1839.


Inhalt des zweiten Bandes.

Seite
Reise nach Jerusalem   [1.]
Einige geographische Bemerkungen über Syrien [13.]
Einige Bemerkungen über die verschiedenen Religionsbekenntnisse der Bewohner in Syrien [15.]
Gaza [28.]
Fortsetzung der Reise nach Jerusalem [30.]
Ende der Reise dahin [38.]
[Jerusalem.]
Oertliche und klimatische Verhältnisse [46.]
Gesundheitszustand und Bevölkerung [52.]
Bauart der Stadt [53.]
Die Kirche des Christusgrabes [56.]
Liegt das Grab Christi in oder außer der jetzigen Stadt Jerusalem? [63.]
Die Gräber der Könige [69.]
Die Grabhöhle der Maria [71.]
Die Grabmale Absaloms, Josaphats und Zachariassen [72.]
Der Brunnen Siloah [73.]
Die Felsanhöhe Zion [75.]
Der Oelberg [79.]
Die übrigen Merkwürdigkeiten [81.]
Physiologischer Karakter der Einwohner [82.]
Sitten und Gebräuche [83.]
Die Tracht [84.]
Das Kriegsvolk [87.]
Die Pilger [94.]
Der Geist der Christen [97.]
Der Ablaß der römisch-katholischen Kirche [99.]
Der alte deutsche Pater und die große Apotheke [102.]
Meine Zelle im Kloster des Erlösers [104.]
Der Führer um und in Jerusalem [106.]
Rückblick auf Jerusalem [108.]
Ausflug nach Bethlehem [110.]
Die Beschiffung des Lothssees [115.]
Nach Jaffa am Mittelmeere [116.]
[Jaffa.]
Lage, Gassen, Hafen, Bevölkerung [121.]
Jaffa, wie es ehemals war [123.]
Die Tageslänge [125.]
Witterungsbeschaffenheit [127.]
Der Meeressturm und der Schiffbruch [128.]
Gesundheitszustand [132.]
Auf dem Hospizdache [136.]
Das Bauernhäuschen [138.]
Das Quarantänegebäude oder Pestlazareth [145.]
Die Jaffanerin kommunizirt, besprengt sich [147.]
Der Jaffaner [149.]
Die Pilger [150.]
Die arabische Knabenschule der Lateiner [152.]
Der Gruß [156.]
Die Brautwerbung und die Hochzeit [159.]
Die Wöchnerin und das Kind [167.]
Wiegenlied und Kinderjucks [170.]
Die Verehrung der Todten [173.]
Die Rekruten oder die Konskribirten [176.]
Das Weinen oder die Raserei am Neujahrstage 1836 [179.]
Ibrahim-Pascha [184.]
Kleine Petschaften oder Siegel [186.]
Der Hakim [187.]
Die Fleischbank [189.]
Der Zuckerrohrmarkt [191.]
Der Tabakschneider [193.]
Der Nargilebediente; die Rauchvirtuosität [196.]
Der Kaffeeröster und Kaffeezerstößer [197.]
Der Baumwollereiniger und Schilfdeckenweber [199.]
Der wandernde Schiffer und Kinderspiele [201.]
Spiel der älteren Leute [202.]
Meine Lebensart [205.]
Ich lese die Bibel [209.]
Ein Pater sagt, ich werde des Teufels [210.]
Wie die Gleißnerei im Namen der heiligen Religion einen Unschuldigen prügelt; laue Konsulats- und Mönchspolizei [212.]
Der Konsul Damiani; mein Besuch in seinem Hause [217.]
Vorbereitung zur Abreise [222.]
Nach Rhodos [226.]
[Rhodos.]
Lage, Himmel, Volkszahl [236.]
Die Stadt Rhodos [238.]
Das Leichenfeld [241.]
Die Bewohner; das lateinische Hospiz; Knabenspiel; große Hähne [243.]
Der Abend im Schiffsraume [247.]
Spaziergang gegen Trianda [248.]
Nach Konstantinopel, Triest und heim [251.]
Anleitung zu der Pilgerfahrt nach Jerusalem [256.]
Schlußbetrachtungen [267.]

Reise nach Jerusalem.

Gepurzel; Gelage; Kameelschädel als Verzierungen; die angebaute Gegend entzückt; Grenzscheide zweier Welttheile; Raphia und Jenisus; Schattenriß des Reisegesellschafters.

Dinstags gegen Abend des 24. Wintermonates, als am zwölften so heiß ersehnten Kontumaztage, brachen wir fröhlich auf. Die wiedererlangte Freiheit schmeckte süßer, als Honigseim. Mein hochbuckeliger Kontumazist schien Eile zu haben. Kaum wollte ich auf ihn steigen, so stand er auf. Ich konnte mich nicht mehr halten und purzelte, das Rad schlagend, hinunter. Die Freude meines türkischen Nachbars, welcher dem Gepurzel zusah, dauerte jedoch nicht lange; gleich saß ich auf dem Dromedar fest und wir trabten von dannen. Echt morgenländisch bewirthete uns der Quarantänedirektor, dessen Einladung in seine Wohnung wir mit Geneigtheit entsprachen. Beim Anblicke der vielen Trachten, die sich am Abendmahle folgten, hätte man nicht glauben sollen, daß so viel Ueppigkeit an einem Orte anzutreffen wäre, wo uns an den ersten Tagen die Lebensmittel zum Theile mangelten. Da weder Messer, noch Gabel vorgelegt wurden, so mußten wir zum Gerichte die Finger orientalisiren. Dieser patriarchalische Gebrauch ist wirklich sehr bequem; nur wollte mir der Sitz auf dem Boden am kleinen, niedrigen, runden Tische nicht behagen.

Ich könnte die Wonne nicht beschreiben, welche im Hause des Pharmazisten mich, als Freigelassenen aus dem Zelte, beseelte. Ganz komfortable fand ich das Gebäude mit einem einzigen Zimmer, mit blinden Wänden, mit dem Boden von Erde, mit dem Dache von Palmstämmen, von Reisern und Laub. Wieder einmal ordentlich stehen und herumgehen zu können, ohne immer mit dem Kopfe karamboliren zu müssen, war ein unaussprechliches Vergnügen. Nicht mehr plagte die Furcht vor den Thränen des Himmels.

El-Arysch, das Dorf selbst, liegt etwa eine halbe Stunde südöstlich von der Quarantäne. Von Aloe, Datteln und indischen Feigen umkränzt, lacht es so traulich aus der Wüste entgegen. Eben blühten die Bohnen und Alles athmete den Frühling. Der Ort, obwohl nicht groß, hat einen Bassar. Ueber den Thüren der Häuser stehen als Verzierungen Kameelschädel. Die Bevölkerung besteht größtentheils aus Weißen, und gerne begegnet man dieser Menschenfarbe wieder, wenn man eine Zeitlang fast lauter Halbschwarze gesehen hat.