Schule zu Abusabel dem Kriegsminister vorschlüge, etwa einige Arzneiformeln für die angestellten Aerzte entwärfe, die Pestordnung abfaßte, sondern wenn er allenthalben genauer beaufsichtigte. Die Inspekzionsreise eines gewissenhaften Arztes nach El-Arysch müßte die Frucht bringen, daß einem Unwesen, welches das menschliche Gefühl in seiner Tiefe beleidigt, Einhalt gethan würde. Wenn mich jemals ein Kitzel zum Schreiben an eine fremde Behörde angewandelt hätte, so würde ich ihn diesmal gefühlt haben, um dem Präsidenten des Gesundheitsrathes, Clot-Bei, und dem zweiten Mitgliede, Dr. Gaëtani, die Schattenseite der Quarantäne zu schildern. Ich ging für einmal über die Sache mit Stillschweigen hinweg, mich glücklich genug schätzend, daß ich während der Zeit meines Gefängnisses von keiner Krankheit ergriffen ward.
Die letzte Nacht in der Quarantäne verlief nicht, ohne daß uns ein Kapitel über das Eigenthumsrecht gelesen wurde. Thiere schlichen in unser Lager, und wirklich ward ein, mittels einer Schnur innen an das Zelt gebundenes lebendes Huhn von einem Hunde oder Schakal geraubt.
Ende des ersten Bandes.
Verbesserungen im ersten Bande.
| S. | 7 | Z. | 4 | von | oben | lies | [Salvore] statt Savore. |
| „ | 25 | „ | 1 | „ | „ | „ | [einem Andern] st. einen Andern. |
| „ | „ | „ | 10 | „ | unten | „ | bunt [darauf, der] Dorfschulze, versteht sich, am breitesten. Cesare etc. |
| „ | 36 | „ | 1 | „ | oben | setze [nach Gebirge ein ,] | |
| „ | 44 | „ | 10 | „ | „ | lies | [Vor] gutem Winde. |
| „ | 48 | „ | 12 | „ | unten | „ | [anhaben] st. anheben. |
| „ | 53 | „ | 11 | „ | „ | „ | [vor] st. von. |
| „ | 64 | „ | 5 | „ | oben | streiche [nach Mela das ,] | |
| „ | 68 | „ | 9 | „ | unten | lies | [Wild-] st. Waldgewächse. |
| „ | „ | „ | 7 | „ | „ | „ | [unsanft] st. umsonst. |
| „ | 72 | „ | 5 u. 4 von unten streiche [zu observiren]. | ||||
| „ | 74 | „ | 8 | von | unten | lies | [asphyktisch] st. asphytisch. |
| „ | 92 | „ | 1 | „ | oben | „ | [welcher] st. welches. |
| „ | 95 | „ | 6 | „ | „ | „ | von [dem Abendländer]. |
| „ | 122 | „ | 3 | „ | „ | „ | [Geknirre] st. Gewirre. |
| „ | 131 | „ | 6 | „ | „ | „ | [Schubbra] st. Subbra. |
| „ | 137 | „ | 6 | „ | unten | „ | [Chamsîn] st. Chamasîn. |
| „ | 142 | „ | 11 | „ | oben | „ | [lebt] st. liebt. |
| „ | 148 | „ | 6 | „ | unten | „ | [seinen Flitter]. |
| „ | 151 | „ | 3 | „ | oben | „ | [Gîsa] st. Gisâ. |
| „ | 163 | „ | 9 | „ | unten | „ | [fischartige] st. frischartige. |
| „ | 170 | „ | 8 | „ | oben | „ | [Gebrauch] st. Geruch. |
| „ | 178 | „ | 8 | „ | „ | „ | [bekehren] st. belehren. |
| „ | 212 | „ | 9 | „ | unten | „ | [des Gürtels] st. der Gürtel. |
| „ | 213 | „ | 11 | „ | oben | lösche [es]. | |
| „ | 219 | „ | 2 | „ | „ | lies | [stächen] st. stechen. |
| „ | 254 | „ | 4 | „ | unten | „ | Abbate [Castigli animali]. |
| „ | 261 | „ | 1 | „ | „ | „ | von [dem] Mitmenschen. |
| „ | 272 | „ | 11 | „ | oben | setze ein [: nach Klinik]. | |
| „ | 278 | „ | 7 | „ | „ | lies | [echt] st. recht. |
| „ | 279 | „ | 8 | „ | „ | „ | [erwecken] st. erzwecken. |
| „ | 280 | „ | 9 | „ | unten | „ | [Matthiolus]. |
| „ | 284 | „ | 9 | „ | „ | „ | [ritt] st. will. |
| „ | 287 | „ | 10 | „ | „ | „ | [ed] st. e. |
| „ | 298 | „ | 4 | „ | oben | setze ein [; vor Idumäa]. | |
| „ | 305 | „ | 9 | „ | „ | lies | [knirrte] st. kirrte. |
| „ | 306 | „ | 8 | „ | „ | „ | [er] st. es. |
Nicht sinnstörende Druckfehler (z. B. 1, 19 [Schemmel] st. Schemel, 1, 103 [Letze] st. Letzte, 1, 123 [faullenzt] st. faulenzt, 1, 181 [schlossen] st. schloßen, 1, 211 [pauckte] st. paukte, 1, 303 [Regen] st. Regnen, 2, 162 Montag st. Montags), insbesondere der Interpunkzion, wenigstens im ersten Bande (z. B. [S. 8], [26], [28]), so wie auch die Ungleichheit in der Rechtschreibung (z. B. Kroazien neben Kroatien, lange Weile neben Langeweile, Pfennige neben Pfenninge, Bogen neben Bögen, Reiß neben Reis) wolle der Leser selbst verbessern.