Die Aushöhlung des harten Felsens muß ein mühsames, kostspieliges Werk gewesen und jedenfalls von Vielvermögenden des Landes angeordnet worden sein. Man schreibt jetzt die Todtenkammern den Römern zu. In frühern Zeiten hielt man sie für die Gräber der Könige von Juda.

Die Grabhöhle der Maria.

Hinweg durch das Stephansthor, vorbei am Stephansplatze, vorwärts über die kleine, steinerne Brücke des Kidrons, — und man sieht gleich linker Hand den Eingang in eine Höhle. Siebenundvierzig Stufen von glattem Marmor leiten in ihre Tiefe. Es ist die Grabhöhle unserer lieben Frau, ihres Gemahls und ihrer Mutter. Eine Menge Blendwerk, Goldleuchter, geschliffene Steine der Kapelle verkümmern den Gedanken an eine natürliche Höhle. Eben lasen die griechischen Priester ihre Messe. Das Näselnde der Stimme widerte mich in hohem Grade an. Noch am widerlichsten näselte ein Knabe das Kyrie (Herr). Ich habe am Gottesdienste wenig Ernst, wenig Würdigkeit zu rühmen.

Hart an Mariens Grabhöhle stößt eine Höhle der Lateiner, worin die Apostel geschlafen haben sollen. Sie bildet den schroffesten Gegensatz der erstern: einfach und glanzlos.

Ueber der Marienhöhle stand in ältern Zeiten eine Kirche, bekannt unter dem Namen Marienkirche.

Die Grabmale Absaloms, Josaphats und Zachariassen.

Ueberschreitet man die Kidronbrücke, und hält man am Fuße des Oelberges stille, so wird man staunend den Blick gegen Morgen auf Denkmale heften, die sich aus der grauen Vorzeit so gut erhalten haben, als die Pyramiden und Obelisken Egyptens. Es sind die Grabmale Absaloms, Josaphats und Zachariassen.

Das Grabmal Absaloms ist zum Theil aus dem Felsen gehauen; der thurmähnliche Aufsatz dagegen besteht aus Mauerwerk. Im Widerspruche mit der Ueberlieferung aber wurde, nach Flavius Josephus, zwei Stadien von Jerusalem dem Absalom eine marmorene Säule errichtet. Das Grabmal Josaphats, ein einziger, aus dem Felsen gehauener Stein, stellt ein kleines Häuschen vor. Schutt füllt fast das ganze Innere, welcher mit einem so geringen Aufwande wegzuschaffen wäre, und der mehr ein Denkmal auf die Trägheit der Zeitgenossen, als das Denkmal eines Verstorbenen zu sein scheint. Unverantwortlicherweise hält man es nicht einmal der Mühe werth, dasjenige recht zu betrachten, was die Urväter mit Anstrengung und Sorgfalt ausgearbeitet hatten. Nahe dem Grabmale Josaphats liegt jenes des Zacharias und an der westlichen Abdachung des Oelberges überhaupt eine Menge gehauener Grabhöhlen und jüdischer Grabsteine. Diese sind unförmliche Grabdeckel, höchstens an ihrer Oberseite glatt gemeißelt und mit einer hebräischen Grabschrift versehen.